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(c) Privatbesitz
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Von der „fatalen, sumpfigen Niederung“ zum „Meer der Wiener“

8. August 2011 • Kultur

Der Neusiedler See ist ein beliebtes Ausflugsziel für Jung und Alt. Die aktuelle Ausstellung im Wien Museum setzt sich – aus Wiener Perspektive – mit dem „Meer der Wiener“ auseinander und erörtert die biologische, touristische, filmische und künstlerische Perspektive im Wandel der Zeit.

In chronologischer Auflistung veranschaulichen Gemälde, Fotografien, Pläne und Grafiken die wechselhafte Geschichte des Sees in der Zeit vom 18. Jahrhundert bis heute. Auch in diversen Ansichtskarten wird deutlich, inwieweit sich der See im Laufe der Jahre verändert hat. Daneben erzählen so grandiose Exponate wie Blechstiefel oder Insektozoid-Zerstäuber vom naturbelassen erscheinenden, aber eigentlich künstlichen (weil stark regulierten) See.

Rundgang durch die Biografie des Sees

Die öffentliche Meinung über das westlichste Steppengewässer Europas changierte seit Anfang seiner Nutzung stark. Von der Betitelung als „fatale, sumpfige Niederung“ bis hin zum „Naturwunder“ reichen dabei die Wertungen, die zu Beginn des Rundgangs nebeneinander aufgelistet sind. Grund dafür waren die starken Wasserschwankungen des Sees. 1865 völlig ausgetrocknet, dann wieder regelmäßig überschwemmt, forderte der See die Bewohner der Umgebung immer wieder aufs Neue heraus. Erst seit etwa 50 Jahren ist der Wasserstand künstlich reguliert.

„Meer der Wiener“ und „Schilfhütte mit Ziehbrunnen“

Der bekannte Slogan „Meer der Wiener“ wurde in den 20er Jahren eingeführt, als der See erstmals touristisch beworben wurde. Der Grundstein für eine öffentlich breitere Wahrnehmung war nun gelegt, davor war der von Wien etwa 50 Kilometer entfernte See nicht sehr bekannt. Beliebt war der See auch für seine „Exotik“ – in Ansichtskarten und Werbungen wurde daher oft der Vergleich mit den Steppen Asiens oder Afrikas angestellt. Sein berühmtestes Motiv fand die Werbeindustrie ab 1945 schließlich in der „Schilfhütte mit Ziehbrunnen“ – die es in dieser Form am Neusiedler See allerdings gar nicht gegeben hatte.

Der See als Hintergrund für künstlerische Auseinandersetzungen

Auch für Film und Fernsehen bildete der Neusiedler See mit seinem Schilf und Sumpf den idealen Hintergrund für Kriminal- und Heimatfilme – und auch der „echte Wiener“ Mundl Sackbauer macht in einer Folge einen Segelausflug mit seiner Frau. Wenig später wurde die Umgebung rund um den See auch für Künstler und Intellektuelle interessant, die die „archaische Gegend“ als Gegenpol zu der Stadt für ihr Arbeiten schätzten und nutzten. Unter ihnen waren heute so berühmte Künstler wie Roland Rainer, Otto Mühl, Karl Prantl oder Peter Noever.

Das Burgenland wird zur Genusslandschaft

Der große Weinskandal im Jahr 1985 hatte zur Folge, dass viele „Doppler-Weinbauern“ ihre Betriebe zusperren mussten. Ein neues Konzept wurde geboren, indem einige Winzer ihre Betriebe zu Edelwinzereien umfunktionierten und Qualität der Quantität voranstellten. Das Burgenland präsentiert sich seither als Genusslandschaft erster Güte.

Fazit: Sehr nett konzipierte Ausstellung über das beliebte Ausflugsziel. Sowohl ein Besuch im Wien Museum als auch beim Neusiedlersee sind sehr zu empfehlen! (Barbara Pflanzner)

"Neusiedlersee – Das Meer der Wiener"
bis 23. Oktober 2011

Öffnungszeiten:
jeweils Dienstag bis Sonntag und Feiertag: 10:00 bis 18:00 Uhr.

Ticketpreis für Erwachsene:
€ 6,- (ermäßigt € 4,- / € 3,-)
Jeden ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt für alle Besucher frei!

Alle aktuellen Ausstellungen im Wien Museum findet ihr hier.
Alle Infos rund um den Neusiedler See findet ihr hier.

Foto: Postkarte, um 1937
© Privatsammlung

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Wien Museum Karlsplatz

Karlsplatz
1040 Wien
01 505 87 47-0
http://www.wienmuseum.at

 

 

 

Zusätzliche Information (_VenueAddress): Maderstraße 2
Zusätzliche Information (_VenuePhone):

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