Wien – Debatte

Prügelsecurities

Von „Prügelsecurities“ und Social Networks

11. April 2013 • Debatte8 Kommentare zu Von „Prügelsecurities“ und Social Networks

Die Flex-Securities stehen im Verdacht, einen Gast krankenhausreif geprügelt zu haben. Mit dem Verdacht wird auf Facebook mobil gemacht.   

Die letzten Tage machte ein Foto auf Facebook die Runde, nämlich von einem Max K., der mit blauem Auge abgelichtet ist. Immer wieder tauchte dieses Foto in meinem Stream auf, manche haben es geliked, andere kommentiert oder geteilt. Dem Foto ist ein Text beigefügt, nämlich sucht Max K. Zeugen, die gesehen haben, wie er in der Nacht auf 7.4. von „Prügelsecurities“ im Flex verprügelt worden ist.

Max. K wollte am 6.4. lediglich seinen Geburtstag feiern

In dem Text wird relativ detailliert geschildert, wie er laut eigener Aussage grundlos aus dem Club geworfen wurde, anschließend in ein Kämmerchen gezerrt und dort von den Securities bis zum Eintreffen der Polizei krankenhausreif geprügelt wurde. Nun sucht er Augenzeugen, denn er hat Anzeige wegen Körperverletzung erstattet.

Das Flex sieht sich also mit sehr ernsten Vorwürfen gegen sein Sicherheitsteam konfrontiert, öffentlich hat man dazu aber noch nicht Stellung genommen (sieht man von dem Veranstalter ab, dazu später mehr). Das Foto inklusive Text wurde mittlerweile ganze 175 Mal geteilt, und auch die zugehörige Facebook-Seite „Prügelsecurities Flex“ hat 195 Fans. Das ist eigentlich ganz schön wenig, besonders wenn man bedenkt, dass in den letzten Tagen breit darüber diskutiert wurde. Woran das liegen könnte?

Die als Tanzfläche zugängliche Bühne

Auf Facebook wird heftig diskutiert, die einen zeigen sich schockiert, die anderen wissen irgendwie nicht so recht, was sie mit der Geschichte anfangen sollen. Schon im Text wird relativ deutlich: Max K. ist – so wie viele das im Flex tun – ohne Erlaubnis auf die Bühne geklettert, und wollte diese anscheinend nicht verlassen. Dass er also grundlos aus dem Club geschmissen wurde, ist also zu bezweifeln, nur zu oft kann man im Flex beobachten, wie Gäste trotz wiederholter Aufforderung die Bühne nicht verlassen wollen. Was dann angeblich passiert ist, hört sich nach einer filmreifen Szene an: Max K. Wurde angeblich geprügelt und gewürgt, und das gleich von mehreren Türstehern, bis die Polizei eintraf.

Wie eine vollkommen andere Geschichte klingt das, was Beat it! Veranstalter Philipp Roskot zu den Vorfällen zu sagen hat: 

"Als BEAT IT Host, der den Vorfall auf der Bühne aus nächster Nähe mitbekommen hat, kann ich sagen, dass hier Unwahrheiten verbreitet werden! Die Bühne ist nur für die DJ-Crew gedacht und deswegen ist Max auch dreimal gebeten worden, diese wieder zu verlassen. Max hat den Security ignoriert, der ihn daraufhin über den Backstageausgang der Bühne verweisen wollte. Hierfür hat er Max an der Hüfte genommen, doch Max hat sich an der Bühnenabsperrung festgehalten und ist auf den Dancefloor gesprungen und wollte in der Menge verschwinden! Der Security ist ihm nach und unten kam es dann zwischen Max, dem Security und einem oder zwei weiteren zu einem Handgemenge! Der Securtiy war also in der Unterzahl was wohl auch sein blutunterlaufenes Auge wie auch seine angeschwollene Gesichtshälfte erklärt! Oder wie erklärt ihr das? Soweit ich informiert bin, hat der Security ja auch Anzeige wegen Körperverletztung erstattet! Für den Ablauf auf und vor der Bühne gibt es übrigens mehrere Zeugen! Ich habe auch mitbekommen, dass Max vorm Flex von den Securities an der Wand fixiert wurde, aber mit der Aufforderung, sich bis zum Eintreffen der Polizei endlich ruhig zu verhalten!"

Von Opfern und Tätern

Solche Situationen sind prinzipiell eher schwierig zu beurteilen – denn auch, wenn man vor Ort war, ist es schwer zu sagen, wer jetzt Schuld hat, was gerechtfertigt war, und was nicht. Wenn die Geschichte von Max K. stimmt, muss sich das Flex-Security-Team vor Gericht für Körperverletzung verantworten. Aber eben das ist wahrscheinlich der Punkt, an dem diese ganze Geschichte ins Seltsame abdriftet: Auf Facebook wird diskutiert, was das Zeug hält, ohne, dass der Fall überhaupt noch vor Gericht gebracht wurde. Max K. Wird das wohl eher schaden, als nützen, sollte ihm Recht gegeben werden, und irgendwie kriegt die Geschichte den bitteren Beigeschmack von Hetzkampagne nicht los.

Die Sache mit den „Prügelsecurities“  

Gut, Max K. Sucht Zeugen, dieser Aufruf ist sicher verständlich. Unverständnis erzeugt bei mir das Posten von Erfahrungsberichten mit Flex-Securities, die auf der Seite nicht gerade gut wegkommen. Zwischenfälle in Clubs sind immer unangenehm, aber es darf nicht vergessen werden, dass Securities nicht gerade den leichtesten Job der Welt haben. Betrunkene Gäste, die immer Recht haben und im schlimmsten Fall noch aggressiv werden, emotional aufgeladene Streitigkeiten, permanentes Rauchen in Nichtraucherbereichen, Stress an der Tür, im Club, auf der Tanzfläche. Es gibt sie, die sehr unangenehmen Türsteher, aber im Regelfall hat man es in Wien doch mit den „Guten“ zu tun.

CSI Facebook

Ob es der gesamten Sache wirklich dienlich ist, wenn sie breit und lang auf Facebook diskutiert wird? Lassen sich so wirklich Zeugen finden? Auf Facebook haben ja immer alle recht, ein seltsames Phänomen, begleitet von einer ziemlich kontraproduktiven Emotionalität, die zu relativ pauschalisierenden Aussagen a la „Alle Türsteher sind scheiße“, „Das passiert immer im Flex“, oder „Max K. hat es verdient“ führt. Kann so sinnvoll eine Diskussion geführt werden? Schießt sich Max K. hier nicht ins eigene Knie?

Die Geschichte um Max K. ist eine von diesen Geschichten, bei denen man sich wünschen würde, dass mit ein wenig mehr Vernunft gehandelt wird. Es wird doch relativ unachtsam mit Vorwürfen umgegangen, sowohl in die eine, als auch in die andere Richtung. Was meint ihr?

UPDATE 11.4.2012

Hier der Link zur offiziellen Stellungsnahme des Flex.

Therese Avila Kaiser

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8 Antworten auf Von „Prügelsecurities“ und Social Networks – Verstecken

  1. rmpf sagt:

    naja..
    die ganze sache ist komisch irgendwie. ich versteh nicht ganz was der sinn der facebook seite sein soll.

  2. stadtunbekannt sagt:

    Was sagt Max K. dazu?
    Die Frage ist ja auch: von wem stammt der reißerische Ausgangstext (oder aber: warum schreibt Max K. von sich in der dritten Person?) und was hält Max K. von diesem Tehater rund um seinen Fall (oder aber: warum zur Hölle schreibt er von sich in der dritten Person???!)

    Da fängts ja schonmal an…

    P.S.: Dass das Foto mit Text 175mal geteilt wurde, finde ich persönlich ganz schön viel.

  3. stadtbekannt sagt:

    @unbekannt
    das weiß leider keiner so genau – wahrscheinlich er selber oder einE nähereR bekannteR. oft geteilt wurde es, ja, aber nicht sonderlich oft geliked meinten wir damit – sorry, unglücklich formuliert!

  4. meine meinung sagt:

    Laut seinen Aussagen wurde
    Ihm das Handy abgenommen wurde(mit welchem Recht???)und danach wurde er ins Prügelkammerl geschliffen, fehlt im Text!

  5. Crazysonic sagt:

    Stenzel, hilf bitte
    Dass ein besonders aggressiver Anti FLEX Poster dann als Hilfe in dem Topic einen direkten Link zur Bezirks ÖVP und Ursula Stenzel anbietet, ist ein kleines (oder gar nicht mal so kleines) Skandälchen am Rande dieser besonders reisserischen Story, die gezielt wohl daruaf abgerichtet war, dem GLEX just am Tage des Bekanntewerdens der offiziellen Sperrstundenverlängerung zu schaden!!

  6. david sagt:

    schwierige angelegenheit: wie immer
    es ist nun mal ein dilemma:
    agressive gäste und menschen die nicht mit alkohol umgehen können trifft man an jeder ecke und dass diese nicht gerade obrigkeitshörig sind wissen wir wohl auch.
    das problem, was beim flex dazu kommt und dieses existiert nicht erst seit ein paar monaten sind schlecht ausgebildete sicherheitskräfte.
    natürlich geht es unten am kanal manchmal ein wenig ruppiger zu? das flex hat allerdings die nötigen mittel um gut ausgebildetes personal an die tür zu stellen, wie es bei jedem club mit einem vernünftigen namen der fall ist (reden wir von berghain in berlin, johnson in offenbach oder pratersauna, fluc und forelle in wien). im bzw. vorm fluc kommt es so viel ich weiss so gut wie nie zu solchen vorfällen und ganz ehrlich. am praterstern ist auch nicht gerade sonnenschein-atmosphäre.

    dass das ganze auf facebook jetzt breit getreten wird ist natürlich nicht wirklich hilfreich. allerdings wird im flex mit sicherheit nun darüber nachgedacht, wie solche vorfälle zu verhindern sind und dabei wird mit hoffentlich das verhalten beider seiten überdacht: wie gehe ich mit gästen um, die sich nicht benehmen und muss ich wirklich aktive gewalt gegen rebellierende jugendliche anwenden oder reicht es diese zu fixieren und vor die tür zu bugsieren?!

  7. david sagt:

    einwurf
    noch ein ganz kleiner einwurf:
    wer auch immer an der sache schuld war oder auch nicht. ich gehe mal davon aus, dass beide nicht unschuldig waren (die eine person zu viel alkkohol, die andere zu viel Testosteron):

    für’s wiener nachtleben sind solche nummer nur schädlich. ich höre schon die geier aus der politik schreien: jaja das habt ihr von eurer sperrstundenverlängerung, dieses feiernde jugendpack soll gefälligst um 8 ins bett..

  8. Samtex sagt:

    immer das gleiche
    zuerst führen sie sich besoffen auf, wenn irgendwann das echo kommt wird rumgeheult und nach "zeugen" gesucht.
    die flex security schlägt nicht grundlos zu, die haben besseres zu tun.

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