Lifestyle – Skurriles

Archäozoologie bis Numismatik © Marian Schrader - Fotolia.com

Von Archäozoologie bis Numismatik

12. September 2011 • Skurriles2 Kommentare zu Von Archäozoologie bis Numismatik

Psychologie ist zu überlaufen, Publizistik zu nichtssagend und zu „mainstream“ und Medizin studiert sowieso auch schon jeder Zweite? Der Kampf um einen Seminarplatz und anschließend um einen freien Sitzplatz ist zu anstrengend? Stadtbekannt hat alternative Vorschläge für den universitären Wissenserwerb parat.

Bald neigen sich die mehr oder weniger erholsamen Sommerferien dem Ende zu, und die Gegend rund um die Station Schottentor verwandelt sich ab Anfang Oktober wieder in einen geschäftigen Ameisenhaufen aus riesenhaften Heftordnern und dunkelblauen Uni-Wien-Taschen derjeniger, die der Welt gerne ihren studentischen Status präsentieren möchten, aus keilenden Amnesty- und Greenpeace-Leuten, deren Geschick, auch wirklich jeden (und das nicht bloß einmal täglich) mit ihrer Aufmerksamkeit zu beehren, beachtlich ist, aus kleinen Holzständchen für diejenigen, die vielleicht doch gerne ein Probe-Abo des Standard, der Salzburger Nachrichten und des Kurier haben möchten, weil es in Kombination dazu immer so hübsche Kugelschreiber gibt.

Zwischen Amnesty-Keilern und Sitzplatz-Neidern

Hat man diesen Irrgarten zwischen U-Bahn und Haupteingang der Uni Wien überwunden, so geht es anschließend im Inneren des ehrwürdigen Gebäudes in heiterer Manier weiter:
Unter dröhnendem Kampfgeschrei mit der Lautstärke eines Metallica-Konzertes und mit vollstem Einsatz aller zur Verfügung stehender Gliedmaße – wobei der Kreativität hierbei keine Grenzen gesetzt sind – wird ein Sitzplatz gesucht, mit ein wenig Glück und Taktik dann auch ergattert und durch Ausbreiten der Uni-Wien-Täschchen und Heftordner auch für die besten Studienfreunde gesichert. Diese während der Vorlesung neben sich sitzen zu haben ist natürlich ein Ding der absoluten Notwendigkeit, möchte man sich doch während eher uninteressanter Vortrags-Passagen über das vergangene, ereignisreiche Wochenende austauschen können.

Wer sich noch unschlüssig bezüglich der Wahl des perfekten Studiums oder zumindest bezüglich der Wahl der perfekten freien Wahlfächer ist, jedoch gleichzeitig zu dem sicheren Schluss gekommen ist, diesem Trubel entgehen zu wollen, dem empfehlen wir das Belegen folgender Studienrichtungen:

Fennistik oder Finno-Ugristik

Mit dem Schwerpunkt auf die finnische Sprache beziehungsweise die finnougrische Sprachgruppe können hier in sicherlich wohlig-familiärem Rahmen Vorlesungen wie Kulturen der uralischen Völker, Folklore and World View of Balto-Finnic Peoples oder aber Natur und Volk in der finnischen Literatur besucht werden. Das vielversprechende Ziel, mit dem Abschluss des Studiums praktische Erfahrungen in der wissenschaftlichen Forschung der finnougrischen Sprachgruppe erhalten zu haben, ist vielleicht nicht unbedingt gleichzeitig erfolg- und karriereversprechend, dennoch spart man sich mit Sicherheit jede Menge blauer Flecken beim Kampf um den Sitzplatz.

Numismatik und Geldgeschichte

Du hast schon immer davon geträumt, eine wissenschaftlich fundierte breite Materialkenntnis von Objekten der Münz- und Geldgeschichte von der Antike bis in die Neuzeit (Münzen, Medaillen, Papiergeld und andere Geldformen und münzähnliche Objekte) zu erlangen? Dann inskribiere dich doch für das individuelle Masterstudium Numismatik und Geldgeschichte und erweitere mit Proseminaren wie „Gipsabdrücke von Medaillen aus dem 18. Jahrhundert“ deinen wissenschaftlichen Horizont.

Byzantinistik und Neogräzistik

Überfordernde 37 Studierende zählte letztes Wintersemester die heillos überlaufene Studienrichtung Byzantinistik und Neogräzistik – kann man sich Namen von Kommilitonen nur schwer merken und kann sich nur in vertrautem, einer Schulklasse ähnelndem Rahmen konzentrieren, ist diese Studienrichtung wahrscheinlich nicht unbedingt die empfehlenswerteste, obgleich das Studienziel, Kenntnisse über die Sprache, Geschichte, Gesellschaft und Kultur des Byzantinischen (Oströmischen) Reiches von ca. 324 bis 1453 n. Chr. Zu erlangen, durchaus verlockend zu sein scheint.

Paläobiologie

Wer die Wörter terrestrische Aktuopaläontologie, paläontologische Evolutionsforschung, Paläoklimatologie, Paläobiogeographie, spezielle Hominidenevolution, Archäozoologie oder Paläophytikum schnell und fehlerfrei aussprechen kann und sie nicht bloß als Zungenbrecher und willkürliche Aneinanderreihung von zu vielen Konsonanten vor Augen hat, der ist wahrscheinlich in der Paläontologie gut aufgehoben. Nach Abschluss des Studiums kann man beispielsweise im Fossilienhandel Karriere machen.

Science-Technology-Society

Analytisches Denken ist bei diesem Studium nicht unbedingt als Voraussetzung erfordert, ist es doch vielmehr erst das Studienziel, dieses zu erlangen. Auch die Fähigkeit, selbstständig, aber auch vor allem in interdisziplinären Teams tätig zu sein, hat oberste Priorität beim Wissenserwerb. Selbsthilfe-Seminare wie beispielsweise Coping with Troubles sollen den Studierenden dabei durch die vier Semester Master-Studium helfen, nach dessen Abschluss sie Wechselwirkungen von Wissenschaft, Technik und Gesellschaft begreifen können.

, , , , , , , ,

Weitere Artikel

2 Antworten auf Von Archäozoologie bis Numismatik – Verstecken

  1. djrfüort sagt:

    Dogmatik finde ich auch sehr schön,
    oder Nederlandistik. Gibt es eigentlich oder die Briefmarkenkunde, schade eigentlich, dass man die nicht auf der Uni lernen kann…

  2. Sabsi sagt:

    Ich schätze alle Formen von Materialwissenschaft
    und besonders die Montanwissenschaften.

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

« »