Kultur – Literatur

Cornelia Krebs: Ute Bock - Die Geschichte einer Flüchtlingshelferin

Ute Bock – Die Geschichte einer Flüchtlingshelferin

20. Dezember 2010 • Literatur

Nächstenliebe, Mut, Zivilcourage, Mitgefühl, Anteilnahme. Für manche idealistische Werte, für andere selbstverständliche Charakterzüge, die ihr Leben bestimmen. So auch für Ute Bock. Mit einem starken Rückgrat, einer großen Klappe und einer ordentlichen Portion Engagement setzt sich die Bock seit Jahrzenten für andere Menschen ein, insbesondere für AsylwerberInnen, die von der österreichischen Polizei, Justiz und Gesellschaft meist eher schlecht als recht behandelt werden.

Cornelia Krebs, Ö1 Redakteurin und Preisträgerin des „Dr.-Karl-Renner-Publizistikpreises“, veröffentlichte nun ein Buch über die Frau, die sich in Österreich viele Freunde, aber fast noch mehr Feinde mit ihrem Einsatz und ihren Überzeugungen machte. In „Ute Bock – Die Geschichte einer Flüchtlingshelferin“ erzählt Ute Bock aus ihrem Leben und ihrer Arbeit, die Reaktion der Menschen auf ihr Engagement und ihre Überzeugungen. Daneben kommen auch Wegbegleiter zu Wort, die von ihrer Zusammenarbeit mit Ute Bock erzählen. Stadtbekannt rezensiert.

„Ach, die Kleine hat ja schon so viel mitgemacht“

Diesen Satz hörte Ute Bock nicht gern als Kind. Ihre Kindheit betrachtet sie aus einer gewissen Distanz, weder gut, noch schlecht, normal, wie sie meint. Von elterlicher Kälte, fehlendem vertrautem Verhältnis und strenge Regeln berichtet sie, von der Nähe des Vaters zum Nationalsozialismus und der kalten Beziehung ihrer Eltern. Weder rebellierte Ute Bock, noch hat sie aus ihrem Elternhaus ihre Überzeugungen geschöpft, man bekommt das Gefühl, Ute Bock sei immer schon das gewesen, was sie heute ist: Ein Mensch, dem es nicht egal ist, wie es anderen ergeht, ohne dabei ihre Argumente auf irgendeinen übergeordneten Wertekanon zu beziehen.

„Meine Erfahrung sagt mir, dass kein Fremder zu einem Kind je so grauslich sein kann wie die eigenen Eltern“

In den 60er Jahren arbeitete Ute Bock in Biedermannsdorf, einem Kinderheim, gedacht für Sonderschüler. Sie erzählt von brutalen Erziehern, aber auch davon, dass fast alle Kinder im Heim glücklicher waren als zuhause, weil es bei den Eltern noch schlimmer war. Danach wechselte sie ins Gesellenheim Zohmanngasse in Wien, wo ausgelernte Jugendliche aus den Bundesländern bis zur Volljährigkeit leben sollten. Doch mit der Mithilfe von Ute Bock wurden mit der Zeit nicht nur solche Jugendliche aufgenommen, sondern auch Wiener, die in keinem Heim mehr unterkamen, die ganz schlimmen Burschen also. Mit der Zeit kamen die Flüchtlinge und Asylanten. Auch nach ihrer Pensionierung unterstützt Ute Bock Flüchtlinge in den Bereichen Wohnen, Bildung und Beratung.

„Die Operation Spring war eine Zäsur in Ute Bocks Leben, die Spuren hinterlassen hat“

So leitet die Autorin die Erzählungen von Ute Bock ein, die sich mit der Operation Spring 1999/2000 seitens der österreichischen Polizei auseinandersetzen. Vermutlich der spannendste Teil des Buchs, ohne es darauf reduzieren zu wollen. Als LeserIn erhält man einen Einblick in die Geschehnisse, den man wohl nie zuvor hatte. Österreichweit wurden Wohnungen und Flüchtlingsheime gestürmt und unzählige Menschen afrikanischer Herkunft festgenommen bzw. in Folge dessen verurteilt. Kontrovers war die Operation Spring auf jeden Fall, umso mehr wird das klar, wenn man Ute Bock erzählen lässt.

"Vor der Operation Spring dachte ich, die Menschen seien grundsätzlich anständig. Danach war ich mir da ganz und gar nicht mehr sicher."

Eine Erzählung, wie sie im Buche steht

Cornelia Krebs hat gut daran getan, das Buch so zu veröffentlichen, wie sie es getan hat. Es ist eine Biographie, eine Geschichte, in der die Protagonistin erzählt und nur durch sehr kurze deskriptive Kommentare der Autorin unterbrochen wird. Ute Bock erzählt aus ihrem Leben und es wird klar, dass das Buch höchstens einen minimalen Ausschnitt aus dem bietet, was diese Frau erlebt hat. Aber es ist ein guter Ausschnitt, Cornelia Krebs hat das Buch sogar verdammt gut zusammengestellt. Überblick und Detail halten sich in der Waage, werden in den 11 Kapiteln zwar nur Episoden ihres Lebens angeschnitten, so passiert doch, was vermutlich beabsichtigt war: Der/die LeserIn lernt Ute Bock kennen, nämlich als eine konsequente Frau, die sie ganz und gar ihrer Arbeit verschrieben hat und sehr viel Verständnis für die Bedürfnisse derer aufbringt, die oftmals nicht mehr weiter wissen.

Ute Bock – eine Heilige?

Auf die Gefahr hin, dass dies eine Lobeshymne auf Cornelia Krebs wird: Die Autorin hat, so vermute ich einmal, zusammen mit Ute Bock ein bestimmtes Ziel verfolgt: Nämlich sollte es nicht die Geschichte einer Heiligen werden, die sich für die Armen und Schwachen aufopfert, sondern die Geschichte einer Frau, die sich im Gegensatz zu den meisten anderen Menschen richtig verhält, die konsequent und ehrlich ihre Standpunkte vertritt und sich nicht von Schwierigkeiten einschüchtern lässt. Die bösen Kommentaren mit Witz entgegnet und die in Kauf nimmt, dass andere Menschen sie belächeln. Somit regt das Buch zum Nachdenken an, wie man vielleicht selbst einen Beitrag leisten kann, es gibt Mut, dass trotz des enormen Widerstands gegen Ute Bocks Arbeit Bemühungen fruchten können. Wer dieses Buch gelesen hat, der hat Respekt vor Ute Bock und ihrer Arbeit.

Ute Bock – Die Geschichte einer Flüchtlingshelferin

Das Buch liest sich schnell, ist leicht, ohne dabei die Schwere des Inhalts zu verschleiern. Es ist ein trauriges Buch, denn es erzählt von furchtbaren Schicksalen, Ignoranz, Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, von Egoismus, Unverständnis, mangelndem Mitgefühl und Ungerechtigkeit. Auf der anderen Seite zeigt es, was eine einzige Frau aufbauen kann und welchen enormen Wert soziales Engagement hat.

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Ute Bock – Die Geschichte einer Flüchtlingshelferin ist im September 2010 im  Molden Verlag erschienen

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