Wien – Debatte

bildungsmisere

Und täglich grüßt das Murmeltier

15. Dezember 2010 • Debatte

Ablenkungstaktigen statt Problembehebung

Ja, welch ein Affront: Es ist wieder soweit, die PISA Ergebnisse sind da und damit entbrennt, wie alle Jahre wieder eine neue Diskussion um Schulreformen. Es herrscht Katerstimmung in der Koalition. Mit dem Umgang mit den PISA – Ergebnissen ist es wie mit den Neujahrsvorsätzen, zuerst wird heftig debattiert, gegenseitige Schuldzuweisungen werden gemacht und dann ein paar kosmetische Korrekturen vorgenommen. Diese führen aber, oh Schreck, nicht zum gewünschten Ergebnis, sondern zu noch schlechteren Ergebnissen.

„Lernen sie Geschichte!“, das Zitat von Bruno Kreisky welches dieser einem Reporter vor den Latz knallte, sollten sich einige der aktuell agierenden PolitikerInnen hinter die Ohren schreiben. Stattdessen ist nun unter den LandesfürstInnen eine Diskussion über die „Wiedereinführung“ der Studiengebühren entbrannt. Eine wunderbare Strategie um von der eigentlichen Problematik abzulenken.

Spurensuche für die Gründe der Miesere…

Der Gründe gibt es natürlich viele zu benennen….

Beispielsweisedas veraltete österreichische Schulsystem, welches noch auf den Pfeilern von Maria Theresias Schulreform ruht, obwohl sich die Welt seither doch weiter gedreht hat. Veralteter Frontalunterricht in dem nicht lernen und verstehen, sondern auswendig lernen im Vordergrund steht. Der chronische Geldmangel im Schulsystem. Die veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in den Familien, welche zur erhöhten Belastung für die LehrerInnen führen. Die Reformresistenz des österreichischen Schulsystems…..

Das größte Problem dürfte aber das parteipolitische Hickhack zwischen ÖVP und SPÖ sein. Die ÖVP ist in Sachen Bildungspolitik ungefähr so beweglich, wie ein Hinkelstein. Die SPÖ ist dafür kontinuierlich inkonsequent ihre Forderungen auch  durchzusetzen. Das Ergebnis ist bildungspolitscher Stillstand seit der Ära Kreisky. Auch wenn es sehr überstrapaziert sein mag, war doch die Kreisky-Ära die letzte, in der es so etwas wie eine Bildungsreform gab.

Historischer Rückblick – Bildungsreformen in Österreich

Mich persönlich ärgert es ja besonders, dass die Diskussion die wir rund um die Gesamtschule führen, eigentlich eine sehr lange Geschichte hat. Ja wir können mit stolz geschwellter Brust, quasi 30 Jahre Bildungsutopie feiern. Herzliche Gratulation Österreich du hast es geschafft, den Stillstand zu zelebrieren und zu perpetuieren!

Schon um die Jahrhundertwende wurde in Österreich an Bildungsreformen gearbeitet. Eine prominente Vertreterin war Eugenie Schwarzwald, die um 1910 in Wien an der Reform des Schulsystems gearbeitet hat. Sie dachte auch tiefgreifende Veränderungen im Unterricht an, welche sie zumindest in der von ihr geführten Schule realisierte. Die Idee war eine Schule die für alle, unabhängig von ihrer Herkunft und ihrem Geschlecht, die gleichen Chancen bietet. Dazwischen kam der Fall der Monarchie, die Wirtschaftskrise, der Zweite Weltkrieg und erst in den 60iger bis 70iger Jahren gab es wieder einige Reformen. Aber seither hat sich im Grunde nicht viel getan. Was wohl auch an den sehr konservativen BildungsminsterInnen liegt, die in dieser Zeit am Werk waren.

Aktuell scheint es auch auf Grund der Wirtschaftskrise sehr schwierig das marode Bildungssystem zu reformieren. Da zetteln die Landeshauptleute schon viel lieber eine Diskussion über die Wiedereinführung der Studiengebühren an und die Regierung streitet darüber wer für die Misere verantwortlich ist. Fazit – Alles bleibt gleich.

Cornelia Dlabaja

Verloren in der Stadt: Auf Entdeckungsreise im Asphaltdschungel

, , , , , ,

Weitere Artikel

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

« »