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Todestag: Cy Twombly

5. Juli 2013 • Kultur4 Kommentare zu Todestag: Cy Twombly

Cy Twombly ist am 5. Juli 2011 im Alter von 83 Jahren in Rom gestorben. Doch wer war Der Künstler, der hierzulande eher unbekannt ist, während seine Werke am internationalen Markt für zweistellige Millionensummen gehandelt werden? Wir wollen ihm einen kleinen Gedenkstein setzen und dazu beitragen, dass er posthum auch in Österreich mehr Menschen ein Begriff ist.

Als öffentlichkeitsscheu und zurückgezogen galt Twombly, als scheues Reh, das Wortspenden eher vermeidet, nicht als großer Selbstdarsteller. Und ähnlich ungreifbar sind auch seine Bilder: rätselhaftes Gekritzel, sinnlose Wortfetzen, Zahlenreihen auf teilweise riesigen Leinwänden, zu denen sich Assoziationen zwischen Ecriture Automatique, Kinderzeichnung und Toilettenschmierereien aufdrängen.

Subtil und sublim

Die Bedeutung dieser scheinbar beiläufig hingeschmierten Kritzeleien, das feine Geflecht von Strichen, das teilweise All-Over-artig die komplette Leinwand überzieht, teilweise allein auf weißem Grund steht, liegt im Dunkel, oder besser: im Hellen. Denn durch die weißen Hintergrundflächen, die viele Gemälde Twomblys dominieren, werden ephemere Gesten, scheinbar sinnloses Gekritzel und Wortfetzen erst als eigenständige Ausdrucksmittel begreifbar, wie Achim Hochdörfer, Kurator der umfassenden Werkschau Twomblys, die das MUMOK 2009 veranstaltet hat, erklärt: das Weiß als Twomblys Version von John Cages Stille. Und trotzdem steht man vor seinen Gemälden, Skulpturen oder Fotografien manchmal wie die Thebaner vor der Sphinx.


Reisender der Kunst

Wobei, der Vergleich mit der Sphinx ist nicht unpassend, steht der „Reisende der Kunst“ Twombly, der bei seinen zahlreichen Studienreisen auch durch Ägypten zog, doch auch für Antikenrezeption und Faszination für mythologische Themen. Inspirieren ließ er sich dabei auch an Originalschauplätzen, die er schon in den fünfziger Jahren – etwa mit Robert Rauschenberg – besuchte, als er noch am Black Mountain College studiert hat, wo er übrigens mit Größen John Cage und Robert Motherwell zusammentraf. An diesen Schauplätzen sollte er auch hängen bleiben: schon früh verlegte er seinen Hauptwohnsitz nach Rom und an das Mittelmeer, wo er seit den 60er Jahren seinen Stil konsequent pflegte. Zu Ruhm kam er erst spät, vor allem in Amerika wurde der Zeitgenosse Warhols erst relativ spät entdeckt – aufgedrängt hat sich Cy Twombly nie, und in aller Stille ist er auch gegangen. Et in arcadia ego.       (rmd)

Foto (c) Mumok / Cy Twombly "Wilder Shores of Love" (1985)

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4 Antworten auf Todestag: Cy Twombly – Verstecken

  1. Bernd sagt:

    "nahezu unbekannt"…?
    Wo genau befindet sich eure Redaktion? Auf dem Mond? Sorry aber Cy Twombly kennt man, spätestens nach der Werkschau im Mumok.

  2. apollon sagt:

    schade
    so schnell gehts.

  3. stadtbekannt sagt:

    @bernd
    unglücklich formuliert – wir wissen natürlich dass man ihn kennt, deshalb schalten wir ja auch einen Nachruf 🙂

  4. jehova sagt:

    @bernd
    eh, aber frag mal 20 leute auf der straße, ob sie cy twombly kennen. wennst glück hast findest einen.

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