Kultur

mittsommernacht_II

Theater Tipps Juni: Eine Mittsommernachts-Sex-Komödie

7. Juni 2012 • Kultur

Sommerfrische a la Woody Allen: Damit sich beim Wochenendausflug am Land niemand langweilen muss, werden im Burgtheater eifrig die Partner getauscht.

Zwischenmenschliche Beziehungen, Sex und die Unmöglichkeit der Liebe: Woody Allens Geschichten sind seit Jahrzehnten immer die gleichen. Matthias Hartmann brachte Allens 1982 erschienen (und übel verrissenen) Film Eine Mittsommernachts-Sex-Komödie Anfang des Jahres auf die große Bühne des Burgtheaters. Im Juni gibt es noch drei Mal die Gelegenheit, das Stück zu sehen. Trotz kleiner Schwächen, wie dem teilweise zu überzeichneten und polternden Auftreten der Schauspieler, das dem eleganten und bescheidenen Zynismus in Allens Werken nicht gerecht wird, ist die Umsetzung gelungen.

Hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein

Drei Paare treffen sich zur gemütlichen Wochenendfiesta in einem Haus am Land: Andrew (Michael Maertens spielt den Woody Allen Charakter des Stückes), ein Anlageberater und Hobbyerfinder, empfängt Leopold (Martin Schwab), einen Schubert-Lieder trällernden Philosophieprofessor sowie den Arzt und Frauenhelden Maxwell (Roland Koch). Alle drei haben Frau oder Freundin mit dabei und entdecken im Lauf des Stückes getreu nach Goethes „Wahlverwandschaften“ die Zuneigung zu einer der anderen anwesenden Damen. Zwischen dem tollen Beginn und dem misslungenen Ende, bei dem der beim Geschlechtsakt glücklich verstorbene Leopold aus dem Grab zu den Übriggebliebenen spricht, findet sich jede Menge Wortwitz a la Woody Allen. Für Burgtheater Verhältnisse leicht verdauliche Kost ohne allzu großen Tiefsinn.

Premieren

Wem Woody Allen zu soft ist, dem sei das im Juni startende Conte d’Amour in der Garage X ans dunkle Herz gelegt. Frei nach Josef Fritzl widmet sich der skandinavische Künstler Anders Carlsson der Liebe im Keller und kritisiert dabei nicht nur uns böse Österreicher, sondern gleich die gesamte patriarchalische und materialistische Gesellschaft. Wer glaubt, dass Finanzkrisen Phänomene des neuen Jahrtausends sind, sollte sich im Rahmen der Wiener Festwochen im MQ durch Ödön von Horáths Glaube Liebe Hoffnung darüber aufklären lassen, dass auch schon andere Generationen darunter gelitten haben: In Christoph Marthaler Inszenierung wird eine junge Frau portraitiert, die durch die Wirtschaftskrise der dreißiger Jahre bis in den Tod getrieben wird.

Foto: (c) Reinhard Werner Burgtheater
Michael Maertens (Andrew), Dorothee Hartinger (Adrian), Roland Koch (Maxwell), Sunnyi Melles (Ariel), Liliane Amuat (Dulcy), Martin Schwab (Leopold)

Andreas Rainer

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