Kultur – Musik

The Libertines: also doch nicht.

13. Mai 2011 • Musik

Also doch nicht: nachdem Pete Doherty und Carl Barat mit einigen Festival-Gigs und einer feuchtfröhlichen Pressekonferenz in einem Londoner Pub, die eine Libertines-Reunion ankündigte, den Anschein machten, als hätte man sich endlich zusammengerauft und Pete sich wieder einigermaßen eingekriegt, hieß es vor wenigen Tagen seitens der Band, dass die Band keine Zukunft hat. Zu omnipräsent sei die turbulente und nicht immer formschöne Vergangenheit.

Wir erinnern uns zurück:

Alle heiligen Zeiten kommen Bands, die der gängigen Stagnation und Langeweile gehörig in die Weichteile treten. So geschehen, als damals eine Band rund um den talentierten aber leider immer verkorksteren Pete Doherty und seinen Intimus Carl Barat mit rotzigen, wunderschön diletantischen aber völlig beherzt gespielten Songs wie „What A Waster“ der britischen, aber nicht nur der britischen Musiklandschaft einen gehörigen Tritt in den Allerwertesten verpasste. Das machte Sinn.

Bei den Libertines traf Punk auf Poesieverliebtheit, Rock´n´Roll auf eine Prise literarischen Romantizismus. Arcadia, die mythologische Insel auf die Carlos und Bilo, so Petes Spitzname, mit dem Schiff Albion der archaischen, romantizistischen Idee einer englischen Arche von Dandies und Poeten, Rockern und Junkies, unterwegs waren. Dort drüben, wo wir uns an den Friedhofstüren treffen, wo Keats und Yeats auf deiner Seite sind, aber ich gewinne weil Wilde auf meiner steht.

Nun, der Rest ist wohlbelegte Geschichte: Pete konnte mit den Drogen nicht ganz so gut umgehen, wurde dank der Liasion mit Kate Moss der berühmteste Junkie im Boulevard, stritt mit Carl, brach in Carls Wohnung ein und nahm sich ein paar Gitarren mit, ging in den Knast, versöhnte sich mit Carl (das Foto prangt auf dem zweiten Libertines-Album), wurde dann aber irgendwann endgültig rausgeschmissen. Nachdem die Libs auf Tour ohne Pete gingen, lösten sie sich dann bald auf – Pete gründete die Babyshambles und zog weiterhin beherzt am Crackpfeiferl, Carl (zu besten Zeiten sicher auch kein Kind von Traurigkeit), machte mit den Dirty Pretty Things zwei Alben, löste die dann aber recht bald auf.

Et cetera, sie kennen die Geschichte. Es sah zwischenzeitlich so aus, als hätte sich Pete ganz gut im Griff, die Presse hörte nie auf von einer Reunion zu reden und irgendwann war´s dann eben soweit: ob es ein Album geben würde wüssten sie nicht, der Bilo und der Carlos, aber ein paar Gigs. Auch wenn sie sich sehr bemühten, die Innigkeit aus früheren Tagen zu imitieren, so ganz glaubhaft war es nicht.

Die gemeinsame Reise gen Arcadia ist also bis auf weiters hinfällig, die likely lads glauben nicht mehr so ganz, dass es klappen würde. "The arcadian dream, so fallen through, but the Albion sails on course".  Carlos, so meinte in einem Interview, möchte sich nicht wieder von Pete das Herz brechen lassen. Andere, weniger schön klingende Gründe, können dem beigedacht werden.

What a waster: schade für die stylischen kids in the riot, aber nicht unvorhersehbar. Vielleicht klappt’s ja doch nochmal irgendwann.

Markus Brandstetter

Geschichten rund um den Song Noir. Von strauchelnden Protagonisten, Mythen und Mixtapes.

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