Kultur

(c) Iris Andraschek
(c) Iris Andraschek

Tell these people who I am

4. November 2011 • Kultur

Dem Umstand, dass die Würdigung und Repräsentation von wichtigen Frauenpersönlichkeiten im öffentlichen Stadtraum Wiens marginal ist, geht derzeit die Künstlerin Iris Andraschek in ihrer Arbeit „Tell these people who I am“ nach. Die Initiative KÖR, welche diese Arbeit initiiert hatte, stellt mit den drei Interventionen, wie auch schon bei Isabella Kresses Arbeit „Für Johanna“, erneut Frauen in den Mittelpunkt. Drei Arbeiten im Bezirk Wien-Neubau sind geplant, zwei davon bereits realisiert.

Iris Andraschek rollt für ein paar von ihr ausgesuchten Frauenpersönlichkeiten zwar nicht den roten, dafür aber den steinernen Teppich aus. In Wien-Neubau fräste die Künstlerin verschiedene Teppichmuster in die Gehsteige des Bezirks, dort, wo sich die Wirkungsstätten historisch wichtiger Frauenfiguren befanden. Den Teppichmustern sind jeweils die Namen, Tätigkeiten, persönliche Notizen und Geschichten über drei Frauen beigegeben, die in der Geschichte Großes geleistet haben, doch längst wieder vergessen worden sind.

Der Teppich wurde als Informationsmedium gewählt, da er in der Regel von (anonymen) Frauen hergestellt wurde, seine Geschichte aber über die Namen von meist männlichen Sammlern und Händlern transportiert wird. Iris Andraschek enthebt mit ihren Teppichen drei Frauen aus der Anonymität, gibt ihnen einen Namen und gestaltet so einen öffentlichen Erinnerungsraum. 

Der Frauenrechtlerin Olly Schwarz (1877-1960) ist ein Teppich in der Stiftgasse 2 gewidmet. Sie war die Gründerin der Wiener Handelsschule für Mädchen und des „Athenaeums", einer Hochschule für Frauen. 1916 gründete sie die Zentralstelle für weibliche Berufsberatung und engagierte sich ab 1933, trotz – oder gerade wegen – des Austrofaschismus, in der „Liga für Menschenrechte“. In der Lerchenfelderstraße 131 wird an Gisela von Camesina de San Vittore (1865 – ?) erinnert. Die Pädagogin rief 1884 ein gänzlich neues Unterrichtssystem zur gewerblichen Ausbildung erwachsener Mädchen in Wien ins Leben. Außerdem richtete sie im Jahr 1886 als erste Lehrerin in Europa die Unterrichtsabteilung in der Technologie wie auch in der Hygiene und Krankenpflege ein, wofür sie ihre eigenen Lehrbücher schrieb.

Ein dritter Teppich ist ab 2012 auf dem Augustinplatz geplant. Er soll der Keramikerin, Bildhauerin und Designerin Vally Wieselthier (1895 – 1945), gedenken. Sie leitete ab 1927 die Keramikabteilung der Wiener Werkstätte, welche sie auch noch nach ihrer Emigration 1932 nach New York wesentlich beeinflusste. Ein Zitat von ihr, das aus einem Telegramm an Franklin D. Roosevelt stammt, gibt dem Kunstprojekt von Iris Andraschek seinen Namen: „Tell these people who I am“. (Barbara Pflanzner)



„Tell these people who I am“
KÖR – Kunst im öffentlichen Raum link
Orte in Wien-Neubau:
Stiftskaserne, Stiftgasse 2: Gewidmet Olly Schwarz (1877-1960)
Lerchenfelderstraße 131: Gewidmet Gisela von Camesina de San Vittore (1865-?)
Geplanter dritter Standort (noch nicht fertig gestellt):
Augustinplatz: Gewidmet Vally Wieselthier (1895-1945)

Iris Andraschek, 1963 in Horn geboren, lebt und arbeitet als freischaffende Künstlerin in Wien.
Sie ist Mitglied der Wiener Secession und von Foto Fluss. Neben zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen hat sie auch eine Vielzahl an Projekten im öffentlichen Raum umgesetzt:
u. a. DER MUSE REICHT’S, Arkadenhof der Universität Wien
ALS DAS WÜNSCHEN NOCH GEHOLFEN HAT, Platzgestaltung, Taufkirchen an der Pram.

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Public Space Wien


Wien
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