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TV-Tipps vom 21. bis zum 27.7

20. Juli 2011 • Film / TV3 Kommentare zu TV-Tipps vom 21. bis zum 27.7

Stadtbekannt hat für euch das TV-Programm studiert und die Filmtipps für die kommende Woche gesammelt.

Donnerstag, 21. Juli

22:15 Uhr ZDF

Frost/Nixon

Richard Nixon (Frank Langella) ist nicht unbedingt ein großer Sympathieträger in den USA, als er 1977, vier Jahre nachdem er wegen der Watergate-Affäre und anderer politischer Schandtaten den Präsidenten-Stuhl räumen musste. Da kommt ihm das Interview-Angebot der britischen TV-Journalisten David Frost (Michael Sheen) gerade recht. Nixon, immer noch ein glänzender Rhetoriker sieht in dem politisch recht unbedarften Berufs-Quassler einen leichten Gegner, der ihm wenig anhaben wird, und auf dessen Kosten er sein ramponiertes Image wieder aufpolieren könnte. Nebenbei streicht er noch ein ordentliches Sümmchen dafür ein. Noch sicherer macht ihn seine gewissenhafte Vorbereitung, während Frost das dolce vita in den USA genießt. Zu Beginn der Gespräche sieht es auch aus, als wäre er dem englische Lebemann haushoch überlegen. Doch bald kippt das Interview und Frost schafft es den erfahrenen Staatsmann in die Enge zu treiben. Erstmals gibt er öffentlich zu, gegen Gesetze verstoßen und das amerikanische Volk enttäuscht zu haben.

Wer nach diesem Film noch immer der Meinung ist, Politik könne nicht spannend sein, dem ist einfach nicht zu helfen. In unheimlich dichter Atmosphäre schafft es Regisseur Ron Howard in kurzer Zeit die Geschichte eines historischen Schlagabtausches zu erzählen. Mit den Frost-Interviews, die Nixon als Auftakt zu seinem Comeback ansah, war seine politische Karriere endgültig zu Ende. Damit schaffte der zuvor eher als Boulevard-Journalist bekannte Frost etwas, woran sich Legionen abgewichster Polit-Profis die Zähne ausgebissen hatten: Er nagelte „Tricky Dick“ endlich fest. Dass sich Oscar-Gewinner (A Beautiful Mind) Howard dabei zugunsten der Kinokompatibilität einige historische Ungenauigkeiten (Erfundene Sequenzen, Dramaturgie der Gespräche) geleistet hat verzeihen wir ihm einmal, denn nie war Geschichte packender.

Freitag, 22. Juli

22:30 Uhr ORF1

Indien

Die beiden Gesundheits-Bullen Heinz Bösel (Josef Hader) und Kurt Fellner (Alfred Dorfer) könnten unterschiedlich nicht sein. Während der desillusionierte Bösel ein pedantischer Menschenfeind ist quasselt der aufgedrehte Fellner in einer Tour. Kein Wunder, dass die beiden gegensätzlichen Charaktere auf ihrer Kontroll-Tour durch die niederösterreichische Provinz schnell aneinander geraten. Doch die anfängliche Feindseligkeit schlägt bald in gegenseitiges Verständnis und schlussendlich sogar in eine innige Freundschaft um. Als Fellner dann von seiner Krebserkrankung erfährt bleibt steht ihm der Freund weiterhin fest zur Seite – bis zum Schluss.

Man kann die beiden mit Fug und Recht als die Aushängeschilder der heimischen Kabarett-Szene bezeichnen. Neben ihren vielen Soloprogrammen schafften Alfred Dorfer und Josef Hader besonders in ihrem Kabarett-Stück Indien Komik und Tragik auf eine Weise zu verbinden die jenseits jeder Schenkelklopferei und Tränendrüsendrückerei mit Unterhaltung auf höchstem Niveau aufwartet. Nicht weniger schaffen sie auch in der Verfilmung des Stoffes. Die beiden Archetypen des Bösels und des Fellners sind keine sympathischen Figuren, die es damit jedoch schaffen umso menschlicher zu wirken. Sie haben es nicht notwendig mit billiger Effekthascherei Überlebensgröße zu erreichen, weil sie eben nur in der kleinen Geschichte, ihrer eigenen Geschichte die Hauptrolle spielen. Das macht sie umso berührbarer und berührender.

Samstag, 23. Juli

22:30 Uhr Servus TV

Die verlorene Ehre der Katharina Blum

Deutschland, Mitte der 1970er Jahre: Die 27-jährige Katharina Blum (Angela Winkler) lernt auf einer Faschingsfeier den eines Raubmordes verdächtigten Ludwig Götten (Jürgen Prochnow) kennen. Als die Polizei am nächsten Morgen die Wohnung stürmt ist Götten, der in Wirklichkeit zwar einen Safe ausgeräumt und Waffen gestohlen, aber weder jemanden beraubt noch ermordet hatte, verschwunden und Blum wird von der Polizei festgenommen und verhört. Davon bekommt die ZEITUNG Wind und beginnt eine gnadenlose Hetzjagd gegen die junge Frau. Die Vorwürfe gegen Götten werden als Tatsachen hingestellt und sie als seine Komplizin und sein „Flittchen“ verunglimpft. Aussagen von Bekannten über sie werden böswillig verdreht und gegen sie gerichtet. Daraufhin bekommt Blum massenweise Drohanrufe und Briefe mit Beschimpfungen. Als die ZEITUNG sogar ihre sterbende Mutter im Krankenhaus belästigt und diese am darauf folgenden Tag stirbt reicht es der Verfolgten. Sie trifft sich mit dem Reporter, der die meisten der Lügen verbrochen hat und verspricht ihm ein Interview. Dieser will ihr aber erst einmal an die Wäsche woraufhin sie ihn erschießt, sich später aber der Polizei stellt.

Volker Schlöndorffs Film nach der literarischen Vorlage von Literatur-Nobelpreisträger Heinrich Böll hat in seiner fast vierzigjährigen Geschichte nichts an Aktualität eingebüßt – ganz im Gegenteil. In einer Zeit der allgegenwärtigen, von vielen Medien noch angeheizten Terrorhysterie und der Aufdeckung von unlauteren Machenschaften der Skandal-Presse, lohnt es sich durchaus wieder einmal Bölls (Selbst-)Verteidigung gegen die Medienhatz des Boulevards vor Augen zu führen. Böll wurde wie, auch andere politisch eher links eingestellte Personen der deutschen Öffentlichkeit, von manchen Zeitungen, allen voran natürlich der BILD, als Terror-Unterstützer verunglimpft. Weder mit Tatsachen noch mit Wahrheiten nahm man es dabei zu genau. Zwei Jahre vor Günter Wallraffs berühmten Aufdeckungsbericht „Der Aufmacher“ über die sinistren Machenschaften der BILD-Zeitung setzt sich Schlöndorff hier mit dem ganzen Komplex aus Medienmacht, Politfilz und kleinbürgerlichem Geifer auseinander – aktuell mit Sicherheit auch in den nächsten vierzig Jahren noch.

Sonntag, 24. Juli

16:10 Uhr Servus TV

Music Box – Die ganze Wahrheit

Als ihr Vater, der ungarische Emigrant Mike Laszlo (Armin Mueller-Stahl), plötzlich beschuldigt wird, im Zweiten Weltkrieg an der Ermordung von Juden, Roma und Sinti beteiligt gewesen zu sein ist es für die erfolgreiche Anwältin Ann Talbot (Jessica Lange) selbstverständlich seine Verteidigung zu übernehmen. Zwar schafft sie es Vorwürfe gegen Laszlo zu zerstreuen und die Glaubwürdigkeit der von der Anklage vorgebrachten Zeugen zu zerstören, so dass das Gericht auf Freispruch entscheidet. Bald kommen ihr aber selbst Zweifel an der Unschuld ihres Vaters, hatte er doch jahrelang einem anderen ausgewanderten Ungarn größere Geldbeträge überwiesen, bis dieser unter ungeklärten Bedingungen ums Leben kam. Bei einer Reise nach Ungarn, die zur Klärung der Vorwürfe dienen soll, erhält sie von einer alten Frau einen Pfandschein für eine New Yorker Pfandleihe. Dort löst sie eine Spieluhr aus in der sich Photos befinden die endlich Licht in die Sache bringen.

Und wieder ein politischer Film, aber es nützt halt nichts, ist er doch auch großartig. Allein schon der Name des griechischen Filmemachers Constantin Costa-Gavras garantiert für hochklassiges engagiertes Kino. Nach seinen Werken über die faschistischen Regimes und ihre Untaten in Griechenland (Z), Uruguay (Der unsichtbare Aufstand) und Chile(Vermisst) nimmt er sich in Music Box die Nachwehen des Nazi-Massenmords vor. Inhaltlich lassen sich Ähnlichkeiten zum Fall des nach dem Zweiten Weltkrieg in die USA emigrierten Ukrainers John Demjanjuk der kurz vor der Produktion des Films gerade in Isreal vor einem Gericht stand und zum Tode verurteilt, jedoch zu Beginn der 1990er Jahre freigesprochen wurde. Vor wenigen Monaten stand der 91-jährige Demjanjuk nun in München vor Gericht und kassierte eine fünfjährige Gefängnisstrafe wegen Beihilfe zum Massenmord an zigtausenden Menschen.
Costa-Gavras inszeniert seine Aufdeckung des Grauens als weit persönlicher, wie sie von einem öffentlichen Prozess nicht geleistet werden konnte. Langsam und Schritt für Schritt nährt sich der Zweifel in der eigenen Tochter immer mehr, bevor sie die schreckliche Wahrheit erkennen muss.

Montag, 25. Juli

0:05 Uhr ATV

Goodfellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia

Henry Hill (Ray Liotta) ist bereits seit seiner Kindheit in das Mafia-Mileu von Brooklyn hineingewachsen. Waren es zuerst noch Botendienste und kleinere Vandalenakte, die er für die Bosse leisten durfte, so ist er bald ein ausgewachsener Gauner der recht ordentlich in der New Yorker-Unterwelt mitmischt. Raub, Diebstahl und Erpressung sind sein Geschäft. Dabei arbeitet er vor allem mit seinen beiden Freunden, dem ebenso geschickten wie gerissenen „Jimmy the Gent“ Conway (Robert De Niro) und dem unberechenbaren und kaltblütigen Tommy deVito (Joe Pesci) zusammen. Mit einer schönen Frau, einem großen Haus und reichlich Geld reißt Hill nach einer Unachtsamkeit eine Gefängnisstrafe aus seinem Verbrecher-Alltag. Im Knast kommt er erstmals mit Drogen in Berührung und steigt nach der Entlassung zusammen mit Jimmy und Tommy so richtig ins Geschäft ein. Als Boss Paulie das hört ruft er zum Rapport und verbietet sämtliche Drogendeals. Natürlich halten sich die drei nicht daran und verdienen weiter prächtig. Doch als der unbeherrschte Tommy wegen eines nicht genehmigten Mordes selbst um die Ecke gebracht wird beginnt auch Henrys geschäftlicher und persönlicher Abstieg. Als er schlussendlich von Jimmys Plänen ihn umzubringen, da er nun ein Sicherheitsrisiko darstellt, Wind bekommt stellt er sich der Polizei und bietet sich als Kronzeuge an.

Die Mafia ist kein Pony-Hof, das musste auch der wirkliche Henry Hill erkennen, als er 1980 aus Furcht um sein Leben die Verbrecherkarriere gegen das Zeugenschutzprogramm tauschte. Seine Aussagen brachten zig Mobster hinter Gitter und ihn weiter nach oben auf der Abschussliste der ehrenwerten Gesellschaft. Niedergeschrieben wurde seine Lebensgeschichte vom Mafia-Spezialisten Nicholas Pileggi, der Mitte de 1990er Jahre auch für Scorseses nächstes Verbrecher-Epos Casino das Drehbuch ablieferte und American Gangster über den Paten von Harlem ko-produzierte. Martin Scorsese machte daraus eines der stilbildenden Werke des Genres, bei dem natürlich seine beiden alten Haberer Robert De Niro und Joe Pesci nicht fehlen durften. Mit der Dauer der beschriebenen Zeitspanne und der Intensität der Beschreibung lässt sich Goodfellas wohl am besten mit Sergio Leones Es war einmal in Amerika vergleichen. Im Unterschied zur USA-Vision des Italieners wirft Scorsese jedoch Gangster-Romantik und epische Verklärung zu Gunsten von knallharter Realitätsbezogenheit über Bord. Dass der wahre Henry Hill dabei wusste wovon er erzählt hatte bewies er ein letztes Mal Ende der 1980er Jahre, als er noch im Zeugenschutzprogramm wieder mit Drogen zu dealen begann und noch einmal einfuhr.


Dienstag, 26. Juli

0:30 PULS 4

Robin Hood – König der Diebe

Anstatt der vertrauten Heimat und dem väterlichen Schloss findet der Kreuzfahrer Robin von Locksley (Kevin Costner) nach seiner Rückkehr aus der Gefangenschaft den Vater ermordet und seine Besitztümer verheert. Begleitet von dem Mauren Azeem (Morgan Freeman), der in seiner Schuld steht, seit er sein Leben gerettet hat, zieht er auch bald den Hass des Sheriffs von Nottingham (Alan Rickman) auf sich, der mit unerbittlicher Gewalt über das Land herrscht und den Menschen den letzten Groschen an Steuern abpresst. So bleibt ihm nichts anderes übrig als sich vor seinen Häschern auch im Sherwood Forest, bei all den anderen Gesetzlosen zu verstecken. Statt sich ihnen nur anzuschließen übernimmt er jedoch sofort die Führung und baut eine einsatzstarke Kampftruppe auf, mit deren Hilfe er das Land vom Tyrannen befreien will, der in Abwesenheit des berühmten Königs Richard Löwenherz die Macht an sich gerissen hatte. Als er auch noch ein keltisches Söldnerheer auf sie hetzt entspinnt sich ein Kampf auf Leben und Tod.

Dass er nicht gerade einer der Großartigsten und Begabtesten seiner Zunft ist, ließ Kevin Costner mit dem genialen Der mit dem Wolf tanzt kurz vergessen. So ist es auch weniger die Leistung des Hauptdarstellers, dass Robin Hood – König der Diebe immer noch ein wirklich unterhaltsamer Film ist. Zu überzeugen wissen vor allem die komischen Elemente, für die insbesondere Bösewicht Alan Rickman sorgt. Unvergleichlich gemein und hinterlistig fordert er sowohl Weihnachten abzusagen, als auch alle milden Gaben für die Bedürftigen zu streichen. Leider fielen einige seiner Szenen der großen Schere zum Opfer, weshalb es sich hier in jedem Fall lohnt auch einmal die Special Edition DVD in Augenschein zu nehmen.

Mittwoch, 27. Juli

22:15 Uhr Kabel 1

Poltergeist

Es ist der amerikanische Traum, den die Familie Freeling lebt – glückliche Eltern, drei putzige Kinder und ein schmuckes Vorstadthaus. Blöd nur, dass in diesem Haus Geister umgehen. Alles beginnt recht harmlos mit verbogenem Besteck, zerbrochenem Geschirr und umherrückenden Stühlen. Doch bald bricht der Spuk richtig los und während Sohn Steven von einem knorrigen alten Baum gepackt und aus dem Haus gerissen wird, wo ihn die Eltern gerade noch retten können saugt der plötzlich zu Leben erwachende Kleiderschrank das im Haus zurückgebliebene Nesthäkchen Carol-Anne ein und hält es in Gefangenschaft. Nur durch den Fernseher können die Freelings noch ihre Stimme hören. Nachdem auch ein Team von Wissenschaftern bei der Rettung nicht helfen können wird das Medium Tangina Barrons zu Rate gezogen, mit deren Hilfe Mutter Diane Freeling (JoBeth Williams) in den Kasten klettern und ihre Tochter retten kann. Gerade noch können alle fliehen bevor das Haus zum Schluss einstürzt und samt und sonders in von der Erde verschluckt wird.

Vor all den Folterorgien und Blutfeuerwerken gab es noch Horrorfilme die waren gruselig, ohne, dass man sich vorkam wie in einer Folterbaracke der mexikanischen Mafia. Poltergeist stellt sicher eine der Sternstunden des Effekthorrors der 1980er Jahre dar. Diese, für die Zeit bahnbrechenden Spezialeffekte, sind es vor allem die Poltergeist zu einem wegweisenden Werk machen. Noch einmal konnte Regisseur Tobe Hooper zeigen wo der (Horror-)Hammer hängt bevor er begann sich auf TV-Produktionen konzentrierte und kinomäßig nichts mehr von sich hören ließ – leider.

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3 Antworten auf TV-Tipps vom 21. bis zum 27.7 – Verstecken

  1. brandstetter sagt:

    goodfellas
    ich glaube, die stelle wo joe pesci am tisch sitzt und ray liotta verarscht ist die beste Szene der welt. "you stuttering prick ye!"

  2. Joe sagt:

    robin hood
    alan rickman ist wirklich genial. allein wegen seiner perforcmance muss man diesen film zumindest einmal im jahr sehen!

  3. de niro sagt:

    goodfellas
    irgendwie wiederholen sich die charaktere von de niro und pesci in casino fast wieder.

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