Kultur – Musik

Michael Hartenbergers Debüt-EP

„Suddenly Free“ – die Debüt-EP von Michael Hartenberger

11. August 2011 • Musik

Musik gemacht und in Bands gespielt hat Michael Hartenberger schon ewig, aber es waren ein paar ausschlaggebende Sachen, die vor einiger Zeit die Richtung angegeben haben, in die es dann gegangen ist: Und zu diesen gehörten vor allem Kalifornien, Hawaii, ein paar Flugtickets und der Gedanke ans "Zuhause sein". Dass dieses Konzept von "zuhause sein", Thematik abertausender Songs, kein unbedingt einfacher, unkomplexer ist, ist selbstredend.

Vom Nachhause kommen.

No direction home also? Doch, natürlich – diesen aber so konsequent wie nur möglich zu verfolgen bedeutet aber natürlich die Reflexion von, im Falle des Endzwanzigers, gut drei Dekaden an Begebenheiten, Erlebnissen (guten wie schlechten), Zufällen und wie das Leben auch oft spielt, Schicksalsschlägen. Die ganze Palette eben, die in den vier Songs der "Suddenly Free" EP Ausdruck im Format des sowohl eingängigen, nachdenklichen, sommerlichen, mitsingbaren Popsongs findet.

Vorab: Dieses Album beinhaltet viel an Reisen. Aufgenommen haben es Michael Hartenberger, Schlagzeuger Paul Zewell und eine Anzahl an guten Freunden, einige davon aus dem Cardiac Move Umfeld, in Klagenfurt und Kroatien – gemischt und gemastert wurde die Platte stilgerecht in Kalifornien – so hat sich niemand geringerer als Grammy-Preisträger Robert Carranza (siehe: Brushfire Records, siehe wiederum: Jack Johnson). Carranza sorgte dann auch unüberraschenderweie für das genau richtige Klangbild – akustische Gitarren, Ukulelen, dezentes aber stets groovendes Schlagzeug. Und wenn man schon Paralellen ziehen will, dann sind Vergleiche mit Herrn Johnson, Donavon Frankenreiter und streckenweise auch ein durchschimmender John Mayer zu Anfangs-Popzeiten durchaus treffend. Während viele aber solchen Vergleichen nahezu angestrengt nachhinken, gelingt das Michael Hartenberger spielerisch, unnacheifernd und unangestrengt – hier geht es ganz einfach um schöne, unprätentiose und genau richtig arrangierte Songs.

Klar ist es ein Sommeralbum, irgendwie – bei "Suddenly Free" geht es aber um den Sommer als "mindset", als Geisteshaltung, auch als trotzige. So handelt der erste Song des Albums, "Angel" beispielsweise von einem höchst persönlichen und eigentlich traurigem Thema, dem Verlust seines Bruders. Er wollte aber, so erzählt der Songschreiber im kurzen Vorab-Interview, keineswegs ein trauriges Lust über Verlust schreiben, sondern eher eine zuversichtliche Hommage an die Zeiten, die man zusammen verbracht hat.

"Home", der zweite Song, wiederum, handelt von diesem komplexen Thema des Nachhause kommens/wollens. "Ich saß an den schönsten Plätzen der Welt, Hawaii und Cali", erzählt Hartenberger, "und konnte es nicht so richtig genießen weil ich mich alleine gefühlt habe". Und da kommt die Balance zwischen dem wegwollen aber auch zurückkommen müssen ins Spiel.

"Butterfly" ist dann quasi eine zusammenfassende Erinnerung an alle Freundinnen, kein leichtes Vorhaben, so ein Song. Eine liebevolle, zuversichtliche Erinnerung – "Free" handelt dann ganz dezidiert von einer Person.

Sommer als mindset.

Überall sprudelt irgendwo die Sonne raus, aus "Suddenly Free". Aber nicht aus Leichtgläubigkeit oder Realititätsverweigerung sondern aus Überzeugung und aus Liebe zum Leben (und das kann natürlich sehr oft grimmig und unlogisch sein). Und diese uneingeschränkte Liebe zum Leben hat auch oft etwas mit Trotz zu tun.

"Suddenly Free", so glaube ich es zumindest, nachdem ich die Songs unzählige Male gehört und somit für mich vereinnahmt habe, handelt nicht im Geringsten von der Vorstellung, dass mit einem Schlag alles okay sein könnte – viel mehr, dass die Anstrengung und der Entwurf eines Wegs dorthin essentiell sind.

Weil wenn wir uns schon wieder treffen: dann am besten in einem endless summer. Nicht?

Michael Hartenbergers Album ist via Itunes und Amazon erhältlich. Demnächst verlosen wir zwei handsignierte Promo-Exemplare.

Markus Brandstetter

Geschichten rund um den Song Noir. Von strauchelnden Protagonisten, Mythen und Mixtapes.

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