Lifestyle – Skurriles

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Street-Artists

24. April 2013 • Skurriles

Der Frühling ist da. Der erste Sonnenbrand nötigt die Haut. Ein beißender Heuschnupfen lässt einige die Existenzberechtigung der gesamten Botanik anzweifeln und man stellt leise fest, dass der Sommerurlaub dieses Jahr aufgrund finanzieller Überanstrengung wieder nicht stattfinden wird. Falls man trotzdem noch Lust hat außer Haus zu gehen, wird man sich eines anderen Nebeneffektes dieser wunderbaren Jahreszeit bewusst: Wien ist zum Bersten voll.

Zu voll. Denn zu den vielen Bewohnern der Stadt, die im Freibad oder im Kaffeehaus auf die Sommerferien warten, kommen außerdem Millionen von Touristen hinzu. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass die meisten Städte Europas in Zeiten errichtet wurden, in denen der Massentourismus noch nicht erfunden war.

In Wien ist der Feind die, in den letzten Jahrzehnten zum Museums Shop mutierte, Innere Stadt. Doch während viele von uns versuchen, vor allem die Fußgängerzonen um den Stephansplatz zu meiden, bieten sie anderen die Möglichkeit ihr Talent zum Nebenjob zu machen.
 Neben den bildenden Künstlern, die Portraits von Touristen oder kitschige Sonnenuntergänge malen, verkauft ein Clown einer Mutter aus dem Mittleren Osten eine Luftballonfigur. Unweit davon, die silbernen, versteinerten Menschen. Die kennt jeder, vor allem deshalb, weil sie seit einem guten Jahrzehnt in jeder, einzelnen Fußgängerzone dieser Welt zu finden sind. Die mittelalterliche Szene, die heute dargestellt wird, begeistert kaum jemanden. Ganz im Gegensatz zu den Breakdancern: Wie Animateure, schaffen sie es immer wieder die 28.000 Menschen um sich herum zum Mitklatschen zu bewegen. Wer das Pech hat, dort vorbei zu müssen, sieht sofort, dass die Burschen ihr Handwerk verstehen. Wie die meisten, die hier ihr Geld verdienen. (Obwohl das Handwerk des R‘n‘B tanzenden, alten Mannes nicht wirklich definierbar ist – aber genau das ist wahrscheinlich der Trick). 

Ein Singer-Songwriter besetzt ein bescheidenes Plätzchen neben der Pestsäule, da kommt auch schon sein ‚Nachbar‘, ein Spraydosen-Künstler, um ihn auf den gesetzlich vorgeschrieben Abstand hinzuweisen.
Er tut das nicht unfreundlich, er will nur keine Strafe zahlen! Die Zwei einigen sich schnell und wenig später rockt Virtus einer Horde Russischer Senioren entgegen, die direkt vor ihm die Pestsäule bewundern. Virtus singt gut, aber er wird es heute nicht leicht haben. Denn schließlich schwebt auf der anderen Seite der Säule ein Mensch. Oder zumindest sieht es so aus. Die gut sechzig Schaulustigen sind fasziniert. Eine perfekt Täuschung obwohl der Holzstab, den der Magier in der Hand hält, sehr verdächtig dreinschaut.

Wie schön wäre es, einem Wiener Polizisten dabei zuzusehen, wie er den schwebenden Magier um seine Platzkarte bittet. Denn die braucht man natürlich. Grundsätzlich darf jeder 9 Mal im Monat für jeweils 2 Stunden spielen, wobei die Platzvergabe in den Fußgängerzonen genau geregelt ist. (Ganz im Gegensatz zu den klassischen Musikanten, die in Wien weitaus mehr Freiheiten genießen!). Die Platzkarte kostet nur 6,54 Euro. Der Abstand zwischen den verschiedenen Acts mindestens 25 Meter betragen – sonst gibt´s 140,- Euro Strafe. Dieselbe Distanz müssen Musikanten übrigens auch zu Kirchen einhalten. Wer einen Verstärker benützt, gilt nicht als Straßenmusikant und darf deshalb nicht spielen. Regeln, die grundsätzlich eingehalten werden, außer an besonders bevölkerten Tagen. Doch da soll auch die Wiener Polizei das ein oder andere Auge zudrücken. Alles in allem scheint es sich zu lohnen, denn die meisten Straßenkünstler, die hier auftreten, machen den Eindruck, als würden sie das tun, was sie am liebsten täten. Und die 200,- Euro, die man an einem guten Tag verdienen kann, helfen natürlich auch. Wien, Wien, nur du allein!

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