Lifestyle – Skurriles

Verhaftung

Stadtbekannt-Lecks: Teil 7

20. April 2011 • Skurriles

Es ist stockfinstere Nacht. Im Hinterzimmer eines Lokales sitzen zwei ältere Männer und ein jüngerer um einen schweren Eichentisch und unterhalten sich aufgebracht. Auf dem Tisch vor ihnen liegen etliche Listen, durch die sie sich immer wieder hysterisch hindurchwühlen, dazwischen stehen drei Bierkrüge. Die älteren tragen Narben über das ganze Gesicht. Der jüngere trägt einen strammen Scheitel der mit viel Haarspray auf der Stirn festgeklebt scheint.

Eins: …und Weltnetz haben sie gesagt und Heimseite und das müssen wir haben und mit der Zeit gehen. Und wo hat’s uns jetzt hingeführt? Verhaftet haben’s die armen Burschen.

Zwei: Hmmm, des mit der elektronischen Rechenmaschine und den Heimseiten war mir ohnehin schon vorher suspekt. Was brauchen wir mit der Zeit gehen, wenn wir unsere Meinung seit siebzig Jahren nicht geändert haben? Werden wohl schön langsam alle wissen wofür wir stehen!

Drei (eifrig): Genau, dass ma die Auländer endlich raushauen. Moschee Ade!

Eins: Na, du Piepen, für die deutsche Rasse und die Erhaltung des germanischen Volkstums und Ehre und Treue und… wurscht Auf jeden Fall habt’s ihr uns erst in diese Lage gebracht. Des Gesichtsbuch habt’s haben müssen und auch noch zwitschern. Wenn wir früher gezwitschert haben, dann haben das zumindest nur der Wirten und der Budenwart mitbekommen.

Drei (indigniert): Ja, der ****** hat halt grad den Kurs zum Netzwart gemacht und wollte unbedingt…

Zwei (aufgebracht): Wenn ihr wenigstens eine Dateneingabeeinheit im Reichsgebiet gehabt hättet, aber im imperialistischen Feindesausland…

Es klopft an der Tür. Die Tür geht auf und eine dunkle Gestalt schleicht herein. Er trägt einen dunklen Mantel mit dunkler Kapuze die er tief ins Gesicht gezogen hat.

Der Unbekannte:
Ich bin vollkommen zufällig hier und setze mich zu unbescholtenen Bürgern an einen Tisch, die ich gar nicht kenne, die aber in jedem Fall von der linken Jagdgesellschaft gehetzt werden.

Zwei: Jo is schon gut. Jetzt setz dich endlich hin. So dann können wir endlich anfangen. Also, nachdem ich bei den Polizisten, die gegen uns ermitteln, nachgefragt habe und sie mir versichert haben, dass sie uns nicht kennen, muss irgendwo ein Verräter in unseren Reihen sein. Vielleicht haben wir doch zu schnell expandiert in letzter Zeit. In jedem Fall gehen wir jetzt einmal die neuen Kameradschaften durch und schauen wer da verdächtig sein könnte.

Eins (nimmt die erste Liste zur Hand): Oiso, die Steirer Burschen waren’s sicher nicht die uns drang’hängt haben, die haben eh genug mit sich selbst zu tun. Die Umbenennung von Heimattreuer Union für mutige Politik (HUMP) in Grazer Union für nationale Zukunft (GRUNZ) is noch gar nicht durch.

Zwei: Mir waren ja schon immer diese jungen Hupfer suspekt. Paintball spielen gehen, Halligalli machen aber keine Schlagstöcke und Uniformen dabei haben wollen. Auch mit dem Namen haben sie sich nicht unbedingt g’scheit angestellt Schüler für einen anderen Sozialismus (SchaS) könnten so linke G’fraster auch sein.

Drei: Jaja, immer auf die Jungen! Und was war mit dieser Debilia, der Burschenschaft aus Braunau? Wär‘ ich nicht draufgekommen, dass die ihre Bude in einem Kebabstand haben, der Fuchsenmajor in Stein sitzt und der Consenior unter Sachwaltschaft steht. Ich hab‘ euch gleich g’sagt die dauernden Ausreden, wenn’s im Sommer geheißen hat ins Wehrsportlager fahren sind verdächtig.

Eins und Zwei: Eh

Eins: Schön langsam glaub ich die ermitteln jetzt wirklich gegen uns.

Der Unbekannte: Wos? Des werdma bald haben. Da wollen wohl ein paar suspendiert werden. Übrigens bevor ich noch geh: Ich hab da ein paar Dokumente am Weg gefunden die hab‘ ich jetzt hier am Tisch verloren. Ich hoffe ihr findet die nicht und veröffentlicht sie auch auf keinen Fall!

Zwei: Is schon gut. Bestell uns noch drei Bier wenn du draußen bist. Und mach die Tür zu, damit niemand mithören kann.

Aus.

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