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Berlusconi

Stadtbekannt-Lecks: Teil 5

23. März 2011 • Skurriles19 Kommentare zu Stadtbekannt-Lecks: Teil 5

In der Satire-Serie deckt Stadtbekannt diesmal auf: Ein Nachmittag im Leben des Cavaliere Silvio Berlusconi.

12:00 Uhr:
Ankunft im Büro und endlich: Mittagspause. Gemächlich zieht sich der Cavaliere aus, klappt die Platte seines Schreibtisches hoch und legt sich auf die darunter zum Vorschein kommende Sonnenbank. Doch die Ruhe dauert nicht lange. Alle fünf Minuten stürzen kurzberöckte Sekretärinnen herein und wollen etwas vom Cavaliere…

Leider sind es im Moment nur Unterschriften. Aber man soll den Tag nicht vor dem Abend schmähen denkt, er fröhlich. Und vielleicht sollte er einfach wieder einmal unauffällig ein paar Blankoschecks auf ihren Arbeitsplätzen vergessen. Die wirken besser als jede Brille, nachdem die jungen Frauen einen bekommen haben erkennen sie plötzlich seine gutes Aussehen und seine kraftstrotzende Männlichkeit. Missmutig schält er sich aus dem Solarium und wirft sich in einen Bademantel. So, genug gebraten, die Geschäfte machen sich nicht von selbst, denkt er. Und nebenbei gehört noch ein Land korrump… äääh regiert.

12:43 Uhr:
Der Minister für Showgirls und Mädchen im Maturaalter ist immer noch nicht da. Verdammt, jetzt reicht es aber bald. Naja, denkt er, unterschreibt der den Gesetzesentwurf halt alleine. Kurz huscht sein Blick noch einmal über den Text. Er bessert eine Null durch eine Fünf aus. Ja, so ist es gut. Die lebenslange monatliche Rente für schöne Frauen in Italien soll nicht zu knapp bemessen sein, schließlich kann er nicht alle allein unterhalten, denkt er. Jetzt aber schnell weiter.

13:53 Uhr:
Der Verkehr ist immer noch furchtbar, fast hätte sein Chauffeur den Staatsanwalt nicht abhängen können, der hinter ihm her war. Die italienischen Straßen sind wirklich nicht die besten, denkt er, und zückt sein Handy und wählt eine Nummer: Hallo? Ja, ich bin’s. Du, wir haben doch schon fast drei Monate keine Ringautobahn mehr um Palermo gebaut. Wird echt wieder einmal Zeit. Ja, gut, dann bauen wir die Brücke zwischen Sizilien und Rumänien halt auch gleich. Etwas nachdenklich legt er auf. Hmmm, lassen wir das halt mit der Müllabfuhr in Rom, denkt er. Hat doch in Neapel auch ganz gut geklappt.

14:20 Uhr:
Nein, nein, nein, poltert er. Ich wollte es viel dichter und vor allem bin ich nicht blond. Mit einem Ratsch reißt er sich das Brusthaartoupet vom Körper. Verdammt ist dieser Schneider unfähig, denkt er, aber jetzt wo die Platte plötzlich wieder sprießt muss halt auch der Rest dazu passen. Vor allem finden’s die Mädels total großartig und es tut mit dem Brustfell weniger weh, wenn er sich beim Bunga Bunga auf die Brust trommelt. Nein, es nützt nichts, bis heute Abend bekommt er kein besseres mehr.

14:44 Uhr:
Nach dem Reinfall mit dem Toupet braucht Silvio etwas Aufheiterung. Eine Fernsehansprache kommt da gerade richtig, das freut die Leut‘ und ihm macht’s auch nichts aus. Am Anfang braucht er einige Minuten zum reinkommen, aber spätestens als er Volare singt hat er sie. Als er anschließend verkündet ab jetzt gratis für das italienische Volk zu arbeiten und kein Politikergehalt mehr zu beziehen jubelt das Studiopublikum. Und zusätzlich wird er um Verwaltungskosten zu sparen die Staatsgeschäfte zukünftig über sein Privatkonto abrechnen. Dass er dafür die Staatsanteile an Eni, dem größten Erdölunternehmen des Landes, zur Deckung seiner Spesen erhält werden die Leute schon verstehen, denkt er. Privatisierung ist immer gut.

Ach ja, die verdammten Kommunisten wollen die Sonne über Italien verdunkeln und im Fernsehen statt Showgirls wieder Nachrichtensprecher einstellen. Da war doch noch was. Genau, Lybiens Revolutionsführer Gaddafi habe er mit seinem Zelt nur immer in seinem Garten übernachten lassen, weil er glaubte dieser sei obdachlos. Er hält ihn für einen schrecklichen Despoten und noch schlimmer einen Kommunisten. Im Übrigen kennt er ihn  gar nicht. So, das war’s für den Moment. Einmal noch Azzurro und dann müssen die Menschen auch wieder zufrieden sein.

16:20 Uhr:
Macho Macho Man, dröhnt es aus der Hosentasche. Ciao. Muammar, bist du es? Ja, natürlich halte ich zu dir. Ganz klar. Wir sind doch alte Pfadfinder-Kollegen, was wir in deinem Zelt schon alles erlebt haben… Ja klar kannst du weiter bei mir im Garten wohnen. Nein, welche Grotte? Da musst du mich mit jemandem verwechseln? Hallo? Weißt du überhaupt wer hier dran ist? Nein, ich leih dir auch keinen von meinen Bademänteln aus. Wutentbrannt legt der Cavaliere auf. Da kennen einen die besten Freunde plötzlich nicht mehr. Das ist der Dank dafür, dass man sich immer nur um die anderen kümmert. Er will jetzt niemanden um sich haben, der Minister für väterliche Liebe soll endlich aussteigen. Und die Mädels die er dabei hatte waren auch nicht gut. Nennt ihn die eine Opa. Papa heißt das! Ach wenn er sich doch um alle Waisenmädchen in Italien kümmern könnte.

17:01 Uhr:
Die Eröffnung hat länger gedauert als gedacht hatte. Erst hat er sich auch gewundert, aber der öffentlich Ski-Lift auf den Vesuv kann der Region ganz neue Impulse geben. Das hat er auch in seiner Rede gesagt. Im Übrigen wollten die ganzen Kommunisten nur nicht, dass er gebaut wird, weil sie Angst haben, dass man die Massenvernichtungswaffen findet, die sie dort lagern. Und die g’stopften Norditaliener können auch einmal etwas zahlen für die fleißigen und rechtschaffenen Menschen im Süden.

18:27 Uhr:
Langweilig ist das Spiel heute. Er muss endlich wieder einmal ein bisschen Geld investieren, denkt der Cavaliere. Das ist ja nicht anzuschauen, was Milan heute zusammenkickt. Zumindest hat er in seiner Rede vor dem Anpfiff erklärt, dass er keine Spieler mehr aus Süditalien will, weil das alles nur faule Hund sind und er als echter Mailänder die nicht mal mit der Beißzange anfassen würde. Jetzt aber ein bisschen die Beine vertreten. Irgendetwas Gutes könnte er heute schon noch für die Menschen tun, denkt er. Sein Blick schweift durch’s Stadion.

Genau, da vorne an der Out-Linie sitzen ein paar Menschen im Rollstuhl. Federnden Schrittes läuft er mit seinen Bodyguards die Treppe hinunter und steuert auf einen der Rollstuhlfahrer zu. Er legt ihm seine Hand auf die Schulter und spricht: Steh auf und geh! Nichts passiert, er sagt es noch einmal. Endlich versteht ein Bodyguard und tasert den Rollstuhl von hinten. Es schleudert den Gehbehinderten heraus und er landet in Silvios Armen. Die Menge jubelt. Jetzt nur noch die Steuersenkungen verkünden. Die Menge tobt.

19:58 Uhr:
So, nur noch die Steuererhöhungen unterschreiben und dann war es das mit der Arbeit endlich. Silvios Blick streift kurz den laufenden Fernseher. „Immer nur der gleiche Blödsinn“, denkt er. Jetzt gibt es diese blöden Nachrichten immer noch. Die Leute kommen nur auf blöde Ideen, wenn sie sich so was ansehen. Vor allem weil das alles Kommunisten sind, also die Nachrichtensprecher und die Redakteure und überhaupt alle die das ansehen. Wie viele schöne Frauen könnte man in dieser Zeit zeigen. Der nächste Beitrag läuft an und der Cavaliere schreckt hoch. Was? Ruby? Lugner? Wer? Verdammt, denkt er, der kann etwas erleben. Kommt der einfach nach Italien nimmt die schönsten Mädels mit. Ha, denkt er, das kann ich aber auch. Er muss nur ein hübsches Mädel aus Österreich finden. Hmmm, Tara… komischer Name…

Weitere Stadtbekannt-Lecks:

Stadtbekannt-Lecks Teil 1 – Wie die Tierschützer Österreich übernehmen

Stadtbekannt-Lecks Teil 2 – Undercover in der FPÖ

Stadtbekannt-Lecks Teil 3 – Ein ORF-Beitrag der nie gesendet wurde

Stadtbekannt-Lecks Teil 4 – Ein Vormittag im Leben des Silvio Berlusconi

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19 Antworten auf Stadtbekannt-Lecks: Teil 5 – Verstecken

  1. Manowin Unfröhlich sagt:

    Kompliment ist wirklich gut geworden.
    Eure Satiren sind fast immer sehr gelungen und unterhltsam. Nur eine Anmerkung: ‚Das brusthaartoupet kommt wohl kaum vom Schneider oder?

  2. Clara sagt:

    Oweh
    jetzt treffen am Edne noch Tara und Silvio auf einander. Wird es dennd en abend im Leben des Capo di tutti Capi auch noch geben?

  3. Unser Lehrer Dr. Specht sagt:

    Silvio Berlusconi
    der Gadaffi Europas nur ohne Panzer, dafür mit TV Stationen.

  4. stadtbekannt sagt:

    brusthaar-toupet
    @manowin: herstellen tut’s natürlich der weber, aber anpassen muss es immer noch der schneider.

  5. stadtbekannt sagt:

    abend
    @clara: wenn es denn die menge fordert werd‘ ich mir wohl noch was einfallen lassen müssen (o;

  6. Menowin unfröhlich sagt:

    @stadtbekannt
    Gibt es keine eigene Berufsgruppe, PErückenmacher oder so, die das machen?

  7. stadtbekannt sagt:

    toupet
    stimmt, perückenmacher wär ein guter tipp. wobei ich mich klar dagegen verwehren will, dass silvio berlusconi eine perücke braucht. wenn, dann braucht eine perücke silvio berlusconi!

  8. Ruby sagt:

    @Clara
    Die Frage ist eher ob der Cavaliere noch im Amt ist, wenn stadtbekannt den Abend beschreibt. Irgendwann müssen dch selbst die Italiener, die von ihm ja schon viel gewohnt sind, genug haben.

  9. Tim Toupet sagt:

    Berlusconi braucht kein Toupet
    wer etwas anderes sagt ist ein gottloser Kommunist, oder staatsanwalt, oder beides, oder villeicht sogar feministin. Die Haare von Berlusconi sind einfach immer noch jugendlich frisch, wie Berlusconi selbst. Wer etwas anderes sagt ist ein….

  10. Clara sagt:

    Wer leckt stadtbekannt
    eigentlich imemr diese Geheimnisse. Habt ihr Kontkat zum Assange?

  11. terror sagt:

    TARA
    hätte im italienischen fernsehen schon längst das gesamte hauptabendprogramm übernommen.

  12. Besserwisser sagt:

    @stadtbekannt
    Streng genommen handelt es sich um keinen Nachmittag im Leben des Cavaliere. Zu Beginn handelt es sich noch um mittag, gegen Ende hin ist eindeutig schon Abend nur dazwischen ist Nachmittag. 😉

  13. Joe sagt:

    besserwissen
    @besswerisser: rein wörtlich genommen könnte man jedoch argumentieren, dass mit mit der vollendung der zwölften Stunde des Tages der Vormittag abgeschlossen ist und somit mit 12:00 Uhr der NACHMITTAG beginnt. Und insoferne alle Begebenheiten nach diesem MITTAG (mit Vollendung der zwölften Stunde des Tages) passieren, so könnte man argumentieren, dass sich dies alles am NACHMITTAG abgespielt hat.

  14. Besserwisser sagt:

    @Joe
    Man kann so argumentieren, aber dann hat Sprache keinen Sinn mehr, denn der Nachmittag bleibt ja immer nach dem vorhergehenden Vormittag. Korrekt müsste der folgende Vormittag Nachnachmittagvormittag heißen und das wäre wenig dufte.

  15. Joe sagt:

    tag
    nein, insofern ein nachmit-tag und ein vormit-tag einen einzigen tag bedingen, so begänne das spiel am nächsten tag einfach von vorne (o;

  16. Besserwisser sagt:

    @Joe
    Und was ist dann ein Abend und eine Nacht, wenn ales nach Mittagd er Nachmittag ist?

  17. Clara sagt:

    @besserwisser @Joe
    Bravo! Ihr habt egrade die langweiligste diskussion der Welt erfolgreich bestritten. Gähn

  18. stadtbekannt sagt:

    lecks
    @clara: das können wir leider nicht verraten, um unsere informanten zu schützen. wir sind für neue geheiminfos aber immer sehr dankbar.

  19. Joe sagt:

    um dem ein ende zu setzen
    abend und nacht sind ebenso wie der morgen erfindungen der freimaurer um die weltherrschaft an sich zu reißen (o:

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