Hahn

Stadtbekannt-Lecks: Teil 3

5. Jänner 2011 • Skurriles

In einer Satire-Serie enthüllt stadtbekannt hochgeheime Geheimnisse. Heute: Ein ORF-Beitrag der nie gesendet werden darf

Wieder einmal enthüllt stadtbekannt hochgeheime Geheimnisse und schon wieder ist der ORF dran. Diesmal jedoch nicht als Täter sondern als Opfer. Zensur heißt das Gespenst das umging am Küniglberg. Und nicht erst seit dem Fall der Dokumentation „Artikel 7 – Unser Recht!“ weiß man: Wo dieses Gespenst mit seiner Rasselkette hinlangt, da wächst keine Medienfreiheit mehr.
Damals ging es um eine Dokumentation zum Kärntner Ortstafelstreit die, größtenteils aus Interviews und Nachrichtenbildern zum Konflikt um die zweisprachigen Ortstafeln und zur Kärntner Minderheitenpolitik zusammengeschnitten worden war. Aus Gründen der behaupteten fehlenden Objektivität und des damit verbundenen Verstoßes gegen das Rundfunkgesetz weigerte sich der ORF 2006, während der Schwarz-Blauen-Regierungszeit, die vorher ko-produzierte Dokumentation im eigenen Programm zu senden. Eine Entscheidung, die schon damals für einige Aufregung sorgte.

Nun hält der ORF, wahrscheinlich wieder auf politischen Zuruf hin, einen Dokumentationsbeitrag aus dem Dezember 2009 unter Verschluss. Das Fernsehportrait eines hochrangigen Politikers sorgte in den Parteistuben für Unmut. Natürlich wurden sofort alle Hebel in Bewegung gesetzt um das Gesicht nicht zu verlieren. Die volle Macht des Apparates sauste auf die Sendungsverantwortlichen nieder. Umsonst. Stadtbekannt gelang es natürlich trotzdem, durch ein weitverzweigtes InformantInnennetz, dieses Beitrags habhaft zu werden. Um keine Urheberrechte zu verletzen können wir das Sendematerial leider nicht als Video online stellen. Aus diesem Grunde haben wir uns dazu entschieden ein gekürztes Transkript zu veröffentlichen. Namen wurden aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes geschwärzt.    

Sendung:
Und nun zum nächsten Thema. Seine Erfolge sind Legion, seine Verdienste unübertroffen. Er stellte sich heroisch den an allen Ecken und Enden, nicht nur gebäudetechnisch, bröckelnden Universitäten, mit dem Rücken entgegen und zwang auch die frechen Studentenproteste mit schierer Ignoranz in die Knie. Unter ihm entwickelte sich Österreich von einem kleinen Land mit überlaufenen Universitäten zu ein einem kleinen Land mit überlaufeneren Universitäten und dem Institute of Science and Technology Austria in Mary Gugging. Die Rede ist von Wissenschaftsminister *******. Der ORF wollte nun ergründen wie der Mann hinter all diesen Erfolgen wirklich aussieht.

Schwenk über einen friedlichen Straßenzug in Wien. Die Kamera nähert sich langsam einem Hauseingang.

Off-Kommentar: In diesem Haus war es, wo ******* ******* seine Kindheit und Jugend verbrachte. Bereits in frühen Jahren war klar, dass hier ein großer Sohn der Bundeshauptstadt heranwachsen sollte.

Früherer Mitschüler: Ja, der ******* war also immer da. Glaub ich halt. Schon in der Früh und dann bis zum Mittag. Ich kann mich noch gut erinnern, wie er einmal nicht da war… Naja, eigentlich nicht. Aber in der großen Pause hat er immer am Schulhof den Schulkakao getrunken und dann ist er wieder zurück in die Klasse gegangen.
Wie gestern weiß ich noch wie er ääähh… da war. Ja so einer war der ********. Wenn der Direktor uns einmal wieder ohne Grund zur Schnecke gemacht hat und manche entschlossen protestierten dann hat auch er nix gesagt. Aber geschaut hat er, glaub ich halt…

Die Kamera wandert bedächtig durch die heiligen Hallen der Universität Wien. Nach einer Tour durch den Innenhof vorbei an den Statuen großer Forscher und Denker schlüpft sie in einen Hörsaal und verharrt dort während einer Vorlesung über den Studierenden-Massen.

Off-Kommentar: Man könnte also sagen, ******* ******* war schon früh ein Individualist und lehnte sich auch gerne gegen Autoritäten auf. Eine Eigenschaft die ihm später als Minister vor allem bei Budgetverhandlungen zu Gute kam.
Nach der Matura führe ******* sein Weg an die Universität Wien, wo er selbst unter schwersten Bedingungen studierte. Er durfte keine Studiengebühren zahlen, musste gratis mit den Öffis fahren und wegen der Familienbeihilfe wollte niemand seinen Leistungsnachweis sehen. Ein Zustand der schon den jungen ******* sehr gekränkt hat. Wenn er erst einmal etwas zu sagen hatte, dann würde das alles anders sein.
******* studierte zuerst Rechtswissenschaften, beschloss dann aber etwas praktischeres und lebensnäheres zu belegen, um später einen Job in der Privatwirtschaft zu ergattern. Er sattelte auf Philosophie um. Von Anfang an machte er großen Eindruck auf seine Studienkollegen.

Ehemaliger Studienkollege: In den Seminaren hat er zwar nicht so viel über sich gesagt, aber in den Pausen, da war er eher ruhig. Oft trafen sich noch KollegInnen, um nach der Vorlesung noch zu diskutieren, oder einen Kaffee trinken zu gehen. Da war er eigentlich nie dabei. Wenn es in den Seminaren hieß man sollte sich selbst beschreiben, dann erzählte er mit leuchtenden Augen, dass er in der *** sei. Und dann erzählte er, eigentlich nix mehr… Aber an das kann ich mich noch genau erinnern. Wenn ich ihn so beschreiben müsste… Hmmm, ich würd auf jeden Fall sagen er war… Ja, eh
Studienkollegin: Genau, und wenn man ihn etwas besser gekannt hat, dann hat man auch gesehen er war wirklich… hmmm. Ich würd’ fast sagen… ääähhh, ja. Genau.

Die Kamera bewegt sich bedächtig über die Schönbrunnerstraße.

Nichts sagen und das mit wenigen Worten, das konnte ******* ******* also schon immer. Besser war darin nur er. Wer? ER!
Eine große politische Karriere schien vorgezeichnet. An dieser arbeitete der umtriebige Student damals bereits in der ******* ********. Als deren Wiener-Landesobmann zwischen 1980 und 1985 baute er sie zu einem ernstzunehmenden politischen Faktor in der Bundeshauptstadt aus. Mit einer Kampagne hätte man es fast geschafft dass in Hietzing im Winter nur mehr runder Streusplitt gestreut wird, um die Bentleys und Jaguar nicht zu beschädigen sowie, dass in Schloss Schönbrunn auch schwarze Tulpen gepflanzt werden. Auch die legendäre Sektkühler-Verordnung, dass nämlich bei ***-Wien-Vorstandssitzungen zwei statt einer Flaschen pro Kübel gelagert werden mussten, um sich dem einfachen Volk zu nähern, geht auf ihn zurück. Eine starke Kraft war man zu dieser Zeit auch schon im Landtags-Wahlkampf der Wiener ***. Weil es damals noch keine Hummer gab fuhr der gesamte Parteivorstand in einem schwarzen Käfer nachts durch die Stadt und verteilte schwarzen Radi.
Ein damaliger Mitstreiter erinnert sich.

Ehemaliger ***-Kollege: Jaja, der *******, ich entsinne mich. Er saß im Käfer immer ganz vorne. Oder war’s hinten. Auf jeden Fall spielte er die Harfe, nein das Hackbrett, oder war’s doch die Triangel? Wenn wir also Bergsteigerlieder gesungen haben war er immer kaum zu hören. Also ich weiß noch einmal… Nein, da war er gar nicht da. Hmmm… Ja, jetzt kommt’s gleich. Ach, Wissen’S was, des machma nochamal.

Die Kamera wandert durch den Schönbrunner Schlossgarten.

Aus seiner wilden ***-Zeit stammt auch der flotte Spitzname *******. Der laut alten Freunden darauf zurück geht, dass er einmal in Italien gewesen sein soll, oder im Bortolotti. Ganz genau weiß man das nicht mehr.
Als Junghoffnung hielt sich der nunmehrige ******* aber nicht lange mit der Uni auf und sagte der Jugendpolitik bald „Ade“. Schon mit 30 schloss er nach elf Jahren sein Studium der Philosophie mit einer Dissertation ab, die die Fachwelt in Erstaunen versetzte. Noch heute lernen Wiener Studenten während ihres Studiums Passagen daraus auswendig, um sie dann selbst verwenden zu können. Doch dieser große Erfolg rief auch Neider auf den Plan und manche Autoren hatten sogar begonnen im Vorhinein von ******** Doktorarbeit abzuschreiben. Ihre frechen Fälschungen waren auch Schuld an absurden Plagiatsvorwürfen.

Neben seiner politischen Tätigkeit verdingte sich der Senkrechtstarter auch bald in einem weltweit agierenden österreichischen Glücksspielkonzern. Integrität galt hier als Geschäftsprinzip. Auf eine Anfrage hin erklärte man uns jedoch einen ******* ******* nicht zu kennen, nie gekannt zu haben, so jemanden gebe es gar nicht und vor allem war er mit Sicherheit nicht von 1997 bis 2003 im Vorstand und anschließend Vorstandsvorsitzender und Aufsichtsratsvorsitzender eines Tochterunternehmens.
Aus Zeitgründen könnte es leider kein Interview geben, wie man uns erklärte. Schriftlich wollte man aber alle unsere Fragen beantworten. Als Antwort bekamen wir ein kurzes und prägnantes Schreiben.

Einblendung: SUPERSAUBER (ca. 1 Minute)

Kamera umrundet die Uni Wien von außen.

Manche hätten sich mit diesen Erfolgen zufrieden gegeben, doch der umtriebige *******wollte ganz an die Spitze. Und da kam er schließlich auch an. Als ***********minister wurde ******* ******* Herr aller Studierenden und Forschungstreibenden Österreichs und pflegte sein Gut nach Kräften. Wie ein verständnisvoller Vater traf er die richtigen Entscheidungen, auch wenn sie der Nachwuchs oft nicht verstand. Er erkannte die wahren Nöte und Probleme der Studierenden. Dass marode Gebäude, haarsträubende Betreuungsverhältnisse, irrwitzige Studienpläne und Hungerlöhne nicht dazugehörten war ihm bald klar. Das wahre Problem lag im umständlichen Weg zur Wahlurne bei der ÖH-Wahl. Eine Lösung musste her. Und die fand er. Für lächerliche 900.000 wurde ein E-Voting System installiert, das das bequeme Wählen von zu Hause aus ermöglichte.

Trotz mancher Kritik gab ******* der riesige Andrang zur Online-Wahl im Nachhinein recht: über 2.100 der fast 60.000 Wähler gaben auf diesem Weg ihre Stimme ab. Die Kritiker verstummten bald und Ende 2009 erhob sich sogar ein Aufstand unter den Studenten, die das Audimax der Universität Wien besetzten, um ******* ******* Einsetzung als **********minister auf Lebenszeit zu erpressen. Er reagiert mit einem milden Lächeln. Doch der Vielumjubelte will seine Hände trotz der Erfolge nicht selbstzufrieden in den Schoß legen. Mit dem österreichischen Boykotts des CERN-Projekts soll dieses zum Scheitern gebracht werden und anschließend ein Teilchenbeschleuniger in den weitläufigen Gumpoldskirchener Weinkelleranlagen installiert werden um Österreich und insbesondere das Forschungsland Niederösterreich an die Weltspitze der Atomphysik zu bringen. Seine Weitsicht inspiriert. Sein Lächeln ist noch immer milde.

Ein anonymer Spitzenpolitiker: Ja, also der ******* ******* ist einfach eine bestimmende Figur in der österreichischen Polit-Landschaft. Mir ist er schon als ganz junger Politiker aufgefallen als er… äääh, was gesagt hat. Also nageln Sie mich jetzt nicht fest was genau, aber er hat. Ja, so war er immer schon. Einer der es ausgesprochen hat, oder halt nicht, auch wenn es schmerzhaft war, oder auch nicht. Er ist auf jeden Fall nicht mehr wegzudenken aus dem öffentlichen Leben, ohne ihn wäre es schlicht ein anderes. (Handy läutet) Entschuldigen’S kurz.

Ins Handy: Wos? Kommissar? Is’ doch wurscht! (kurze Stille) Wos? Müssma schicken? Hmmm. (kurze Stille) Nana, den brauchma noch. (wieder Stille) Bist deppat? Der macht mir den Garten! Ja, dann nehma halt den *******. (Ende)
Ja, wo war ich? Also so einen Mann braucht es in Brüssel!

Aus.

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