Im Juli

Stadtbekannt-Filmtipp: Im Juli

26. August 2010 • Allgemein

´S ist ein Jammer, dass wir schon August haben. Nicht nur der Temperaturen wegen, sondern auch weil „Im Juli“ alles irgendwie lockerer und zwangloser ist. So wollen wir den Juli in Erinnerung behalten, wie Fatih Akin ihn sieht. Ein traumhaftes Märchen voller skurriler Erlebnisse, witziger Zeitgenossen und ordentlich verkitscht (Sonnenfinsternis sowie –untergang natürlich inklusive, hach). „Im Juli“ ist ein verspieltes Sommermärchen aus dem Jahre 2000, aus der Zeit als Fatih Akin noch nicht der Fatih Akin war der Sibel Kekilli „Gegen die Wand“ fahren ließ und dafür den Goldenen Bären in Berlin sowie den deutschen und den Europäischen Filmpreis abgestaubt hat.

Daniel (Moritz Bleibtreu), Lehramtsreferendar (sowas wie Turnus für Lehrer) aus Hamburg stapft vollkommen allein über eine staubige Landstraße irgendwo in Bulgarien und trifft natürlich einen Deutsch-Türken (Mehmet Kurtulus) der gerade mit einer Leiche im Kofferraum Richtung Türkei unterwegs ist. So weit so skurril. Doch dann beginnt Daniel als braver Mitfahrer zur Unterhaltung auf der langen Reise seine eigene Geschichte zu erzählen und das Wort Absurdität bekommt ganz neue Dimensionen.

Ein paar Tage zuvor, es war der Morgen nach der großen Sonnenfinsternis von 1999, hatte er sich aufgemacht seiner großen Liebe zu folgen, von der er nur weiß dass sie Melek heißt und zu einer gewissen Zeit in Istanbul unter einer Brücke stehen wird. Grund genug natürlich der schönen Unbekannten nachzufahren und ihr seine Liebe zu gestehen. Auf dem Weg gen Süden ist an der Stadtgrenze gerade noch Zeit die Anhalterin Juli (Christiane Paul) mitzunehmen, die zufällig selbst gerne Daniels Auserwählte gewesen wäre und nun versuchen will ihn auf der Reise davon zu überzeugen, dass nur sie die Eine einzige ist. Damit beginnt eine Odyssee durch halb Europa, aberwitzige Einfälle, surreale Erlebnisse, niederschmetternde Rückschläge und ein Haufen schräger Zeitgenossen die den Weg säumen inbegriffen.

Der liebenswert tapsige Daniel zeigt wie es sein kann, wenn ein Beckenrandschwimmer sich einmal ein Herz nimmt und das Schicksal herausfordert. Naiv aber zielstrebig jagt er seinem Glück nach und sieht dabei natürlich den Wald vor lauter Bäumen nicht. Dass Mitstreiterin Juli gleichzeitig fast die Arme abfallen vor lauter mit dem Zaunpfahl winken und sie bald die Lust verliert mit dem scheubeklappten Reisegenossen herumzuziehen ist kein allzu großes Wunder. Dass sie sich zwangsläufig wiederfinden müssen jedoch auch nicht.

„Im Juli“ ist ein aufgekratztes Roadmovie, das mit seiner spritzig-leichten Sommer-Liebes-Atmosphäre auch über so einiges an Klischees hinwegsehen lässt. Denn was wäre ein Märchen auch ohne etwas Kitsch? Und sehr viel Märchenhaftes hat es eben schon wenn Moritz Bleibtreu und Christiane Paul durch Europa gurken und sich dabei ver-, ent- und überhaupt lieben. Mit massig Liebe für die (skurrilen) Details sind auch die vielen schrägen Gestalten gezeichnet, die den beiden auf ihrer Irrfahrt so begegnen. Mit lebensmüden Ungarinnen oder korrupten bulgarischen Grenzern (Fatih Akin himself) bleibt hier kein Auge trocken.

Ob im Winter, um die langsam verlöschenden Erinnerungen an wärmere Zeiten wieder aufzufrischen oder stilecht im Sommer, an einem immer noch glutheißen Abend, der einen die Party vom Vortag aus dem Leib schwitzen lässt, „Im Juli“ ist ein Film der zum mitlachen, mitleiden und vor allem mitträumen einlädt. Wer hier nur auf den Klischees rumreiten will, der soll verdammt noch mal vom Pferd fallen.

Filminfos "Im Juli":

Darsteller: Moritz Bleibtreu, Christiane Paul, Mehmet Kurtulus
Regisseur: Fatih Akin
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren
Produktionsjahr: 2000
Spieldauer: 95 Minuten

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