Kultur – Musik

Rammstein

Sonisphere Tag 3

29. Juni 2010 • Musik





Der dritte Tag des Sonisphere-Festivals brachte mit den Herren Lindemann, Kruspe, Flake & Co den showtechnischen Höhepunkt, „Big 4“ hin oder her: Rammstein brillierten mit einem gewohnt theatralisch-pyromanischen Spektakel, einem brachialem Sound und einem beinahe Best Of-Programm.

Anathema habe ich leider verpasst, die vorigen Tage und Nächte steckten uns noch in den Knochen, gekommen bin ich dann pünktlich zu Stone Sour, der Band rund um Slipknot-Sänger Corey Taylor. Dieser kann sich anscheinend bei Stone Sour weitaus besser ausleben als bei seinem Haupt-Brötchengeber, ist bestens gelaunt (was man auch von diversen Quellen hinter der Bühne vernehmen konnte), jedes zweite Wort in den Ansagen ist fucking, so wie bei allen anderen Bands (minus Rammstein) auch, der Sound ist gut und ziemlich laut: Stone Sour sind eine wunderbare Band für Festivals, spielen ein schönes Set und verabschieden sich nach einer guten Stunde.

Alice In Chains eröffnen ihr Set mit dem allbekannten „Them Bones“ und rocken den Nachmittag 13 Songs und eine Stunde lang. „Check My Brain“, „We Die Young“, „Man in the Box“, “Again”, “Would” und das abschließende “Rooster”: Alice in Chains sind bestens in Form, Sänger William Duvall fügt sich bestens in die Band ein ohne ein Layne Stayle-Tribute-Act zu sein, die Band wird vom Publikum wohlwollend, wenn auch nicht frenetisch aufgenommen – und nach einer Stunde heißt es „goodbye, Bucharest“ – Zeit, die Bühne feuersicher zu machen, denn der nächste Act liefert gleichviele Pyro-Effekte wie Akkorde:

Ja, bei Rammstein scheiden sich die Geister. Das letzte Mal gesehen habe ich die Band 1996, da war „Herzeleid“ gerade aktuell und ich halb so alt wie heute (you do the math) – danach hat mich die Band einfach nicht mehr so interessiert. Was Rammstein an diesem Abend aber geboten haben, hat mich umgehauen: nämlich großes Theater, obskur, streckenweise albern, Laibach treffen Helge Schneider treffen die Dreigroschenoper, oder so ähnlich. Das Bühnenbild gleicht einer, no na, Stahlfabrik, von überall spritzen die Funken und Flammen, Keyboarder Flake bearbeitet seine Keyboards auf einem Laufband, Richard Kruspe gibt den Stoiker und Till Lindemann ist einfach er selbst: ein wenig uncanny, harsch, hat etwas sehr beklemmendes an seiner Person, und das macht sein Charisma ja auch aus. Der Sound ist genau richtig, sehr laut aber noch differenziert – und so marschieren Rammstein mit uns, dramaturgisch perfekt, von Song zu Song und Lindemann schlüpft in seine verschiedene Rollen, in die des Quälers, Jägers, Stalkers, Voyeurs, Zündlers und Liebhabers. Und so singen zigtausende Rumänen „du, du hast, du hast mich…“ Wort für Wort mit, ohne sonst ein Wort Deutsch zu können – das Phänomen Rammstein geht anscheinend überall. „Links Zwo Drei Vier“ (die Reaktion der Band auf Vorwürfe der rechten Gesinnung) , „Du Riechst So Gut“, das unfassbar blödsinnige „Ich tu dir weh“, das famose „Haifisch“ und mittendrin mein Highlight, „Frühling In Paris“, mit klassischer Gitarre eingeleitet und während es Refrains zur Symphonie mutiert.

Nach zwei Stunden hat es sich ausgefeuerwerkt und das Sonisphere nimmt ein Ende. Rammstein waren definitiv das Highlight, man freut sich auch, die „Big 4“, Anthrax, Slayer, Megadeth und Metallica mal gemeinsam gesehen zu haben, auch wenn Hetfield & Co wirklich nicht gut waren an dem Abend – schade, dass Mastodon absagen mussten (diese wären im Vorfeld statt Anathema gekommen). Alles in allem ein großartiges dreitägiges Festival, eine schöne Ladung Metal mit einem angenehmen Publikum, von den zwei Vollidioten im „White Pride“-Shirt mal abgesehen, denen wir am liebsten ans Bein gepinkelt hätten. Übrigens verlosen wir etwas Schönes für Euch, mehr demnächst.




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