Kultur – Musik

Sonisphere part 1

Sonisphere Festival

27. Juni 2010 • Musik

Disclaimer zu Beginn: jep, es geht bei uns um Wien. Ums Wiener Stadtleben, eh schon wissen. Aber manchmal gibt es Sachen, die sind für Wiener Musikfans vielleicht auch interessant, wenn es nicht in Wien passiert. Dies ist so ein Bericht, denn ich sitze hier anderthalb Flugstunden von Wien entfernt und bin Zeuge eines Festivals, das für eine gewisse Musikfanschar sensationell ist und früher undenkbar war, und zwar geht es hier um die härtere Fraktion: zum ersten Mal kommen dieses Jahr die großen Vier der Bay Area zusammen – mit einem Rahmenprogramm, das sich sehen lässt, und Teile davon kommen auch bald nach Wien. Das Sonisphere mit den Headlinern Metallica, Slayer, Megadeth und Anthrax tourt durch Europa, mit dabei auch Volbeat, Rammstein und mehr – und stadtbekannt berichtet aus Bukarest.

Erster Tag. Eigentlich bin ich seit gestern hier, auf Einladung von einem Veranstalter. Diese sind seit gestern im "mörder-busy" Mode, die Bands kommen nach und nach in die Stadt, und wie es bei Bands ist: jeder braucht was, jeder will was. Wir reden hier ja von den Großen des Metal, und von einem unfassbaren Line Up.

Gestern waren wir kurz am Gelände, haben uns das ganze mal angeschaut, mit Leuten geredet. Alle am Werkeln, alles auf Hochtouren. Kurzer Rundgang, danach in die Herberge, gut wieder in Bukarest zu sein.

Heute, einen Tag später der Anruf: komm gegen 14.30 ins Gelände, gesagt getan. Die erste Band, Orphaned Land aus Israel spielen – ein gutes Set, ehrlich gesagt aber auch ein Set über das ich recht wenig sagen kann, da das Ankommen auch ein wenig Venue-abchecken bedeutet, und der Gig war recht schnell vorbei. Solides Set, ich treffe die Band kurze Zeit später bei Paradise Lost im Wave Breaker, dem Bereich vor der Bühne, wieder.

Paradise Lost waren, sagen wir, solide. Der Sound war streckenweise holprig, am Anfang unfassbar dumpf und zu basslastig, das Set ein Spaziergang durch die verschiedenen Schaffensphasen der Band rund um Nick Holmes. Zu Zeiten von "Icon" waren sie für mich Fixgrößen im Pantheon, heute waren sie für mich ein schönes Wiedersehen, bessere Soundbedingungen wären toll gewesen. Anyways.

jetzt wird es Wien relevant: weil VOLBEAT danach kamen. Volbeat haben kurzem in der Wiener Arena ein unfassbar gutes Konzert gespielt, das meine Erwartungen auf das nächste Mal sehr hoch getrieben haben – einer der Gründe, die mich auch nach Bukarest trieben. Volbeat kommen demnächst wieder nach Wien, well, im November ins Gasometer, und das ist hiermit meine, ehrlich, uneigeschränkte Empfehlung:

Volbeat sind eine der besten Live-Acts die ich in den letzten Jahren gesehen habe.  Besser kann ein Frontmann kaum sein, besser eingespielt bandtechnisch wird’s auch schwer: man muss nicht die Tattoos von Sänger Michael Poulsen sehen (J.R. Cash und Social Distortion stechen heraus), um zu wissen was hier gespielt wird: Metal, Punk und, hüstel, vielleicht kann man es Rockabilly nennen? Heiliger bimbam, groß!

Grandioses Konzert. Und danach wird’s ernst: MANOWAR stürmen die Bühne. Jetzt wird’s ernst, denke ich mir: jetzt geht’s um nordische Mythologien, um Valhalla, um Schwerter und Leder. Mein Kollege, der mit mir im Moshpit steht, erklärt mir den Sinn von Manowar live. Ich bin skeptisch, weil: postmodern und eh immer zynisch. Aber ehrlich, Spaß hat’s gemacht, noch und nöcher. Um was geht es sonst auf Festivals? Eric Adams ist mehr als solide, wie immer – Karl Logan shreddet und tappt auf seinen eckigen und zackigen Gitarren wie sonst nix und Joey DeMaio: wirkt am Anfang unfassbar lethargisch, sobald er dann seine obligate Rede (auf rumänisch – er als Italienier ist dem linguistisch ja recht nahe) hält blüht er auf: hier geht’s um einiges: Double-Bass, große Hymnen, große Gesten. Klein is hier gar nix, jeder Blick und jede Geste kriegerisch: ja schon klar, ich glaube auch nicht, ein Krieger des Stahls zu sein – aber DAS hier hat Spaß gemacht wie sonst nix.  Other bands play – Manowar kill.

ACCEPT als Headliner, ehrlich, ich weiß es nicht. Für mich sind Accept das Epitom der 80er, und nach Volbeat und Manowar ging für uns nichts mehr. Und weil ich nichts analysieren will, das ich nicht analysieren kann, übergebe ich das Wort an Christian Dorrer, Teil des Veranstaltungsteams, erzählte mir am Festivalgelände kurz vor dem Headliner:

"Definitiv ein Erfolg. Extreme Anstrengungen, weil es sich doch um eine Produktion handelt, bei der man sich an andere Spielregeln halten muss. Morgen wird mit Sicherheit der Höhepunkt des Festivals, weil morgen die creme dé la cremé des Heavy Metals gastiert".
 
Morgen dann der Bericht über DEN Metal-Tag schlechthin.

(Markus Brandstetter).

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