Kultur – Musik

Richard Klein

Songcontest – schaun wir uns die 10 Finalisten an.

2. Februar 2011 • Musik5 Kommentare zu Songcontest – schaun wir uns die 10 Finalisten an.

Klimmstein feat. Joe Sumner "Paris Paris"

Sumner? Der Name klingt bekannt, heißt so nicht Sting bürgerlich? Und tatsächlich, der Filius des Police-Frontman unterstützt hier die österreichischen Kandidaten "Klimmstein". Mit Raggae-Offbeat und einer, ganz dem Titel angemessenen Ziehharmonika (aka Quetschn) beginnt "Paris Paris", ehe gleich die österreichische Mundart (mittlerweile sogar im Ö3-Äther völlig salonfähig und entambros’isiert) einsetzt – und weil man ja kosmopolitisch unterwegs ist, muss auch die französische Sprache herhalten . Ach ja, lustig ist man auch noch und zitiert im Break Falco. "Derfst Kapitän auf meinem Nachtflug sein", tönt es auf einmal, und man denkt sich am Ende: schön und gut, Klimmstein sind schon ganz okay – Joe Sumner hat allerdings eher namedropping- denn musikalische Funktion im Song.

Fazit: Brächte schätzomativ einen Platz im Mittelfeld. Der Song ist okay, haut ein wenig in die sehr beliebte "Raggae mit bisschen Mundart"-Kerbe. Toll ist das nicht, aber auch nicht schlecht.

Nadine Beiler "The Secret Is Love"

Mit Stimmvibrato geizt die junge Starmania-Siegerin wahrlich nicht: was Beiler schon im Intro stimmzittert geht wahrlich auf keine Kuhhaut: ungute Erinnerungen an sogenannte US- "Soul-Divas" werden wach, hier wird geklotzt und nicht gekleckert, hier wird gemariacareyt, über den orchestralen Klimax vokal-vibriert und gelitten was das Zeug hält. Keine Frage, eine gute Stimme hat Beiler prinzipiell schon, aber das Problem ist, dass auf Teufel komm raus bei jeder zweiten Silbe stimmliche Pirouetten gemacht werden müssen. Und das macht zum Beispiel Mariah Carey unerträglich und satanisch (wobei Mariah Carey prinzipiell unerträglich und satanisch ist, auch ohne den Vibrato-Blitzkrieg).

Fazit: Nichts gegen Frau Beiler: im geschmacklich ohnehin fragwürdigen Songcontest könnte sie mit Stimmakrobatik durchaus den einen oder anderen Punkt nach Hause bringen – wahrscheinlich würde der Song am Ende des Tages trotzdem im hinteren Drittel versumpern.

Richard Klein "Bigger, Better, Best".

Schauen Sie, ich mag Herbert Knötzl sehr, bin regelrechter Fan. Was Knötzl (ja, so könnte man Richard Klein bürgerlich durchaus nennen) mich bei Projekt X schon zum Lachen gebracht hat – unvergessen die TV-Runden wo er im blauen Kleid mit Spiegel-Sonnenbrille und aufgeklebtem Schnauzbart als Reinhold Bilgeri am Opernball auftrat, mit Lederjacke und Oma-Perücke als Hermine Oma Janssen die Großmutter der Scorpions ("der greeeßte Hit von de Buam is definitiv des mitm Pfeifn, thrilling on Mountains) Haipl als Boybandmitglied Hubert von Back Off entgegen trat – ehrlich, Knötzl rules, prinzipiell. Als Ferienvertretung von Herrn Hermes sprang die Figur Richard Klein bei Willkommen Österreich ein – ja, es war lustig eine Zeitlang, auch wenn man sich Hermes bald wieder herbeisehnte, und ja: sinnloser Klamauk hat nicht erst seit Alf Poier seinen Platz im Songcontest – bei allem Knötzl-Fantum: muss wirklich nicht sein.

Fazit: Würde unter die Kategorie "Weils eh alles schon scheißegal ist" fallen.

Trackshittaz/Lukas Plöchl: "Oida Taunz"

Willkommen zur Kabinenparty – muss wirklich niemandem gefallen (tut es mir auch nicht), ist aber definitiv der Originellste und hängenbleibendste Song unter allen Teilnehmern. Haut in eine Kerbe, das aber recht gekonnt.

Fazit: Subjektiv find ich das ganz furchtbar, objektiv völlig verständlich warum sowas ankommt. Brächte Platz im Mittelfeld, ist aber vielleicht der einzige Song, der wirklich etwas darstellt.

Leo Aberer feat. Patricia Kaiser "There Will Never Be Another You"

Um Gottes Willen – Leo Aberers Presseinfo zeigt mir, warum ich Presseinfos von Popmusikern oft so, euphemistisch gesagt, fragwürdig finde. Vom getriebenen, genialen Songwritergenie, zwischen Jekyll und Hyde mit höchsten Anforderungen an seine Musik. Aso? Abererer als Promikicker, Aberer gibt Michelle & Chrissi (aka Luttenberger und Klug) Gitarrenstunden auf Ö3, Aberer singt gleichzeitig für BZÖ und SPÖ, Aberer ulkt mit Andi Ogris in die Kamera, Aberer ist Raggaekünstler. Was am Ende das Tages vom angeblich genialen Song übrig bleibt, sind tonnenweise Schmalz und Plattitüden von zwei Menschen, die prinzipiell nicht unbedingt Sympathieträger sind.

Fazit: Würde eine Platzierung in den hinteren Reihen beinahe garantieren. Völlig belanglos, völlig grauslich.

Alkbottle: "Wir San do ned zum Spaß".

Mein Gott, die Bottlebuam. Alkbottle, rund um den Gregory, den Zitta, den Billiani, hauen in eine Kerbe, und das seit Jahrzehnten, sind beharrlich wie es Hardrocker nunmal sind, singen vom Saufen und vom Fliesenlegen, von Fanta Light und vom stangenlangen Hans und der nudeldicken Dirn die zu Metallica gehen und dort die Birn beuteln. Autoreferenziell geht’s bei "Wir San do ned zum Spaß" zur Sache, Prolo wie eh und je – durch die Jury-Teilnahme von Gregory bei Starmania ein bisschen prominenter als vorher, aber keine spur anders: no sleep till meidling, Baby – besonders neu ist das alles natürlich nicht, und mögen muss man das auch nicht: die Bottlebuam sind halt "eine Bank" (will heißen: keine Fähnchen im Wind), der Song kann ruhigen Gewissens abgöttisch scheiße gefunden oder abgöttisch geliebt werden.

Fazit: Okay, bei aller Sympathie für die Bottlebuam: abgelutscht ist der Schmäh natürlich schon ein bisschen. Eher was für die hinteren Platzierungen.

Band WG: "10 Sekunden Glück"

Völlig unorigineller Ö3-Pop der Christl Stürmer Fans Tränen in die Augen treibt, Wellness-Parolen perfekt für den sinnsuchenden 14-jährigen formuliert mit "ohohohohos", die E-Gitarren schön so gemischt dass es auch die Mutti hören kann. Die perfekte Welle ist das nicht.

Fazit: Zahnloser, schaler Deutschpop von Epigonen von Epigonen. Irgendwo im hinteren Drittel.

Eva K. Anderson mit "I Will Be Here"

Mit einer von einer Akustikgitarre und später von spärlichen Streichern augmentierten getragenen Ballade geht Eva K. Anderson (aus dem Hause Pate Records) ins Rennen. Ein erfrischend unprätentiöser, fragiler Song der ohne großen Firlefanz (November Rain-Drumfills, Kammerorchester aus dem Synth und ähnlich opulenten Schmafu) auskommt, der zwar höchstwahrscheinlich nicht ins Rennen geschickt werden wird (denn dazu ist Anderson, der man hier wirklich eine äußerst gekonnte und differenzierte Sangesleistung zugestehen muß, nicht plakativ genug), nichts desto trotz als ein Sympathieträger durchgeht.

Fazit: Eva K. Anderson kann man getrost ins Rennen schicken und wird sich weder Fremdschämen noch in Ironie verstecken müssen. Unspektakulär, aber definitiv schön gemacht.

Oliver Wimmer "Let Love Kick In"

Hier will jemanden funken und soulen: nur leider ist das nicht so catchy und sexy, wie sich das Produzententeam das gedacht hat. Keine Frage, schlecht ist das eh nicht wirklich, auch wenn das Englisch halt gar ein wenig holprig und der Funk gar ein wenig konstruiert und aufgesetzt klingt – plätschert allerdings völlig belanglos dahin.

Fazit: Zu brav für das, was er darstellen soll. Viel zu brav. Etwas für die hinteren Plätze.

Charlee "Good To Be Bad"

Die schlimme kleine Schwester von Michelle, oder war’s Chrissi? Musik für Teenager im Shopping Mall mit Titel die von Plattenfirmen als "frech" und "sexy aber jugendfrei" konstruiert werden. Durchaus gut produziert und eingesungen, nur ist die Zielgruppe halt ein wenig zu jung für den Dancefloor. Bringt beim Promogig in der Lugner-City aber sicher einiges an Aufruhr.

Fazit: Bedient eine Zielgruppe, uns brächte das ganze Mittelfeld.

Summa summarum:

Sagen wir es so: es war zu erwarten. Dass sich keine relevante Band um den Songcontest bemühen würde, war durchaus abzusehen: wäre ja auch zu schön, hätte man jetzt eine Auswahl zwischen Kalibern "A Life A Song A Cigarette", "Soap & Skin", "Sir Tralala", "Naked Lunch" und dem Ulrich Drechsler Cello Quartett. Was auch immer, wie gesagt, hier will etwas bedient werden, dass allerdings in den meisten Fällen recht patschert und zu bemüht bedient wird. Wenn es um deutschen Pop geht hätte ich beispielsweise weitaus eher Robi Faustmann mit "Neuer Wind" statt der Band WG ins Rennen geschickt, die Kerbe in die Oliver Wimmer (bisschen soul, bisschen funk) hauen will hätte ich eher der Mary Broadcast Band anvertraut – so richtig gut fand ich allerdings keinen einzigen, der ins Rennen ging. Ich bin mir auch nicht sicher, wer jetzt mein Favorit wäre: vielleicht Plötzl mit "Oida Taunz", oder wenn’s uns echt so dermaßen scheißegal ist, dann Richard Klein. Was meint ihr?

Markus Brandstetter

Geschichten rund um den Song Noir. Von strauchelnden Protagonisten, Mythen und Mixtapes.

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5 Antworten auf Songcontest – schaun wir uns die 10 Finalisten an. – Verstecken

  1. jehova sagt:

    oida taunz!
    ich hoff der plöchl wirds… techno kommt doch überall gut an, oder? ich LIEBE den knötzl auch aber das lied ist fürn oasch und nicht lustig. wenn alkbottle für österreich antritt verbrenn ich meinen pass.

  2. Irini F. sagt:

    ich tippe auf den plöchl
    kommt am ehesten in allen relevanten abstimmenden publikumssegmenten an. Schwiegermama/papa und Tennies.

    Der Artikel ist übrigens sehr interessant. Danke, dass ihr euch die Mühe gemacht habt all diese Lieder anzuhören.

  3. markusbrandstetter sagt:

    @mhm
    danke fürs aufmerksam machen und den link :), wird stilistisch ausgemerzt in zukunft.

  4. Jenny sagt:

    Klimmstein
    Also ich seh das nicht so wie in dem Artikel – schliesslich singt Joe komplett den englischen Text und man erkennt ihn doch – schliesslich ist die Stimme dem Papa so ähnlich! Also ich finde der Song ist einfach toll also auf nach Düsseldorf!

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