Lifestyle – Skurriles

Sogar Brecht muss herhalten.

Sogar Bertolt Brecht muss herhalten: Uwe Scheuchs Top-Argumente.

17. August 2011 • Skurriles

Sogar Bertolt Brecht muss herhalten. Von Tag zu Tag wird es wahlweise lustiger oder trauriger: Uwe Scheuch, in erster Instanz zu einer unbedingten Gefängnisstrafe verurteilt, argumentiert wild entschlossen und bestimmt, schreibt offizielle Briefe an die Kärntner Bevölkerung, schickt den Landeshauptmann zu Armin Wolf, fühlt sich verraten, Teil einer Politjustiz gegen das freiheitliche Lager und gegen jeden Kärntner und jede Kärnterin. Dabei sind mittlerweile die obskursten Argumentationen aufgekommen, wie ein Interview mit einer großen Tageszeitung, benannt nach einem royalen Schmuckstück, wieder einmal belegt hat. Ein paar der Top-Argumente, paraphrasiert und satirisch kommentiert.

1. Das ist doch alles nur medial hochgespielt, in Afrika verhungern die Kinder, in London brennen die Straßen und die Börsen sind am Niederkrachen.

Eine wunderschöne Relativierungstaktik und dem Geisteszustand einer Bananenrepublik zuträglich, aber von einem juristischen, logischen, politischen – Herrgott, von JEDWEDEM – Standpunkt gelinde gesagt eher sehr bedingt nachvollziehbar. Bei all den Katastrophen, die es sonst so gibt, sollte man sich doch nicht auf so ein angebliches, völlig minimales und vernachlässigbares Korruptionskandaltschi festnageln, wo doch soviel bösere Menschen herumlaufen. Ein dem Österreicher nicht immer fremdes Argument: eigentlich hamma’s doch eh urschön bei uns, alles halb so schlimm.

2. Es kann sich ja gar nicht um Korruption handeln, weil es ja kein konkretes Geschäft gegeben hat.

Bestens! "Kein konkretes Geschäft gegeben" bedeutet in realitas eher, dass keines zustande gekommen ist, anscheinend kann man doch nicht so tun wie man will. "Man könnt fast glauben, die Justiz, die funktioniert" singen Christoph und Lollo so schön in ihrer Hymne für einen Finanz-Beau, die aber textlich leider Gottes auf viel zu viele Akteure in dem Polit/Finanzumfeld anwendbar ist. Spinnen wir diesen Gedanken weiter, ohne das Herrn Scheuch anzuhängen. Das heißt, die Planung eines kriminellen Delikts bleibt unstrafbar – sollte sich der Hinterhofer-Franzi also entschließen, zusammen mit dem Biggs-Ronni einen Geldtransport zu überfallen, man kommt aber vor getaner "Arbeit" dem penibel geplanten Coup auf die Schliche: dann kann man das, den Argumentationsfaden weiterspinnend, beim besten Willen gerichtlich nicht nachverfolgen. "Is ja eh nie was passiert".Top-Argument.

3. Es laufen draussen kriminelle Asylwerber und Päderasten rum und die Justiz hat hierzulande nichts besseres zu tun?

Eh klar, dass man gleich einmal die bösen Asylwerber nennen muß, es wäre nicht die FPK/FPÖ, wenn das nicht passieren würde. Gleich dazu auch noch die Kinderschänder nennen, das löst natürlich Emotionen aus – nur leider wieder einmal von falscher Seite. Bitte, Charles Manson darf alle paar Jahre einen Freilassungsantrag stellen, Al Sawahiri läuft immer noch frei herum und tut mit seinen Al Kaida Buben wie ihm lustig ist, und da wagt es unsere Justiz, sich mit einem österreichischen Korruptionsfall zu beschäftigen? Na servus.

4. Ist doch alles Polit-Justiz um das rechte Lager zu schwächen.

Standesgemäß die erste Reaktionen aus dem Freiheitlichen Lager, egal ob bei Susanne Winter (einer der unguteren Persönlichkeiten der hiesigen Anti-Islam Stimmungsmache) oder sonstwo. Jeder Richter, der gegen die Freiheitlichen entscheidet, ist gleichermaßen linksradikal, selber völlig korrupt, Anti-Österreicher und Nestbeschmutzer. Prinzipiell ein Argument mit einem historisch-paralell äußerst unguten Beigeschmack.

5. "Nach dem plötzlichen und schrecklichen Unfalltod von LH Dr.Jörg Haider, der über 30 Jahre von den Medien, den politischen Mitbewerbern und anderen Institutionen verfolgt wurde, hat diese linke Jagdgesellschaft nun wohl mir diese Rolle übertragen".

Natürlich wird hier gleich einmal die Ikone des österreichischen Rechtspopulismus heraufbeschworen – dessen Leben und sogar der Unfalltod für einige, eher realitätsferne, Teile der Bevölkerung einen Märtyrer-Status hat. Der wird zwar auch in vielen Jahren noch als Wahlhelfer dienen, aber realistischerweise irgendwann einmal an Strahlkraft verlieren. Solange es aber noch geht gehört das natürlich ausgenutzt, weil damit lässt es sich natürlich schön Emotionen erzielen. Nachdem es ja Masterminds wie Herbert Kickl gibt, hat man mit "linke Jagdgesellschaft" auch schöne, stimmungsmachende catchy Slogans parat.

6. Wer kämpft kann gewinnen (sic!), wer nicht kämpft hat schon verloren.

Nachdem Heinz-Christian Strache ja schon Che Guevara (insgesamt nur bedingt sein Gesinnungsgenosse und eigentlich Teil der linkslinken Guerilla-Jagdgesellschaft), für sich vereinnahmt hat, hat sich ein ganz schlauer durchs Poesie-Album gelesen, und den einzigen Bert Brecht Spruch herausgepickt, den er gekannt hat. Und den nochdazu falsch zitiert. Was kommt als nächstes? Susanne Winter zitiert Bakunin? Vilimsky zitiert Chomsky? Scheuch beendet seine Gerichtsrede mit "Hasta la victoria siempre"?

Ecce homo, tu felix Austria.

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