Wien – Debatte

Sofiensäle © Schreinerkastler

Sofiensäle – Das Warten hat ein Ende

23. Juni 2011 • Debatte

Man mag es kaum glauben, zehn Jahre nach dem verheerenden Brand der Sofiensäle kommt nun doch Bewegung in die Revitalisierungspläne.

Durchtanzte Nächte

Vor allem Kinder der 90er messen den Sofiensälen eine besondere Bedeutung zu. Viele erlebten damals ihre ersten durchtanzten Nächte dort. Die Sofiensäle waren auf Grund ihres Ambientes einzigartig – Volksgarten, U4 oder das Flex waren damit kaum zu vergleichen.Dann 2001 die Hiobsbotschaft: die Sofiensäle sind nicht mehr.

Jahrelanger Rechtsstreit

Der Brand läutet nicht nur das Ende einer bestimmten Clubszene ein, sondern führte zu einem jahrelangen Hin und Her wegen der Renovierung der Brandruine. Die Sofiensäle liefen "dank" Immobilienspekulation Gefahr so lange als Ruine ihr kümmerliches Dasein zu fristen, bis es zum Abriss des Gebäudes kommen kann, denn natürlich standen Teile des historischen Gebäudes unter Denkmalschutz: die Fassade, das Foyer und der große Saal. Die Bestrebungen des privaten Eigentümers waren die Sofiensäle abzureißen und ein Hotel an seiner Stelle zu bauen. Das führte zum Widerstand in der Bevölkerung und so gründete sich die Initiative „Rettet die Sofiensäle“, die sich für den Erhalt der historischen Bausubstanz einsetzt und fordert, bei dem geplanten Projekt eine öffentliche Nutzung in Form eines Kulturzentrums zu realisieren. Im Jänner 2006 erwarb die ARWAG Holding das Grundstück und versprach den Bestand zu erhalten, sowie eine denkmalgerechte Adaption. Viel Wasser floss dann noch die Donau hinunter, bis sich die ARWAG von dem Vorhaben abwandte die Sofiensäle zu verkaufen und ein Hotelprojekt zu entwickeln.

Geschichte

Die Sofiensäle wurden in den Jahren 1845 bis 1849 auf dem Gelände eines ehemaligen Dampfbades erbaut. Die Architekten Eduard von der Nüll und Augst Sicard von Sicardsburg entwarfen das Architekturjuwel. Spannend ist auch die Geschichte der Nutzung, so wurde der „Große Saal“ im Sommer als Schwimmbad genutzt und im Winter als Tanz- und Konzertsaal. Der Bau ist eng mit Johann Strauss (dem jüngeren) verknüpft, weil knapp 100 seiner Werke in den Sofiensälen ihre Uraufführung erlebten. Nach 1848 wurde der große Saal zum beliebtesten Veranstaltungsort der Wiener, hier wurde Nächte lang getanzt auch die Wiener Schrammeln spielten auf. Ab den 50er Jahren nahmen auch die Wiener Philharmoniker viele ihrer Stücke dort auf.

Aktuelle Entwicklungen

Seit 8. Juni 2011 hat die Bauphase nun begonnen, voraussichtlich bis 2013 soll das ambitionierte Bauprojekt realisiert werden. Der Plan ist das Gebäude zu erneuern und einer multifunktionalen Nutzung zuzuführen. In dem geplantem Neubau sollen beispielsweise 88 Wohnungen entstehen. Im Bereich des großen Festsaals sind 15 Ateliers angedacht. Die Stadtplanung kommt dem Wunsch der BürgerInnen nach und führt den ehemaligen Festsaal einer öffentlichen Nutzung zu, es wird an dieser Stelle eine Ausstellungshalle entstehen.

Fazit

Nach langem Hin- und Her tut sich doch etwas in den Köpfen der Stadtverwaltung. Man darf gespannt sein ob das Endprodukt nach der Planungsphase den Ansprüchen der kritischen Beobachter und der Wiener Bevölkerung genügen wird.

signatur_cornelia.jpg Cornelia Dlabaja

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