Kultur – Musik

Mike Ness und der Boss

Social Distortion – „Nursery Rhymes And Hard Times“ als Stream!

13. Jänner 2011 • Musik

„Hard times And Nursery Rhymes“ heißt das neue Album von Social Distortion rund um den charismatischen und von Kopf bis Fuß zutätowierten Frontman Mike Ness. Auf der Homepage der Band gibt es das gesamte Album als Stream – eine Empfehlung.

Social Distortion, das waren immer grandiose, tätowierte Geschichten rund um Narben und Ganoven, Junkies, Huren und Luden, Straßen und Mädchen, Gossen und um die Erlösung – und das alles auf Attacke. Mit Mike Ness als Geschichtenerzähler, der die „Downside“ selbst aufgesogen hat wie kein anderer. Die Thunder Road der Straßenköter, die Rettung und der Strich durch die Rechnung. Oder so.

White Heat White Light White Trash“ war vielleicht der Meilenstein der Band. Düster und von Erlösungsphantasien durchzogen, angefangen bei „Dear Lover“, hin zum rekapilurierenden „I Was Wrong“ bis hin zu „When The Angels Sing“. Nichts mit fein im Chevy sitzen und Dach runter fahren. Dann noch eine völlig fabelhafte Version von „Under My Thumb“ von den Stones – düster, großartig.

1996 war das – mittlerweile hat sich Ness auch außerhalb Social Distortion ausgetobt, hat Solo-Alben aufgenommen (wo sich unter anderem ein gewisser Bruce Springsteen – von der Rock’n’Roll Ethik Ness nicht ganz unverwandt vielleicht, die Ehre gab). Getourt wie die Sau, ein Live-, ein Studio- und ein Best Of Album dazwischen – und jetzt ist es endlich da, das neue Album der Kalifornier.

Mit "Road Zombie" beginnt das Album instrumental und melancholisch, ehe sich beim zweiten Track „California (Hustle And Blow)“ die Sonne zeigt und es mit einem klassischen Rock’n’Roll-Song weitergeht. Mike Ness hat produziert, eine gewisse Lockerheit und Vielfältigkeit in Punkto Sound ist dazu gekommen. Wie der Rolling Stone so schön geschrieben hat, früher war’s die permanente Kampfhund-Posse mit Stiernacken, die einer gewissen Zurückhaltung gewichen ist.

Es sind die ewiggültigen Themen auf der Platte, die gleichen alten Distanzen und Gespenster, die guten Tage und die Miserablen, eben die hard times und die nusery rhymes – gesungen mit der tragenden, unverwechselbaren Stimme, die nichts von ihrer Eindringlichkeit, Abgefucktheit verloren hat, aber eben von einem Stück weiter vorn am Weg aus singt und deswegen manchmal sogar ein wenig zuversichtlich klingt. Sogar ein Gospelchor ist dabei, und da wird’s durchaus ein wenig kitschig streckenweise.

„Where are you going from here“ hat man Dylan einmal gefragt, und der hat geantwortet „I’m going home“. Und der Boss hat auf dem vorletzten Album drauf gesetzt: „It’s gonna be a long walk home“.

„And I hope when I return home the locks aren’t changed on the doors“, heißt’s bei Social Distortion. Schönes Album.

Markus Brandstetter

Geschichten rund um den Song Noir. Von strauchelnden Protagonisten, Mythen und Mixtapes.

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