Wien – Grätzltipps – 11. Simmering

Alberner Hafen 1

Simmerings gespenstischster Winkel

13. August 2013 • 11. Simmering1 Kommentar zu Simmerings gespenstischster Winkel

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  • Friedhof der Namenlosen 1
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  • Friedhof der Namenlosen 3

Stadtbekannt hat sich für euch auf die Suche nach dem etwas anderen Ausflugsziel gemacht und im hintersten Winkel Simmerings ein scheinbar vergessenes Fleckchen besucht: den Albernen Hafen und den Friedhof der Namenlosen.

Im tiefsten Winkel Simmerings, fast schon an der Grenze zu Schwechat, befindet sich ein Fleckchen Stadt, das wie aus einer anderen, längst vergessenen Welt zu sein scheint. Allseits beliebten Ausflugszielen bei Sonnenschein und blauem Himmel wie etwa dem Prater oder der Donauinsel scheinen der Alberner Hafen und der Friedhof der Namenlosen auf den ersten Blick wohl keine Konkurrenz machen zu können, die Wahrscheinlichkeit, die beiden Namen in einem Reiseführer zu finden, ist vermutlich verschwindend gering.
Und dennoch, die Fahrt in den Simmeringer Bezirksteil Albern lohnt sich und garantiert einen beinahe unwirklichen Nachmittag ohne lärmendes Kindergeschrei, kläffende, Bällchen jagende Hunde oder dröhnende Hintergrundmusik.

Die Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist nicht unbedingt ratsam, es verkehren zwar Busse, die Zeiten und Routen erinnern jedoch eher an einen Spießrutenlauf. Wer sich dieses Ärgernis ersparen und auch die Abenddämmerung ohne den Gedanken an Fahrpläne genießen möchte, dem sei die Anfahrt per Rad empfohlen, die entlang der Donau und vorbei am Freudenauer Hafen sehr angenehm zu absolvieren ist.

Der Alberner Hafen

Der Alberner Hafen, dessen Name zugegebenermaßen zum Schmunzeln einlädt, sticht vor allem durch seine drei gigantischen, fast ein wenig furchteinflößenden Getreidespeicher ins Auge, die ruhig und verlassen aus der sonst flachen Umgebung wachsen. Die Schrägdächer erinnern, ganz konträr zu der sonst imposanten Erscheinung, an eine kleine Einfamilienhaussiedlung und verleihen dem Hafen eine etwas ironische Note. Diese „Brutalität in Stein“, wie Alexander Kluge es nannte, erinnert an die Wiener Flaktürme und ist ein 1939 errichtetes Relikt aus dem Nationalsozialismus.

Besonders eindrucksvoll präsentiert sich das im Rahmen des Black River Festivals 2010 entstandene Mural des italienischen Grafikers, Malers und Street-Art-Künstlers Blu, welches sich in schwarz-weiß-gelb auf beinahe die gesamte Höhe eines der Speicher erstreckt.

Der Friedhof der Namenlosen

Direkt an den Albernen Hafen angrenzend, befindet sich ein Ort, an dem alleine das Aussprechen des Namens schon Gänsehaut verursacht: Dort, wo Auwald- und Wiesengebiet an den Hafen grenzt, befindet sich relativ versteckt hinter Bäumen und Sträuchern der Friedhof der Namenlosen. Ganz an moderne Zeiten angepasst, verfügt dieser zwar sogar über eine eigene Homepage, bei Betreten fühlt man sich jedoch augenblicklich um Jahrzehnte zurück versetzt. Eine kleine Kapelle in ihrer Mitte, stehen auf dem Friedhof die Kreuze für insgesamt 582 Wasserleichen, die zwischen 1840 und 1940 hier – zu einer überwiegenden Mehrheit nicht identifizierbar – bestattet wurden. Die Errichtung des Albernen Hafens führte zu veränderten Strömungsbedingungen in der Donau und schließlich dazu, dass auf dem Friedhof der Namenlosen seither keine Beerdigungen mehr stattfanden. Heute gilt der Friedhof, dem gar im Film „Before Sunrise“ ein Denkmal gesetzt wurde, als eines der geheimen Wahrzeichen Wiens.

Abgeschiedenes Abendmahl

Hat man nach dem schaurigen Besuch nun Lust auf eine kleine Stärkung, so befindet sich noch versteckter und noch tiefer in der Abgeschiedenheit das Gasthaus „Zum Friedhof der Namenlosen“ (Albern 54, 1110 Wien). Donnerstags ist Ruhetag, ansonsten aber können an allen Tagen der Woche und mit Aussicht auf das so genannte Blaue Wasser, einen Altarm der Donau, deftige Hausmannskost und Fischspezialitäten verspeist werden. Im schattigen Gastgarten kann sich so ein gleichwohl idyllischer wie morbide angehauchter Ausflug dem Ende zuneigen.

Wenn ihr Lust habt, noch tiefer ins „wilde Simmering“ vorzudringen, klickt euch durch folgende Fotostory.

Alberner Hafen



Schön langsam neigt sich der Tag dem Ende zu. Die Sonne spiegelt sich noch ein letztes Mal glitzernd in der Donau, als wir am Alberner Hafen ankommen. Ruhig, fast gespenstisch ragen die alten Getreidespeicher und Industrieanlagen in den Himmel und werfen lange Schatten. Nicht mehr viel ist übrig vom einstigen Wiener Getreidehafen.

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Eine Antwort auf Simmerings gespenstischster Winkel – Verstecken

  1. Roland sagt:

    Hi,
    Wir waren gestern am Hafen und beim Friedhof der Namenlosen.
    Es ist unglaublich schön und auch sehr interessant. Ich kann es nur jedem empfehlen, einmal dort hin zu fahren.
    Ich habe einen kleinen Beitrag mit Fotos dazu geschrieben.
    http://www.apfelblick.de/friedhof-der-namenlosen
    Liebe Grüße
    Roland

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