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3 Punkt 5 - offizielles Pressefoto

Sidos Blockstarsgewinner „3 Punkt 5“: ihr neues Album. Eine CD-Kritik.

4. Februar 2012 • Musik1 Kommentar zu Sidos Blockstarsgewinner „3 Punkt 5“: ihr neues Album. Eine CD-Kritik.

Benjamin, Sharon, Dragan und Marko sind Blockstars. Und weil „der da oben“ (dem im Booklet gedankt wird) das so gewollt hat und Blockwart Sido als musikalischen Retter mit FS1-Sozialambitionen gesandt hat, liegt jetzt auch das Erstlingswerk von „3 Punkt 5“ vor. Es heißt „Ausnahmezustand“.

The new kids on the block.

Getragen vom moll-lastigen Rap aus dem wohlproduzierten elektronischen Soundghetto und garniert mit female vocals ist „Ausnahmezustand“ thematisch natürlich genau dort, wo man es erwartet hätte. Selbstreferenzielles, Durchhalteparolen in Form von Pennälerreimen, ein bisschen Eierzeigen hier („Mir scheint die Sonne aus dem Arsch, mein Anus glänzt“), ein wenig Sozialkritik da.

„Wir haben lange genug auf Lehrer gehört“, heißt es da, aber du kannst es schaffen, wenn du willst, selbst hat man ja es auch geschafft. „Das ist der Anfang von was Großem“, tönt es da. Oder: „Ich mach das Fenster auf schrei, dass ich auf die Welt scheiße“. Wut, Rebellion. Das „Ich bin Ich“ vom Block. „Ich machs kaputt bevor es mich kaputt macht“. Auf Rio Reiser wird sich das dennoch nur bedingt berufen.

Hanging touch.

Wir feiern und reißen den Club auf, während überall Hass und Gier regiert. Dass das alles über einige Strecken von sehr viel plakativem und nicht immer gänzlich reflexivem Testosteron getragen wird, ist selbstredend. Die hübschen Frauenstimmen-Refrains sinnieren dann, dass die Sonne vielleicht doch noch aufgehen kann. Und manchmal singen sie auch Sachen wie „Meine Träne liegt im Sand / wie ein Diamant“ oder „Endlich frei sein, Freiheit“.

Summa summarum sucht der Block hier die Katharsis, mit denen ihn gegebenen Mitteln. Das alles eingebettet in ein tolles Marketingkonzept (Pressemitteilungen wie „Blockstars hat es geschafft: Plattenvertrag!“ brachten ein Schmunzeln in Journalistenaugen). Und natürlich die sozialkritische Komponente. Erlösung, Hoffnung, Durchhalteparolen, problematische Vergangenheiten, bessere Zukunft.

Die sozialkritische Komponente

Auch wenn es uns die öffentlich-rechtlichen als sozialkritisch geschmackvoll verkaufen wollten: in bester RTL2-Manier brachte „Blockstars“ den (einem durchaus subtilen Thema unangemessesen) Sozialvoyeurismus ins Hauptabendprogramm, mit Sido als Bindeglied zwischen angeblicher Streetcredibility, sozialer Wandlungsfähigkeit und Massentauglichkeit. „Stereotyp, entblößend und bemitleidigend“, schrieb der Standard im Dezember. „Ein außergewöhnliches Bandprojekt“ nennt es der ORF wiederum: „…jungen, perspektivenlosen Menschen eine Chance geben, ihre schwierigen Verhältnisse hinter sich zu lassen und mit seiner Hilfe, Fleiß und Ehrgeiz ein neues Leben zu beginnen“.

Stellt man jetzt einmal die Frage der Sozialkritik außen vor, ist „Ausnahmezustand“ sowohl von der Produktion als auch vom textlichen Inhalt genau das, was zu erwarten war. Wem’s gefällt.

Foto: Presseaussendung. Credits werden nachgereicht.

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Eine Antwort auf Sidos Blockstarsgewinner „3 Punkt 5“: ihr neues Album. Eine CD-Kritik. – Verstecken

  1. martin keiner den du kennst sagt:

    exaktheit bitte
    hauptabendprogramm ist 20 uhr 15. blockstars lief viel später.

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