Lifestyle – Skurriles

Karl Marx - von John Mayall jun.

Sheen, Johannes Paul der II und die Libertines: zum Tag des Karls.

4. November 2011 • Skurriles

Was haben Charlie Sheen, Papst Johannes Paul der Zweite und der 1606 verstorbene Graf von Hohenzollern-Sigmaringen gemeinsam? Richtig: Sie alle feiern am 4.November ihren Namenstag, denn nicht nur mach(t)en sie sich gerne einen Karl: sie hießen auch so. Unsere Tradition des Thomas- und Andreastages fortsetzend: eine assoziative Hommage.

Wissen Sie eigentlich wieviele Herrscher es gab, die Karl hießen? So ziemlich jedwede römische Nummer ziert in allen Teilen des Abendlandes das Namensuffix von Herrschern, Grafen, Königen, Fürsten. Wir haben Karl den Großen, den Carlous Magnus, der es im Jahre 800 immerhin zum römischen Kaiser brachte. Beruflich also durchaus erfolgreich und auch von sich selbst überzeugt: so sah er sich als alleinigen Verfechter des wahren Christentums. Vierzehn Jahre nach Amtsantritt in Punkto Kaisertum raffte ihn ein Fieber dahin und Karl verstarb. Der Vielweiberei war er, einem Herrscher entsprechend, nicht abgeneigt.

Karl der Große, Karl der Weise, Karl der Schöne, Karl I bis Karl X – die Monarchie ist an Kerlen (Schenkelkopfer-Plural) nicht arm, und auch in religiösen Belangen waren die Carlosse recht präsent vertreten – der letzte Prominente Karl in der Politik machte als Kondomverweigerer und Flughafenboden-Küsser unter dem Namen Papst Johannes Paul der Zweite Karriere, hieß aber eigentlich Carol Woytyla und wurde bekanntlich vom deutschen Hochschulprofessor Joseph Ratzinger abgelöst, der wiederum in „Benedikt XVI“ seinen Künstlernamen fand, aber das würde zu weit führen.

Kapazunder des Karltums

Rückblickend gab es in jeglicher Sparte und Richtung wegweisende Namensvertreter: man denke an Carl Gustav Jung auf der einen, Carl Orff auf der anderen Seite. Carl Orff hat mit dem ORF natürlich nichts zu tun, jedoch gibt es auch beim ORF einen wichtigen Vertreter des Namens, Hörfunkdirektor Karl Amon. Wir schweifen ab, vorallem wenn wir beim Thema ORF noch den Moderator Carl Hannes Planton erwähnen, bei allem Respekt kein Meilenstein der Politik wie etwa jener Karl, der das Kapital schrieb und auch sonst nicht unwesentlich war, nämlich, Sie haben es erraten, Karl Marx. Und wenn man vom Kapitalismus redet, darf man auch an Siemens denken, denn auch der Gründer jenes Konzerts hieß so.

Ikones des kontemporärern Karltums

Natürlich, seinen Zenit hat der Name Karl überschritten, wenige Leute nennen ihre Kinder „Karl“, da haben die Lukasse, Leons, Anna-Jaquelines und Marcels dem gepflegten Karltum den Rang abgelaufen, aber es gibt auch durchaus heute noch Ikonen des Karltums: so zeugte der große Martin Sheen, eigentlich Ramon (etc…) Estevez, zwei Söhne und nannte einen Emilio, den anderen Carlos. Carlos Irwin Estevez, der die selben irren Augen wie der Senior hat, machte dann unter dem Namen Charlie Sheen ordentlich Karriere: Filmkarriere, TV-Karriere, Drogenkarriere.

Fans von David Guetta finden sicher auch einen anderen Karl ganz toll: nämlich Carl Cox, der etwas adipös ist und eine Zahnlücke trägt. Viel schöner, sexier und für viele musikalisch toller ist da schon Carl Barat, der mit den Libertines bekannt wurde, sich dann mit dem Dohertypezi aber ein wenig zerstritten hatte weil der nicht weniger Drogen nahm als Karl Sheen. Etwas früher als die Libertines, gut anderthalb Dekaden, war Carlton Banks in den Wohnzimmern dieses Landes präsent, ein fiktiver Karl quasi, der uns in der Serie „Prinz von Bel Air“ mit seinem nerdigen Tanz, der heute sicher als Hipstertanz gilt, und seinen nicht minder hippen Wollpullis begeisterte.

Und in Österreich?

Mit Sicherheit einer der größten Kerle war Karl Kraus, den braucht man wohl hoffentlich nicht wirklich vorstellen, ebenso wenig wie den ebenso grandiosen Karl Farkas. Auch Geschichte geschrieben hat Karl Merkatz, der als Mundl in „Ein echter Wiener geht nicht unter“ brilliert hat und sicher auch heute als 80jähriger noch so gerufen wird. Karl Moik wiederum hat das Land als Conferenciers des zielgruppenorientierten Musikantenstadls beglückt, während Karl Schranz den Begriff „Schranz-Hocke“ geprägt hat: beim Skifahren quasi in die Hocke gehen und schnurstracks den Hang runterradieren, ohne Rücksicht auf Verluste.

Karl-Heinz Grasser wiederum ist für viele eventuell nicht der Allergrößte Sympathieträger dieses Landes, etwas unwichtiger aber nicht viel sympathischer ist FPÖ-Abgeordneter Karl Schnell, der hier ohne Kommentar genannt werden soll. Steinreich aber sparsam wie Sau ist Karl Wlaschek, der den Billa gegründet hat und uns ergo den Hausverstand beschert hat.

Dick auftragen? Doppelt moppeln, broheme!

Weil für viele ein Karl nicht genug ist, heißt ein österreichischer Schauspieler und Regisseur konsequenterweise Carl Carl, auch nicht schlecht ist Carl Carls, seines Zeichens Schachspieler.

Sich einen Karl machen. Fazit.

Der Name Karl stand auch Pate für eine der schönsten Redewendungen hierzulande, nämlich „sich einen Karl machen“, was soviel heißt wie „Spaß haben“, aber auch im Sinne von andere ein wenig verarschen, an der Nase herumführen. So wie sich KHG einen Fiskus-Karl mit uns macht zum Beispiel, oder unsere Ministerin Beatrix Karl, die ja über Nachnamensumweg auch Karl heißt. Eine Ehrennennung verdient auch unsere fiktive Journalistenkollegin Carla Columna, bekannt von Benjamin Blümchen.

In diesem Sinne: mögen sich alle Namensträger heut einen gepflegten Koal machen!

(Markus Brandstetter)

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