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Schönheitsoperation und Wunschliste

12. September 2011 • Kultur

Mit der Übernahme des mumok Ende 2010 fand die neue Direktorin Karola Kraus ein Erbe vor, in dem in punkto Sammlungsbestand für ihre Begriffe einige Lücken klafften. Also räumte sie das Museum aus, baute es um und füllte es nach ihren eigenen „Wünschen“.

Museale Schönheitsoperation

Als eine ihrer ersten Amtshandlungen verpasste Karola Kraus dem Museum einen neuen Look. Die Umbauten überraschten anfänglich, war das mumok doch erst im Jahr 2011 eröffnet worden. Die erste, von außen sichtbare Neuerung war das neue Logo an der Außenwand des mumok, das nun in feiner Neonschrift leuchtet. Gestaltet wurde es von dem Künstler Florian Pumhösl, der kürzlich erst im MUMOK ausgestellt hatte. Die ebenso neu gestaltete Eingangshalle verbindet nun den Museumsshop und das Café zu einer Einheit, wobei auf die Durchlässigkeit der verschiedenen Bereiche geachtet wurde. Im untersten Geschoß befindet sich nun ein hauseigenes Kino, in welchem regelmäßige Filmvorführungen mit Diskussionen stattfinden werden. Last, but not least erstrahlt durch die Restauration auch der Boden in neuer Pracht. Auch in punkto Corporate Design hat sich etwas getan: aus dem MUMOK wurde das mumok. Die Schönheitsoperation hat sich also durchaus gelohnt: Alles in allem wirkt das Museum nun viel freundlicher und eleganter.

Überdimensionaler Wunschzettel

Was baulich überzeugt, macht in Bezug auf das inhaltliche Konzept der ersten Ausstellung wenig Eindruck. Kraus präsentiert in ihrer ersten Schau eine Bestandsaufnahme der hauseigenen Sammlung, die sich über alle Ebenen des Hauses erstreckt. Ergänzt wird diese von den 37 „Wünschen“ der Direktorin, sprich Arbeiten, die Kraus für das Museum in den nächsten Jahren erwerben möchte. Diese sind mit eigenen farbigen Schildern gekennzeichnet – weiß für Sammlungsbestand, silber für Arbeiten aus der Wunschliste und gold für jene Wunsch-Arbeiten, die bereits erworben werden konnten.

Keine Ismen mehr

Schlendert man durch die Räume, wird schnell eines klar: Auf geschichtlich einheitliche Gruppierungen oder Ismen wird völlig verzichtet, thematische oder ästhetische Anordnungen liegen viel eher im Fokus der Ausstellung. Die Genese der Kunst, wie sie im kunstgeschichtlichen Kontext meist besprochen wird – nämlich die Ableitung einer Strömung als Entwicklung einer neuen Richtung – wird beiseite gelassen. Neue Spannungsfelder sollen durch dieses ungewohnte Zusammenspiel eröffnet werden. In einem „generationsübergreifenden Dialog“ werden kaum gezeigte Arbeiten des Hauses mit Leihgaben und Klassiker der Moderne mit den Arbeiten zeitgenössischer KünstlerInnen gegenübergestellt. Alleine, ob dieses Konzept ganz aufgeht, ist eine andere Frage. Denn die Zeitgenossen leiden unter der wuchtigen Präsenz der Modernen, sie gehen im Pathos der Geschichte beinahe unter.

Selbstreferenzielle Bezugnahme auf die museale Tätigkeit

Dennoch ist das Konzept sehr schlau durchdacht: nimmt es doch selbstreferenziell Bezug auf die zentrale Tätigkeit eines Museums, nämlich das Sammeln und das Ausstellen. Und mit dieser ersten Präsentation macht die neue Direktorin das inhaltliche Konzept ihres Neuentwurfs des mumok für alle transparent. Eine Lücke in der bestehenden Sammlung will Kraus mit exemplarischen Exponaten der Pop Art füllen und dementsprechend wird das Ausstellungsprogramm Anfang 2012 mit einer Personale über Claes Oldenburg weitergeführt – wir sind gespannt! (Barbara Pflanzner)

Museum der Wünsche
mumok
10.9.2011 – 8.1.2012
Eintritt: € 9,00 / € 7,20

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Mumok

Museumsplatz 1
1070 Wien
01 525 00 0
http://www.mumok.at

 

 

 

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