Kultur

JÖRG IMMENDORFF Ohne Titel, 2005 © The Estate of Jörg Immendorff, Courtesy Galerie Michael Werner Märkisch Wilmersdorf, Köln & New York, FOTO:: Mischa Nawrata, Wien

Schönheit und Vergänglichkeit

13. Dezember 2011 • Kultur

Was ist Schönheit und was bedeutet es, schön zu sein? Die Kunstgeschichte – und somit auch unsere Sehgewohnheiten – wurden lange vom Ideal des klassischen, seit der Antike geltenden Schönheitsbegriffes geprägt. Die aktuelle Ausstellung „Schönheit und Vergänglichkeit“, die noch bis 22.1.2012 im Essl Museum zu besichtigen ist, versammelt Arbeiten wichtiger Künstler des letzten Jahrhunderts, die diesen Schönheitsbegriff je auf ihre Art hinterfragen und so existenzielle Fragestellungen des Lebens zur Diskussion stellen.

Gleich zu Beginn trifft man beispielsweise auf eine Skulptur des britischen Künstlers Marc Quinn. In Remineszenz an die klassischen Marmorskulpturen portraitierte Quinn die Künstlerin Allison Lapper – wunderschön, aber ohne Arme. Er rekurriert damit nicht auf den kunstgeschichtlichen Typus des Torso, sondern bildet seine Künstlerkollegin ab, der aufgrund einer seltenen Krankheit beide Arme amputiert werden mussten.


Marc Quinn: Alison Lapper and Parys, 2000 © Sammlung Essl Privatstiftung, Foto: courtesy Jay Jopling, White Cube, London

Entspricht die Arbeit trotzdem den geltenden Schönheitskriterien? Und ist die Künstlerin trotz ihrer körperlichen Beeinträchtigung schön? „Viele finden gerade in der zeitgenössischen oder überhaupt in der ganzen modernen Kunst ihr Schönheitsbild nicht wieder. Und viele Menschen von heute, im 21. Jahrhundert, tragen noch immer ein Schönheitsideal im Kopf, das sehr stark vom 19. Jahrhundert geprägt ist“, resümiert Kurator Andreas Hoffer.

Immer wieder stößt man in der kleinen Schau auf Irritationen und wird mit Arbeiten konfrontiert, die vordergründig keinen tradierten Vorstellungen von Schönheit entsprechen, sondern mit welchen sich die BesucherInnen auf einer eher intellektuellen Ebene auseinandersetzen müssen. Dies ist beispielsweise bei der Arbeit des Künstlers Jannis Kounellis der Fall, die 1999 speziell für eine Ausstellung im Essl Museum konzipiert wurde. Kounellis, der gemeinhin der „Arte povera“ zugeordnet wird, spielt mit „armen Materialien“, die erst in der Assoziation ihren vollen Gehalt entfalten. An einem neun Meter hohen Mast hängen Reste eines halbverwitterten Bootes – eine Konnotation an die nahe gelegene Donau.


Jannis Kounellis: Ohne Titel, 1999 © Sammlung Essl Privatstiftung Foto: Photoatelier Laut, Wien

Mit der Vergänglichkeit beschäftigt sich der 2007 verstorbene Maler Jörg Immendorf. 10 Jahre zuvor wurde ihm eine unheilbare Nervenkrankheit diagnostiziert, infolge derer er nicht mehr in der Lage war, selbst zu malen und dies seine Assistenten nach seinen Anweisungen übernehmen mussten. In der ausgestellten Arbeit tritt das Wissen über die eigene Sterblichkeit dabei symbolhaft in Erscheinung. Demgegenüber erhebt Daniel Spoerri in seinem Fallenbild alltägliche, hässliche und eben auch vergängliche Dinge zur Schönheit.

Insgesamt sind nur 6 Arbeiten ausgestellt – den BesucherInnen soll somit mehr Raum zur vertieften Auseinandersetzung mit den einzelnen Werken gegeben werden. Eine kleine, aber durchaus feine Ausstellung, die obgleich der großen Schlagworte nicht in die Beliebigkeit abrutscht.

(Barbara Pflanzner)

Schönheit und Vergänglichkeit
Essl Museum
bis 29.1.2012
Eintritt € 7,00 / € 5,00
kostenloser Shuttlebus 

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ESSL MUSEUM

An der Donau-Au 1
3400 Klosterneuburg bei Wien
http://www.essl.museum

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