Kultur

Marcus Geiger o.T., 2011 Tricoflagg (Sondereinfärbung in „Belvedere-Rot“ /weiß) Länge: 450 m Courtesy der Künstler o. T., 2011 Messefilz ART EXPO 3032 (rot) Courtesy der Künstler Foto © Belvedere, Wien / Wolfgang Thaler

Schöne Aussichten!

21. November 2011 • Kultur

Mit dem 21er Haus eröffnete das Belvedere kürzlich seine neue Dependance für Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. Der Titel der Antrittsausstellung „Schöne Aussichten!“ spielt dabei nicht nur als direkte Übersetzung der italienischen Bezeichnung „Belvedere“ eine Rolle, er nimmt gleichzeitig Bezug auf die offene Architektur des Hauses und kann als Ausblick auf das, was die BesucherInnen ausstellungstechnisch noch so erwartet, verstanden werden.

Lange war bei der überdimensionalen Baustelle am Südbahnhof nicht zu erkennen, dass dort ein neues Zentrum für zeitgenössische Kunst entstehen sollte. Denn auch das 21er Haus, ehemaliger Austragungsort für mutige Ausstellungsevents in der Nachkriegszeit, glich monatelang einer Baustelle. Unter der Planung des Architekten Adolf Krischanitz wurde der modernistische Bau behutsam renoviert und erstrahlt nun in neuem, lichtem und (licht)durchlässigem Glanz.

Referenzlastige Arbeiten

Mit den Künstlern Marcus Geiger, Lois Weinberger und Franz West holte man die "big names" der österreichischen Kunstszene in die Ausstellung. Deren Arbeiten reflektieren je auf ihre Weise das Verhältnis von Innen und Außen, indem sie gleichzeitig auch auf die Architektur des Gebäudes Bezug nehmen. Geiger parodiert in seinen zwei Interventionen etwa wichtige Elemente der Repräsentationssymbolik – die Flagge und den roten Teppich –, indem er sie aus ihrem gewohnten Format kippen lässt. Weinberger thematisiert in seinem, im Skulpturengarten im Außenbereich befindlichen, "Wild Cube" die Ein- wie auch Ausgrenzung: einen Freiraum für Pflanzen, die innerhalb des Käfigs ungehindert wachsen können. Und Franz West bringt in das vom Tageslicht durchflutete Museum gar das Mondlicht herein.

Insgesamt wirkt die Ausstellung, wie eben auch der Museumsbau an sich, licht und reduziert. Die Antrittsausstellung präsentiert eine überschaubare Zahl an Exponaten, was kein Nachteil ist. Den einzelnen Werken wird somit verstärkte Aufmerksamkeit geschenkt. Damit zusammenhängend ergibt sich allerdings ein kleines Manko: Denn wer über den einzelnen Arbeiten nicht nur kontemplativ versinken, sondern sich auch über diese informieren will, muss einen etwas umständlichen Weg einschlagen. Die Werkbeschreibungen sind nämlich in einem Heftchen abgedruckt und lassen sich nur durch ständiges Hin-und Herblättern zwischen einer Werkabbildung auf einem Grundriss und den Texten finden. Und übrigens, die Parodie auf die Heiligkeit der Kunst, die etwa bei Geiger oder Oswald Oberhubers „Museum im Museum“  integraler Bestandteil ist, gilt nicht für das Publikum: Jenes wird nämlich beim Telefonat ob der Heiligekeit der Ausstellungshallen gemaßregelt.

Anknüpfen an interdisziplinäre Traditionen

In dem wunderschönen Kinosaal im Stil der 50er-Jahre werden künftig zeitgenössische Film- und Videoarbeiten präsentiert und in einen zeitgenössischen Kontext eingebunden. Und im Salon für Kunstbuch, ein Kunstprojekt des Künstlers Bernhard Cella, kann in allen relevanten kunstspezifischen Publikationen von Magazin bis Monografie geschmökert, oder diese auch erworben werden. Ein abwechslungsreiches Rahmenprogramm mit Performances, Lecture, Diskussionen etc. wird zudem an interdisziplinäre Traditionen anknüpfen.

Das sind ja schöne Aussichten!

Alles in allem ein schöner Start des neuen Ausstellungszentrums, das dem Museumsquartier dadurch ordentlich Konkurrenz bietet. Man darf also gespannt bleiben, welche „schönen Aussichten“ uns im neuen 21er Haus noch erwarten werden.

(Barbara Pflanzner)

Schöne Aussichten!
21er-Haus
bis 8.1.2012
Eintritt € 5,- / ermäßigt € 4,-

BEGLEITPROGRAMM
Samstag, 3.12., 16:30 Uhr
Kuratorinnenführung mit Bettina Steinbrügge und Cosima Rainer
Anmeldung erforderlich

Mittwoch, 7.12., 20:00 Uhr
Heimo Zobernig, SALE
moderiert von Kuratorin Cosima Rainer
Live: Le Coq porn und La Ckicken electronique

Mittwoch, 14.12., 19:00 Uhr
Alles vor Ort, nichts vorarb
Videointerview von Bernhard Cella mit Franz West
Gäste im Salon für Kunstbuch: Franz West und Eva Badura

Samstag, 17.12., 16:30 Uhr
Kuratorinnenführung mit Bettina Steinbrügge und Cosima Rainer
Anmeldung erforderlich

Mittwoch, 21.12., 19:00 Uhr
The Surveyor. Zusammenhänge zwischen Spionage, Kunst und mEhrfachidentitäten
Buchpräsentation und Lesund mit Fabian Reimann
im Salon für Kunstbuch

, , , , , , , , , , ,

21er HAUS

ARSENALSTR. 1
1030 Wien

Zusätzliche Information (_VenueAddress): Arsenalstraße 1

MI – SO: 10:00 – 18:00 Uhr

Weitere Artikel

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

« »