Kultur

(c) Charim Galerie
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SPOTTED: Via Lewandowsky – Oh tu nove verde, 2011

14. November 2011 • Kultur

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In unserer Reihe „SPOTTED“ nehmen wir je ein Kunstwerk aus einer aktuellen Ausstellung unter die Lupe. Dieses Mal: Die Klanginstallation „Oh tu nove verde“ des Künstlers Via Lewandowsky, aktuell zu sehen in Charim Galerie. Von Barbara Pflanzner.

Erstauntes Ausrufen, Wohlgefallen und Lob sind wohl der Idealfall an Reaktionen, die sich ein Künstler von seinem Publikum wünscht. Dass diese bei der Kunstbetrachtung nicht immer eintreten, sondern oft auch von Empörung, Ärger oder Geringschätzung geprägt sind, muss nicht extra gesagt werden. Der deutsche Künstler Via Lewandowsky nimmt letzteres zum Anlass für seine Installation „Oh tu nove verde“, der Titel eine Verballhornung der Phrase „Ach du grüne Neune!“.

Die Zahl 9 fungiert denn auch buchstäblich als Aufhänger: Im Zentrum der Installation befindet sich eine kleinformatige fragile Drahtskulptur auf einem Sockel, an welcher eine grün-farbige Form baumelt, die an die Zahl 9 erinnert. Rundherum sind 24 Lautsprecher auf hohen Stelzen angeordnet. Die daraus ertönenden Laute des Missfallens, Räusperer oder Geräusche von peinlich berührten BetrachterInnen sind in einer verdichteten Klanginstallation gleich einem Chor oder einem Musikstück arrangiert.

Wie schon in früheren Arbeiten, wie beispielsweise der Installation „Applaus“ (2008), die mit allen Facetten von Applaus die Frage nach dem Wert und dem Vergehen eines künstlerischen Werks stellt, und die sozusagen als positive Variante der Arbeit „Oh tu nove verde“ gesehen werden kann, nutzt Lewandowsky die Sprache ohne Worte. Durch die aufgenommenen Geräusche, die man gleichsam als Infragestellung beziehungsweise als Kritik an der kleinen Drahtskulptur assoziiert, werden die BetrachterInnen zu BeobachterInnen ihrer eigenen Kunstbetrachtung.

Es geht zudem auch um das „System Kunst“ mit all seinen immanenten Aspekten und seinem Netz an gegenseitiger Bedingtheit, sprich der Relevanz und dem Austausch von Ansichten, der Kunst-Szene mit all ihren – nennen wir es – Ritualen und der Kunstkritik und ihrem Mangel an konkreten Merkmalen und Begrifflichkeiten. Nicht nur Kunst wird hier also, wie man auf den ersten Blick meinen könnte, in Form von lakonischer Selbstdarstellung karikiert, sondern auch die Form der Kunstbetrachtung. In diesem Sinn versteht sich diese Arbeit von Via Lewandowsky ebenfalls als Kommentar – ein Kommentar zu Hinterfragung der (eigenen) Kunstkritik.

zu sehen in:
Charim Galerie
bis 5.11.2011
Eintritt frei.

Homepage von Via Lewandowsky: link

Bisher geSPOTTED:
G.R.A.M. – Hohes Haus (Kiew), 2011 (Christine König Galerie)
David Maljkovic – Temporary Projections, 2011
(Galerie Georg Kargl)
Hanne Darboven – Ein Jahrhunder (Bücherei), 1970/71 (mumok)
Francis Bacon – Sitzende Figur, 1960 (Albertina Schausammlung)

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Charim Galerie

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1010 Wien
+ 43 1 512 09 15
http://www.charimgalerie.at

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