Kultur

Mladen Stilinovi? Skok / Jump, 2005 Kollage auf Karton

SPOTTED: Mladen Stilinovi? – Skok / Jump, 2005

14. November 2011 • Kultur

In unserer Reihe „SPOTTED“ nehmen wir je ein Kunstwerk aus einer aktuellen Ausstellung unter die Lupe. Dieses Mal: die Arbeit „Skok / Jump“ des serbischen Künstlers Mladen Stilinovi?, aktuell zu sehen in der Galerie Martin Janda. Von Barbara Pflanzner.

Das Verhältnis der Sprache der Kunst und der Sprache der Ideologie sind die beiden Kategorien, die der serbischen Künstler Mladen Stilinovi? wiederholt in den Mittelpunkt seiner Arbeiten stellt. So auch in der 2005 entstandenen Collage „Skok/Jump“, in deren Zentrum eine fotografische Abbildung eines springenden, beinahe fliegenden, Mädchens steht. Die Arbeit setzt sich aus eher bescheidenen Materialien wie Karton, Foto und Schnipsel eines Bandes in den Farben der serbischen Flagge, rot, weiß und blau zusammen, die dem Kunstwerk auf den ersten Blick ein eher ärmliches Aussehen geben.

Die Verwendung von unprätentiösen Materialien führt aber auf eine falsche Spur. Denn die Haupteigenschaft von Stilinovi?s Kunst liegt in der Offenlegung von politischer Macht und Manipulation durch visuelle und sprachliche Klischees. Mit dem in die scheinbar unendliche Weite des Bildhintergrundes springenden Mädchens wird sogleich die Assoziation der Freiheit ausgelöst – eine Kategorie, die im Sozialismus stark beschränkt war – aber auch des Sports, der oft die einzige Möglichkeit war über die Grenzen Jugoslawiens hinauszukommen. Gleichzeitig dienten Sport und Körperkultur in erster Linie aber auch der Heranbildung der sozialistischen Persönlichkeit im „Arbeiter und Bauernstaat“, was wiederum eine Ideologisierung und Einschränkung der persönlichen Freiheit bedeutete. Und auch die "Schnipsel" entpuppen sich als leere Formeln, als Ausbeutung ideologischer Zeichen, die der Künstler ins Ironische kippen lässt.

Mladen Stilinovi? beschäftigt sich hier aber nicht nur mit dem sozialistischen Alltag, sondern im künstlerischen Sinne auch mit der russische Avantgarde und deren oft plakativer Zugang zu gesellschaftlichen Problemen. Er nimmt dabei Bezug auf die poetisch-ironischen Bild- und Spracherfindungen des russischen Konstruktivismus, den sozialistischen Realismus und die geometrische Abstraktion der 1950er Jahre – alles ästhetische Ausformungen, die ebenfalls ihre künstlerische Ausbeutung und Abnutzung erlebt haben und dabei ihrer künstlerisch-symbolischen Bedeutung verlustig gegangen sind (vgl. Galerie im Taxispalais, Innsbruck).

Mladen Stilinovi? – Instulting Anarchy
Galerie Martin Janda
bis 7.1.2012
Eintritt frei.

Bisher geSPOTTED:
G.R.A.M. – Hohes Haus (Kiew), 2011 (Christine König Galerie)
David Maljkovic – Temporary Projections, 2011
(Galerie Georg Kargl)
Hanne Darboven – Ein Jahrhunder (Bücherei), 1970/71 (mumok)
Francis Bacon – Sitzende Figur, 1960 (Albertina Schausammlung)
Via Lewandowsky – Oh tu nove verde!, 2011 (Charim Galerie)
Franz West – , 2011 (Galerie Meyer Kainer)
Daniel Spoerri – Assemblage mit dem Kopf eines Pferdes, 1990 (Essl Museum)

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Galerie Martin Janda

Eschenbachgasse 11
1010 Wien
+43/1/585 73 71
http://http://www.martinjanda.at

DI-FR  13:00 – 18:00 UHR
\r\nSA 11:00 – 15:00 UHR

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