Kultur

Hanne Darboven, Ein Jahrhundert (Bücherei), 1970–1971, mumok Wien © VBK Wien, 2011

SPOTTED: Hanne Darboven – Ein Jahrhundert (Bücherei), 1970

14. November 2011 • Kultur2 Kommentare zu SPOTTED: Hanne Darboven – Ein Jahrhundert (Bücherei), 1970

In unserer Reihe „SPOTTED“ nehmen wir jeweils ein Kunstwerk aus einer aktuellen Ausstellung unter die Lupe. Dieses Mal: die 1970 entstandene Rauminstallation „Ein Jahrhundert (Bücherei)“ der deutschen Künstlerin Hanne Darboven, zu sehen im mumok. Von Barbara Pflanzner.

Noch minimalistischer kann eine Rauminstallation kaum sein: nur ein Holzregal mit schwarzen Stehordnern, an den Seitenwänden 100 gerahmte Zahlenblätter, sind in einen Seitenraum des mumok hineingestellt. Die Blätter zeigen serielle Zahlenabläufe, die in Zahlenkolonnen und dem Wort „Zeichnungen“ auf Millimeter-Papier handschriftlich festgehalten sind. Sie sind durch einen Index komplettiert, der Auskunft über die verwendeten Kodifizierungssysteme gibt. Das Regal hingegen ist noch nicht zur Gänze gefüllt – die Zeitschreibung kann also potentiell fortgeführt werden. 

Hanne Darboven beschäftigt sich in ihrem Oeuvre seit 1960 mit Zeitverläufen, die sie in akkurat festgehaltenen Angaben visualisiert. Die Installation „Ein Jahrhundert (Bücherei)“ ist eine Art künstlerisches Werkverzeichnis, eine Art fiktiver Bibliothek, deren Inhalt mit all seinen Informationen und Nachrichten immer weiter anwachsen kann. Die Kategorie der Zeit spielt hierbei eine wichtige Rolle. In die Installation ist die konsequente Visualisierungen von Zeitabläufen und somit auch von Erinnerung eingeschrieben: wie in einem Index ist die Zeit ihrer Entstehung und ist gleichzeitig eine bestimmte Zeitspanne festgehalten. Damit ist Hanne Darboven einerseits künstlerische Weggefährtin eines Roman Opalka, der in seinem Oeuvre die prozessuale Konzeptkunst zum alles dominierenden Thema gemacht hatte, in ihren Rasterkonstruktionen und den auf ein Minimum reduzierten Zeichen andererseits Vertreterin der Minimal Art eines Sol LeWitt

Zeit wird zum Raum, die Arbeit zum Gesamtkunstwerk. Die Installation ist ein schönes Beispiel dafür, dass traditionelle Vorstellungen von einem Bild weiterentwickelt und durch streng formalistische Ausdrucksformen ersetzt wurden.

Museum der Wünsche
mumok
bis 8.1.2012
Eintritt  € 9,00 / € 7,20

Bisher geSPOTTED:
G.R.A.M. – Hohes Haus (Kiew) (Galerie Christine König)
David Maljkovic – Temporary Projections
 (Galerie Georg Kargl)

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Mumok

Museumsplatz 1
1070 Wien
01 525 00 0
http://www.mumok.at

 

 

 

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2 Antworten auf SPOTTED: Hanne Darboven – Ein Jahrhundert (Bücherei), 1970 – Verstecken

  1. Sargnagel sagt:

    Spotted
    Sehr anregend. So etwas fehlt mir schon länger in der Wiener Kunstszene. Weiter so!

  2. barbara pflanzner sagt:

    danke!
    das freut mich! schöne grüße, BP

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