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G.R.A.M. - Hohes Haus Galerie Christine König Wien 2011

SPOTTED: G.R.A.M – Hohes Haus

1. November 2011 • Kultur3 Kommentare zu SPOTTED: G.R.A.M – Hohes Haus

In unserer Reihe „SPOTTED“ nehmen wir je ein Kunstwerk aus einer aktuellen Ausstellung unter die Lupe. Dieses Mal: Die Arbeit „Hohes Haus“ der Grazer Künstlergruppe G.R.A.M., präsentiert in der Galerie Christine König. Von Barbara Pflanzner.

Ein Pulk an Männern in Anzügen reißt sich um einen Herrn in ihrer Mitte, sie stehen um ihn herum und zerren und ziehen an ihm. Bei genauerem Hinsehen bemerkt man, dass diese „Anhäufung“ an Personen nicht zufällig, sondern genau choreografiert ist: der Blick fällt auf den Mann in der Mitte, der durch seine helle Kleidung als zentrale Figur hervorgehoben ist. Die Figuren rundherum sind in verschiedene Bildebenen aufgesplittet, beziehen sich in ihrer Körperhaltung aber direkt auf ihn. Nur die Männer in der hintersten Bildebene sind in ihrer Haltung unbeweglich, sie stabilisieren das Bild, während sich in der Menge eine Bewegung von links nach rechts abzeichnet. Ironisches Detail: halbiert man die Achsen des Bildes – die waagrecht durch den längs ausgestreckten Arm, senkrecht durch die Holztäfelung im Hintergrund angedeutet sind, ergibt sich als eigentliches Bildzentrum nicht der Mann in weiß, sondern die dahinter im Schatten verborgene Frau. 

In der wilden Bewegung, der vor Kraft strotzenden Energie und der übersteigerten Bezugnahme erinnert das Bild an barocke Gemälde, wie etwa eines Rubens. Auch die Licht-Akzentuierung mit hell/dunkel und die pathetische Inszenierung – beispielsweise der Körperhaltungen – sind Indizien einer Orientierung an historischen Kampf- und Raubszenen. Achtet man jedoch auf die Details wird klar, dass die Pathosformeln stark ironisiert sind.

Die Grazer Künstlergruppe G.R.A.M. betreibt in der Serie „Hohes Haus“ (2011), aus der auch dieses Bild stammt, eine Ernsthaftigkeit, die im Humor liegt. Denn die Bilder sind Inszenierungen, sogenannte re-enactements, von Pressefotografien, welche (tatsächlich stattgefundene) Handgreiflichkeiten zwischen Abgeordneten in internationalen Parlamenten mit Statisten nachstellen. Dadurch treiben sie ein ironisches Spiel, denn mit dem Einsatz von körperlicher Gewalt wird das oberste Diktum einer zivilisierten Gesellschaft negiert und die Demokratie ad absurdum geführt. Auf einer zweiten Ebene stellen G.R.A.M Fragen in Bezug auf das offensiv-aggressive Verhalten von Männern bzw. Männerrunden und dem buchstäblichen Schattendasein von Frauen in von Männern dominierten Bereichen.

Galerie Christine König
G.R.A.M. – Hohes Haus
bis 22. 10. 2011
Eintritt frei.

Abbildung:
G.R.A.M. – "Hohes Haus" (Kiew), 2011
C-Print, Alu Dibond 183 x 263 cm Ed. 1+2 a.p.
Courtesy: Christine König Galerie, Wien

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Galerie Christine König

Schleifmühlgasse 1A
1040 Wien
+ 43 1 585 74 74
www.christinekoeniggalerie.com

Dienstag bis Freitag, 11 – 19 Uhr
\r\nSamstag, 11 – 16 Uhr
\r\nEintritt frei.

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3 Antworten auf SPOTTED: G.R.A.M – Hohes Haus – Verstecken

  1. Gramin sagt:

    Ich kenne das Kunstwerk nicht
    Aber die Idee sich ein spezielles Werk herauszunehmen und eine Erklärung zu versuchen, die gefällt mir nicht schlecht.

  2. pflanzner sagt:

    °°
    das freut uns! 🙂

  3. Moli sagt:

    Gutes Bild!
    Als ich das Bild das erste Mal sah, dachte, es ist eine Nachstellung von der "Anatomie des Dr Tulp" nach Rembrandt. Dort wird auch seziert… 🙂

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