Kultur

(c) Galerie Meyer Kainer, 2011
(c) Galerie Meyer Kainer, 2011

SPOTTED: Franz West – “ „, 2011

14. November 2011 • Kultur

In unserer Reihe „SPOTTED“ nehmen wir je ein Kunstwerk aus einer aktuellen Ausstellung unter die Lupe. Dieses Mal: die Skulptur mit dem ungewöhnlichen Titel des internationalen Stars österreichischer Gegenwartskunst Franz West, aktuell zu sehen in der Galerie Meyer Kainer. Von Barbara Pflanzner.

Diese Arbeit bietet Raum für Assoziation: eine Skulptur, deren Titel nur aus einem Symbol der Skulptur besteht, das wiederum auf ein Zitat des Philosophen Ludwig Wittgenstein referenziert. Sechs Meter lang und in knalligem hellblau, schlängelt sich die Skulptur momentan durch den Ausstellungsraum der Galerie Meyer Kainer. Die Ausstellung, in der diese Skulptur sich befindet, trägt den Titel „Epiphanien“ – also „Erscheinungen“ – und spielt damit auf genau das an, was auch diese Arbeit ist: Die Transformation einer gekritzelten Linie, scheinbar unsinnig, eine „Sinnlos-Schleife“, deren symbolhafter Titel ihre eigene Form ist.

Die zitierte Schleife stammt aus einem bisher wenig beachteten Notizbuch im Nachlass des österreichischen Philosophen, die der Wittgenstein-Forscher Peter Keicher für Franz West kopiert hatte, und die West für seine Arbeit nutzbar gemacht hatte. Ein Gedankenspiel, bei dem es nicht bleibt. Denn wie auch in den wohl berühmtesten Arbeiten des Künstlers – den Mitte der 70er Jahre entstandenen „Passstücken“ – ist auch dieses Objekt buchstäblich zum Angreifen beziehungsweise zur Verwendung gedacht, beispielsweise als Bank. Die BesucherInnen können sich gewissermaßen auf den „linearen Verlauf“ der plastischen Form setzen und so mit dem Objekt interagieren.

Mit Skulpturen mit Gebrauchswert, welche die BesucherInnen je nach Belieben in Relation zum eigenen Körper bringen können, durchleuchtet Franz West seit jeher den schmalen Grat zwischen Kunst und Alltag, zwischen philosophischem Ernst und feiner Ironie. Seine Objekte und Erscheinungen entziehen sich jeglicher Kategorisierung innerhalb der scheinbar allgemein gültigen Doktrinen des Kunstbetriebs, in ikonografischer, wie auch in formaler Hinsicht. West macht vielmehr Kunst, die voll ist mit unterschwelligem Witz, eine Kunst, die nicht auf den Sockel gestellt ist.

Und so kann alles sein – eine Arbeit, die sich beispielsweise plastisch, pragmatisch oder philosophisch diskutieren lässt – sie kann aber auch schlichtweg nichts sein. Doch KritikerInnen wird die Luft genommen. Denn wie heißt es bei Wittgenstein so schön: „Was sich überhaupt sagen lässt, lässt sich klar sagen; und wovon man nicht reden kann, darüber muss man schweigen.“

Franz West: Epiphanien
Galerie Meyer Kainer
bis 29.10.2011
Eintritt frei.

Abbildung:
Franz West, 2011
Foto:Tina Herzl
(c) Galerie Meyer Kainer

Bisher geSPOTTED:
G.R.A.M. – Hohes Haus (Kiew), 2011 (Christine König Galerie)
David Maljkovic – Temporary Projections, 2011
(Galerie Georg Kargl)
Hanne Darboven – Ein Jahrhunder (Bücherei), 1970/71 (mumok)
Francis Bacon – Sitzende Figur, 1960 (Albertina Schausammlung)
Via Lewandowsky – Oh tu nove verde!, 2011 (Charim Galerie)

, , , , ,

Galerie Meyer Kainer

Eschenbachgasse 9
1010 Wien
+43 1 585 72 77
http://www.meyerkainer.com

Di-Fr 11-18:00 Uhr
\r\nSa 11-15:00 Uhr
\r\nSo, Mo geschlossen.

Weitere Artikel

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

« »