Kultur

Albertina, Wien - Sammlung Batliner © The Estate of Francis Bacon / VBK, Wien 2009

SPOTTED: Francis Bacon – Sitzende Figur, 1960

14. November 2011 • Kultur6 Kommentare zu SPOTTED: Francis Bacon – Sitzende Figur, 1960

In unserer Reihe „SPOTTED“ nehmen wir je ein Kunstwerk aus einer aktuellen Ausstellung unter die Lupe. Dieses Mal: Die Arbeit „Sitzende Figur“ des weltberühmten Künstlers Francis Bacon, permanent zu sehen in der Schausammlung der Albertina. Von Barbara Pflanzner.

Wir blicken auf einen Herrn im dunklen Anzug, seine Gestalt ist nicht ganz ausdefiniert, sein Gesicht wirkt deformiert, seine Extremitäten scheinen verstümmelt zu sein. Der Mann scheint sich um sich selbst zu drehen – bedenkt man allerdings den Titel des Portraits („Sitzende Figur“) wird klar, dass der Dargestellte in der Pose des Sitzen verharrt, ohne dass allerdings ein Möbelstück abgebildet ist. Er ist also vielmehr in seiner Bewegung verhindert, wirkt irgendwie in dieser gefangen. Überhaupt ist der Mann nicht nur ästhetisch deformiert, es umgibt ihn auch die Aura des Zerrissenen, Gequälten, Vereinsamten.

Die Figur ist von einer Art Gerüst umrahmt, durch welches Tiefenraum hergestellt wird. Es stützt die Figur, indem es durch seine Statik einen Kontrast zu der Figur herstellt, bzw. wird es umgekehrt von der Figur zusammengehalten. Der Fluchtpunkt der Linien führt so auch konsequenterweise zum Kopf des Mannes, der durch seine Farbigkeit ebenfalls zentral hervorgehoben ist.

Francis Bacon wurde ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts für seine Portraits, darunter das etwa 40 Mal gemalte Bildnis von Papst Innozent X nach Velasquez, bekannt. Die Portraits gelten als die ersten Darstellungen des „modernen Menschen“ in seiner existenziellen Zerrissenheit, seiner Vereinsamung und kreatürlichen Rohheit. Bacon wandte sich vom damals gängigen Vorgang des Portraitmalens ab, denn er orientierte sich nicht an einer Modell sitzenden Person, sondern malte vielmehr von Fotografien oder aus der Erinnerung ab. Es geht im dabei nicht um eine realistische Darstellung, sondern um das, was sich gewissermaßen „dahinter“ verbirgt. Die Abgebildeten sind immer leicht verwischt, was der Künstler einmal so kommentierte: „Ich möchte, dass meine Bilder so aussehen, als sei ein menschliches Wesen durch sie hindurch gegangen, wie eine Schnecke, eine Spur von menschlicher Anwesenheit und die Erinnerung an vergangene Ereignisse zurücklassend, so wie die Schnecke ihren Schleim zurücklässt.“

Bacons Arbeiten können vor dem Hintergrund seiner tubulenten Biografie gedeutet werden: er hatte bereits als Jugendlicher die Erfahrung mit Gewalt gemacht, wurde sich mit 16 Jahren seiner Homosexualität bewusst, war Zeit seines Lebens dem Glücksspiel und dem Alkohol verfallen, pflegte gleichzeitig aber Kontakte mit den Intellektuellen seiner Zeit und war freundschaftlich mit dem großen Maler Lucian Freud verbunden. Seine Bilder, in deren Zentrum immer der torsohafte, verkrüppelte und ungreifbare Körper steht, erzählen einerseits von Gewalt, Zerstörung, Verfall und immer auch von der Schicksalshaftigkeit des Menschen, die letzten Endes im Tod endet. Sie beeindrucken aber auch, so wie dieses Bild, durch ihre Kraft, Intensität und Präsenz.

Bisher geSPOTTED:
G.R.A.M. – Hohes Haus (Kiew), 2011 (Christine König Galerie)
David Maljkovic – Temporary Projections, 2011
(Galerie Georg Kargl)
Hanne Darboven – Ein Jahrhunder (Bücherei), 1970/71 (mumok)

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6 Antworten auf SPOTTED: Francis Bacon – Sitzende Figur, 1960 – Verstecken

  1. Kinkidra sagt:

    Bitte verschont uns!
    Seid mir nicht böse, aber lasst das lieber bleiben – solche pseudointellektuellen Ergüsse werden einem vielleicht noch im Kunstgeschichte Einführungsproseminar verziehen, aber seine Leserschaft sollte man mit derartig peinlichen Oberflächlichkeiten lieber nicht vergraulen. Das Ganze liest sich wie ein Gymnasiastenaufsatz und hat meiner Meinung nach in einem Stadtmagazin nix verloren…. "Es geht im dabei nicht um eine realistische Darstellung" – nein, wiiiiiirklich??? Bitte, bitte, bitte – hört auf unsere Intelligenz zu beleidigen.

  2. susi sagt:

    und …
    … sehr früh lernt man auch, dass man kritik durchaus so äußern kann, dass sie nicht beleidigend, sondern fundiert ist.

  3. pflanzner sagt:

    @kinkidra
    Liebe kinkidra, danke für den Kommentar. Diese Serie ist u.a. dafür gedacht, künstlerische Arbeiten einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Darunter befinden sich auch Leute, die mit Kunst nichts zu tun haben, sich nicht auskennen und die mit einer Interpretation vielleicht einen Zugang finden. Die Texte sind daher so aufgebaut und geschrieben, dass sie verständlich und nachvollziehbar sind. Dass Sie sich offensichtlich mit Kunst auskennen freut mich für Sie, vielleicht lesen Sie dann einfach die anderen kunstspezifischen Texte auf unserer Seite und nicht diese Reihe. Mit besten Grüßen,BP

  4. xi sagt:

    @all
    aber irgendwie hat kinkidra schon recht… versteh auch nicht ganz wie das jetzt ins konzept passt.

  5. ^^ sagt:

    @raunzer
    kunstvermittlung halt! ich finds gut!

  6. Cosatu sagt:

    @Kinkidra
    Ich finde das Beispiel nicht gut gewählt: "Es geht im (sic!) dabei nicht um eine realistische Darstellung." Ist banal ganz klar, muss man aber trotzdem schreiben, da es eine Differenz die eine Differenz macht, ist. Mir fehlen für die Kunstvermittlung eher noch einzelne Erklärungen (Fluchtlinien etc.) und eine Begründung für die Auswahl. Die Idee finde ich aber interessant, mal sehen w s daraus wird.

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