Kultur

Curt Stenvert: Die einundzwanzigste menschliche Situation: Als junge Frau zu Seife verkocht (Opus 163), 1964, Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, ehemals Sammlung Hahn, Köln  © VBK Wien, 2011, Foto: Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien

SPOTTED: Curt Stenvert – Die einundzwanzigste menschliche Situation: Als junge Frau zu Seife verkocht

12. Dezember 2011 • Kultur

In unserer Reihe „SPOTTED“ nehmen wir je ein Kunstwerk aus einer aktuellen Ausstellung unter die Lupe. Dieses Mal: die Objektinszenierung „Die einundzwanzigste menschliche Situation: Als junge Frau zu Seife verkocht“ des österreichischen Künstlers Curt Stenvert, aktuell zu sehen im Belvedere. Von Barbara Pflanzner.

Marcel Duchamp steht mit seinen Schachtelobjekten Pate für Stenverts in den 1960er Jahren entstandenen Objektmontagen. Verschiedene Alltagsgegenstände werden zu Objektassemblagen arrangiert und in ihrer Entfremdung und Umgestaltung einer komplexen Aussage zugeführt. Stenverts Objektinszenierungen stellen meist Metaphern dar, die mit Hilfe der Ironie gesellschaftliche Themen – meist ist es der Mensch in seiner intellektuellen und emotionalen Bedingheit – zum Inhalt haben.

Die Arbeit „Die einundzwanzigste menschliche Situation: Als junge Frau zu Seife verkocht“ mag mit ihrem didaktischen Unterton aus heutiger Sicht etwas plakativ erscheinen – im Kontext der 1960er Jahre ist sie aber durchaus schlüssig. Stenvert thematisiert in dieser wie auch in anderen Arbeiten die Zwänge, die sich aus der medial vermittelten Zuschreibung als „gute Hausfrau“ und der traditionellen Rollenzuschreibung für junge Frauen ergaben und denen sie in den 1950ern und 1960er Jahren unterworfen waren. Insbesondere die neue Selbstbestimmtheit und das positiv bewertete neue Selbstbewusstsein der Frau ist ein Thema, das der Künstlers in mehreren seiner Objektassamblagen umsetzte.

Die Objekt-Kunst – und damit einhergehend die Objektkästen – erlebten in der Kunst der 1960er Jahre in Anlehnung an DADA und dem Surrealismus eine Wiedergeburt. Curt Stenvert folgte dabei aber weder dem Prinzip des Zufalls, noch dem Fantastischen, noch spielt er mit dem Warencharakter der Pop-Art, sondern verschreibt sich einer sehr persönlichen, eher szenisch inszenierten Kunst, um seine Auffassungen und Gedanken zur Sprache zu bringen.

1920 als Kurt Steinwender in Wien geboren, war Curt Stenvert einer der wichtigsten österreichischen Nachkriegskünstler, der mit seinen experimentiertfreudigen und experimentellen Objekten an die internationale Avantgarde anschloss. Das Belvedere widmed dem heute weitgehend vergessenen Künstler noch bis eine 15.1.2012 umfassende Retrospektive.

Curt Stenvert – Neodadapop
Belvedere
bis 15.1.2012

bisher geSPOTTED:
G.R.A.M. – Hohes Haus (Kiew), 2011 (Christine König Galerie)
David Maljkovic – Temporary Projections, 2011
(Galerie Georg Kargl)
Hanne Darboven – Ein Jahrhunder (Bücherei), 1970/71 (mumok)
Francis Bacon – Sitzende Figur, 1960 (Albertina Schausammlung)
Via Lewandowsky – Oh tu nove verde!, 2011 (Charim Galerie)
Franz West – , 2011 (Galerie Meyer Kainer)
Daniel Spoerri – Assemblage mit dem Kopf eines Pferdes, 1990 (Essl Museum)
Mladen Stilinovi? – Skok / Jump, 2005 (Galerie Martin Janda)
William Engelen – Faltenrock, 2011 (Georg Kargl BOX)
Miss Van – Muses, 2011 (INOPERAbLE Gallery)

Unteres Belvedere

Rennweg 6
1030 Wien
01 795 57 0
http://www.belvedere.at

 

 

 

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