Lifestyle – Im Gespräch

(c) Crazy Sonic
(c) Crazy Sonic

Rudi Wrany im Gespräch

16. September 2013 • Im Gespräch

Der Kärntner Rudi Wrany aka „Crazy Sonic“ ist seit beinahe 20 Jahren eine feste Größe in der Wiener Elektronikszene und hat unter anderem die letzten zwölf Jahre den wöchentlichen Dienstagsclub, das Crazy, im Flex veranstaltet. Stadtbekannt hat ihn zum Gespräch gebeten.

Stadtbekannt: Servus Rudi! Du bist ja bereits seit den frühen 90er Jahren in Wien auf Partys aktiv. Was hat dich denn in die Hauptstadt verschlagen?

Rudi Wrany: Nach Wien hat mich, wie die meisten, das Studium verschlagen. Das war bereits 1987. Zu dieser Zeit habe ich auch mein Musikinteresse forciert. In den frühen 90ern bin ich dann abseits des langweiligen Studentenprogramms ausgegangen, wobei natürlich die Auswahl viel geringer war als heute.

Stadtbekannt: Warst du zu dieser Zeit bereits als DJ aktiv?

Rudi Wrany: Nein. Zu dieser Zeit konnte man die DJs noch an ein oder zwei Händen abzählen. Auch die elektronische Musik war zu dieser Zeit noch nicht so populär wie sie es heutzutage ist.

Stadtbekannt: Wann hast du also begonnen aufzulegen?

Rudi Wrany: Das war 1993. Da war dann die Plattensammlung groß genug um in diversen Lokalen anzufragen. Pandoras Box, Nachtasyl oder Blue Box zum Beispiel. Damals ging es auch noch eher um die Trackselektion als um große Künste im Mixing. Meine erste Station war das Xeno in der Schleifmühlgasse. Ich spielte eine Mischung aus Kasetten, CDs, auf nicht pitchbaren CD Playern, und Vinyl auf einem ramponierten Plattenspieler. Gemixt hat damals sowieso noch keiner so richtig. Das fing bei mir erst nach dem Studium von DJ DSLs Handwerk an.

Stadtbekannt: Hast du zu dieser Zeit auch begonnen Partys selber zu promoten?

Rudi Wrany: Etwas später. Das war 1994 im Bricks, dass es auch heute noch gibt. Da haben wir einige Tage gemacht. Das Programm war sehr breit gefächert. Zum Teil groovige, Hip-Hop lastige Sounds, jazzig und funky und natürlich auch ein bisschen House. Das ist dann etwa 2 Jahre so gegangen. Damals war ja Wien in diesem Bereich noch eine ziemliche Wüste. Da gab es den Volksgarten, wo die Preise auch damals schon in etwa so wie heute waren. Aber diesen klassischen, coolen Underground Club gab es noch nicht.

Stadtbekannt: Und dann kam das Flex? Hast du auch vor dem Crazy, das es ja seit 2001 gibt, schon Veranstaltungen dort gemacht?

Rudi Wrany: Unregelmässig. In den späten 90ern war ich sehr vielschichtig unterwegs. Da war alles dabei. Hip-Hop, Downbeat, Midtempo, House, Techno und sogar Drum & Bass. Im Vergleich zu heute war es ganz normal alle diese Stile auf einer Party zu spielen. Heute ist das undenkbar! Meine ersten regelmäßigen Partys im Flex waren aber dann schon relativ geradlinige Technosachen. Rewind nannte sich das. Ende 1998 bis 2001 kam dann eine Pause meiner Aktivitäten im Flex. Währenddessen gab es die Meierei. Sowas wie das Studio 54 von Wien. Auch von seiner Verruchtheit her. Dort sind großartige Sachen passiert. Wir haben erstmals auf zwei Floors zwei verschiedene Sounds gespielt und auch vermehrt internationale Artists eingeladen. Das war bis dahin ganz und gar nicht üblich. Auch deswegen, weil es ungleich komplizierter war als heute. Als dann absehbar war, dass die Meierei nicht mehr lange existieren wird, haben sich alle Betreiber nach etwas anderem ungesehen. Da kam dann auch im Frühjahr 2001 das Angebot vom Flex. Im Herbst habe ich dann gewechselt. Aber nur unter der Bedingung die Dienstage machen zu dürfen.

Stadtbekannt: Warum wolltest du ausgerechnet die Dienstage gestalten?

Rudi Wrany: Ich glaubte einfach, dass die Chance existiert etwas aufzubauen. Was auch relativ gut gelungen ist. Das hat natürlich seine Zeit gebraucht. Da bin ich dem Flex schon sehr dankbar für die, unter anderem, finanzielle Unterstützung. Alleine hätte ich mir zwei Jahre lang Verlust machen natürlich nicht leisten können. So lange hat es einfach gedauert um in die Gewinnzone zu kommen. Dann hat es einige Jahre lang, und auch jetzt noch, ganz gut funktioniert. Aber natürlich gab es immer saisonale Höhen und Tiefen.

Stadtbekannt: Nun hast du ja vor einiger Zeit den Entschluss gefasst mit Crazy aufzuhören. Warum?

Rudi Wrany: Zum Teil wegen dem finanziellen Risiko. Ich habe jetzt selbst finanziert und auf eigene Kappe veranstaltet. Dadurch kann man einfach nicht mehr immer so ein tolles Line Up bieten wie früher, als wir das gemeinsam gemacht haben. Außerdem sind seit den Nullerjahren die DJ Gagen extrem explodiert. Viele Acts wie Luciano, Ricardo Villalobos, Sven Väth oder Richie Hawtin, die früher noch gespielt haben, kann man sich einfach nicht mehr leisten. Und durch die gestiegene Anzahl der Clubs in Wien ist auch die saisonale Schwankung größer geworden. Im Winter hat man einfach schlechteres Geschäft. Ein weiterer Grund ist natürlich, dass ich nicht mehr der Jüngste bin. Es ist halt so, dass man jeden Dienstag dort ist und man feiert doch gerne und man hat quasi am Anfang der Woche schon seinen ersten Samstag. Dann läuft man jeden Mittwoch natürlich leicht außerhalb der Spur.

Stadtbekannt: Was wird nach Oktober mit den Dienstagen passieren?

Rudi Wrany: Der ursprüngliche Plan war ja, dass ich ganz aufhöre mit Crazy. Allerdings haben wir uns auf eine Alternative geeinigt. Wird so aussehen, dass die Dienstage auf vier Veranstalter aufgeteilt werden und ich mir einen Dienstag davon behalten werde. Fakt ist, dass die regelmäßigen Crazys mit Ende Oktober eingestellt werden. Wobei die Community kaum einen Unterschied merken wird, weil sie nach wie vor am Dienstag tanzen gehen kann.

Stadtbekannt: Ist es dir schwergefallen den Entschluss zum aufhören zu fassen?

Rudi Wrany: Ja natürlich wird ein bisschen Wehmut dabei sein. Aber wie gesagt. Einen Dienstag habe ich ja noch und es bleiben ja auch noch die monatlichen Samstage. Außerdem bleibt mir mehr Zeit um andere, größere Sachen anzugehen, die mich schon lange interessieren. Zum Beispiel ein Festival in der Stadt zu installieren oder nächstes Jahr vielleicht wieder etwas draußen zu machen. Das ist ja heuer nach gutem Anfang etwas abgewürgt worden.

Stadtbekannt: Wie suchst du als Promoter denn die Acts aus die auf deinen Partys spielen? Nach deinem persönlichen Geschmack oder nach ihrer Popularität?

Rudi Wrany: [Lacht] Beides! Klar hat man immer Musikzeitschriften gelesen. Aber ich habe auch versucht immer Crews und Personen reinzuholen die mich unterstützt haben. Electric Indigo, Resolut oder ganz früher die Deep House Mafia. Aber auch der eigene Geschmack spielt eine Rolle. Viele Acts habe ich nach Schließung der Meierei mit ins Flex genommen. Zum Beispiel Miss Kittin, die damals noch wesentlich unbekannter war. Natürlich kommen auch immer wieder Vorschläge. Luciano beispielsweise wurde mir von Flo Horvath von FM4 vorgeschlagen. Derzeit ist es so, dass uns oft vorgeworfen wird immer Acts zu buchen mit denen man finanziell auf der sicheren Seite ist. Das mag in der letzten Saison zum Teil gestimmt haben, aber ich habe immer versucht ein möglichst breites Programm zusammenzustellen. Das reicht von Oliver Koletzki bis hin zu Extrawelt und Gregor Tresher. Unterm Strich haben sicher die deutschen Acts das Ruder übernommen, was auch mit Sicherheit an den höheren Kosten für beispielsweise Artists aus Übersee zusammenhängt. Aber es stimmt schon. Extreme Risiko Bookings habe ich in letzter Zeit eher nicht mehr gemacht. Von dem her ist es vielleicht auch gut wenn im Herbst die Karten neu gemischt werden.

Stadtbekannt: Du bist ja, wie wir gehört haben, sowohl DJ als auch Promoter. Als was siehst du dich eher?

Rudi Wrany: Das wechselt immer. In Wien profitiert mein DJ Dasein sicher von meiner langjährigen Tätigkeit als Promoter. Allerdings bin ich draufgekommen, dass ich auf meinen eigenen Partys gar nicht mehr so gerne spiele.

Stadtbekannt: Wegen des Stressfaktors?

Rudi Wrany: Zum einen der Stressfaktor, zum anderen hat man den Kopf einfach nicht frei. Ich spiele wirklich gerne wenn ich nicht großartig in dem Abend involviert bin. Klar liest man meinen Namen oft, aber ich schaue schon, dass es sich in Grenzen hält und auch Bookings aus dem Ausland dazukommen.

Stadtbekannt: Aber du hast doch schon häufig im Ausland gespielt, oder?

Rudi Wrany: In Berlin und überhaupt im deutschen Raum bin ich ganz gut vernetzt. Auch Brasilien, was ein komplett anderer Markt ist. Leider sehr kommerziell. Aber es gibt natürlich gute Anlaufstellen, aber wenn man nicht nachhaltig die Superhits produziert, dann gerät man schnell in Vergessenheit.

Stadtbekannt: Stichwort Producing. Du hast selbst einige Tracks veröffentlicht. Unter anderem auf dem Clubeigenen Label Flexschallplatten. Was war die Idee dahinter?

Rudi Wrany: Das war 2006. Damals war das Flex sicher federführend in Wien. Da war die Idee für ein Label recht naheliegend. Das Problem war, dass die Grundfinanzierung etwas in Frage gestellt worden ist und sich auch der Kreis der beteiligten Personen etwas gesplittet hat. Johannes Lehner ging zu Do Easy Records, Ken Hayakawa gründete mit Schönbrunner Perlen sein eigenes Label. Jetzt ist Flexschallplatten in der Schublade. Ich würde nicht sagen, dass es ganz gestorben ist, aber es ist auf jeden Fall schwer es zu damaliger Form wiederzubeleben. Es war durchaus erfolgreich, hätte aber noch erfolgreicher sein können. In der heutigen Zeit ist es einfach schwer ein Plattenlabel zu betreiben. Gerade mit dem Vinylmarkt, der eigentlich nur mehr für Liebhaber existent ist. Flexschallplatten war sicher seiner Zeit voraus, aber mittlerweile haben ja genug andere Wiener Labels nachgezogen.

Stadtbekannt: Wie vorher schon angesprochen spielst du ja regelmäßig im Ausland. Wie schlägt sich die Wiener Szene im internationalen Vergleich?

Rudi Wrany: Die Wiener Szene ist in den letzten Jahren extrem breit geworden. Das liegt daran, dass während der Sperrstundenprobleme im Flex andere Clubs wie die Grelle Forelle oder die Pratersauna nachgestoßen haben. Aber natürlich hat diese Verbreiterung der Szene auch negative Auswirkungen. Am Anfang des Crazy, so 2002 – 2007, konnte man einfach jede Art von Musik spielen. Jetzt wird einfach streng getrennt. Die einen wollen nur das hören, die anderen nur das. Es ist ein leichtes Kastendenken entstanden. Allerdings gibt es dadurch natürlich viel mehr Auswahl als beispielsweise zu meiner Anfangszeit. Aber ich denke einen mittelgroßen Club für 300 – 400 Leute könnte die Szene noch vertragen. Aber Wien ist auf jeden Fall eine Clubstadt. Großveranstaltungen sind hier relativ schwierig.

Stadtbekannt: Zu guter Letzt noch die Frage nach der Nervosität vor Gigs. Du bist ja wie wir gehört haben schon relativ lange dabei. Gibt es da noch Auftritte wo du aufgeregt bist?

Rudi Wrany: Kommt drauf an wo. In Wien nicht mehr. Selbst in einem vollen Flex, was ja immer ein magischer Moment ist, bin ich nicht mehr nervös. Aber klarerweise auf einem Festival oder in anderen Städten schon. In Berlin zum Beispiel wo ich bald im Kater Holzig und im Ritter Butzke spiele, da bin ich dann schon nervös. Das ist einfach diese Grundnervosität. Auch im D-Edge in Brasilien. Man weiß nicht ob die Leute deine Musik mögen. Baldrian brauch ich aber keinen. Meistens sind es die ersten zwei Nummern die einen dann reinbringen, und dann passt alles.

Stadtbekannt: Vielen Dank für das Gespräch, Rudi!

Rudi Wrany: Ich danke!

Foto (c) Crazy Sonic

Michael Grabner

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