Kultur

Roman Ondak with “Loop”, Czech and Slovak Republic Pavilion, Venice Biennale, 2009. Photo Fabrizio Giraldi

Roman Ondák zum „Künstler des Jahres 2012“ gekührt

18. Oktober 2011 • Kultur

Der slowakische Künstler Roman Ondák bekam im Rahmen der kürzlich veranstalteten Londoner Kunstmesse „Frieze Art Fair“ die Auszeichnung „Künstler des Jahres“ verliehen. Wir nutzen dies als Anlass den international profilierten Konzeptkünstler vorzustellen.

Eine Menschenschlange, die ohne ersichtlichen Grund vor dem Kölnischen Kunstverein steht (Good feelings in good times, 2003); eine Sammlung von Zeichnungen einer utopischen Megapolis, die nach den Vorstellungen von 100 Freunden, Verwandten und Künstlerkollegen Ondaks entstanden ist (Futurpolis, 2006) oder ein leerer White Cube, der erst durch die Partizipation des Publikums bespielt bzw. vollendet wird (Mesuring the Universe, 2009). Der Slowakische Künstler liebt es, BesucherInnen als BetrachterInnen oder AkteurInnen selbst zum Teil der Ausstellung werden zu lassen.

Seine Arbeiten bestechen durch ihre Leichtigkeit und Hintersinnigkeit, mit welcher er soziale Rituale durchleuchtet bzw. diese mithilfe des Publikums zu seinen Arbeiten macht. In einer Radiodurchsage forderte er beispielsweise einmal alle Besucher dazu auf, "aus aktuellem Anlass ihre gegenwärtige Tätigkeit fortzusetzen". Die Verschränkung von Bedeutung, Kontext und Imagination ist eines der zentralen Momente in Roman Ondáks künstlerischer Auseinandersetzung und wird in verschiedenen Arbeiten unterschiedlich aufgegriffen.

Als präziser Beobachter der Realität hält Ondák alltägliche Wahrnehmungen in Form von unterschiedlichen Medien, wie Zeichnung, Performance, Skulptur oder Installation fest. Aus diesen entwickelt er künstlerische Überlegungen, die durch minimale Kontextverschiebungen wiederum in die reale Welt zurückwirken. In einem ständigen und widersprüchlichen Transfer von Bedeutungen, unerwarteten Ereignissen oder oft fast komischen Interventionen, setzt er gewohnte Wahrnehmungen außer Kraft und macht diese als soziales Konstrukt deutlich.

In kaum wahrnehmbaren Prozessen verlegt Ondák alltägliche Situationen in den Ausstellungskontext, um dabei gesellschaftliche Normen, aber auch individuelle Wünsche, Ideen oder Fantasien einzufangen. Zugleich integriert Ondáks immer auch die Kategorie der Zeit, indem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verschränkt werden. In der Arbeit „Casting Antinomads“ (2000/2006) hatte er 2000 Bekannte dazu befragt, ob sie sich selbst als „Nomaden“ oder doch eher als „Antinomaden“ sehen. Diejenigen, die sich als „Antinomaden“ beschrieben, wurden von Ondáks fotografiert und das Motiv in Form einer Postkarte wieder in den Ausstellungskontext rückgeführt. Sechs Jahre später verwendet Ondák die „Antinomanden“ für eine Serie, die das Thema variiert. In einer strengen Anordnung aneinandergereiht, erscheinen die fotografisch Abgebildeten, als wären sie bei einem Casting. Auch die zuvor entstandenen Postkarten kamen noch einmal zum Einsatz: er bat verschiedenen Personen ihm die Karten, mit einem kurzen Text versehen, an seine Adresse zu schicken. Im Zusammenspiel von Postkarten und der Fotoserie ergibt sich eine Raum-Zeit-Schleife – nicht nur für die Abgebildeten, sondern auch für den Künstler selbst.

Ondáks Arbeiten hinterfragen auch immer wieder die Strukturen des Kunstbetriebs selbst. Seine Installation „Loop“ – eine Bezeichnung für die Endlosschleife in der Videokunst –, die im tschechischen Pavillon bei der Biennale in Venedig 2009 präsentiert wurde, hinterfragt auf heitere Art und Weise das Verhältnis zwischen Kunstbegriff und Kunstbetrieb. Der Titel ist sozusagen „Antiprogramm“, denn Ondák öffnete den Pavillon, indem er die Begrünung (Wege, Bäume und Sträucher) des Außenraums in das Innere überführt. Draußen ist drinnen und drinnen ist draußen und alles ist Kunst. (Barbara Pflanzner)

Measuring the Universe, MoMA, NY

Roman Ondák, geboren 1966 in Zilina, lebt und arbeitet in Bratislava / Slowakei. Neben zahlreichen internationalen Ausstellungen, wie z. B. im Jahr 2008 in San Francisco oder 2006 in der Tate Modern, London, vertrat er 2009 die Slowakei und Tschechien auf der 53. Biennale di Venezia. Mit der Auszeichnung zum „Künstler des Jahres“ geht 2012 eine umfassende Einzelausstellung im „Deutschen Guggenheim“ einher.

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