Kultur

Rahmen Bilder Spiegel

Rahmen – Bilder – Spiegel

6. März 2013 • Kultur

Eine über hundert Jahre alte jüdische Kunsthandlung interpretiert ihre Tradition. Wo früher hochwertige Bilderrahmen und kunstvolle Spiegel in feinster Handarbeit gefertigt wurden, entsteht heute ein Atelier für Lebenskunst. Kulinarische Genüsse, Workshops, bildende Kunst und soziale Arbeit finden sich alle in diesem Rahmen.

„Rahmen, Bilder, Spiegel“ nannte sich das weitläufige Ladengeschäft in Wien Alsergrund schon zur Jahrhundertwende. Heute hängt das Schild drinnen, über der vollausgestatteten Küche, die den barrierefrei zugänglichen hellen Raum im Erdgeschoß flankiert. Besitzerin Margret Freund hat den Namen ganz bewußt beibehalten. „Das Geschäftslokal hat eine ganz besondere Aura und widmete sich all die Zeit der Kunst und den schönen Dingen“ schwärmt sie. Unter den Schritten knarrt dunkler Dielenboden. Seit zwei Jahren ist der Name metaphorisches Programm.

Ganz ohne staatliche Förderung hat Margret Freund ein offenes Atelier geschaffen für Menschen, die sich künstlerisch betätigen wollen, die ihre Gedanken spiegeln und in den passenden Rahmen setzen möchten. Genauso, ganz in der Tradition des Hauses, wird gekocht, gelesen, gesungen und diskutiert. Synergetisch hat Freund die Nachbarschaft mit eingebunden und arbeitet mit dem Feinkosthändler ums Eck genauso zusammen wie mit der spanischen Bar. Ohne festes Konzept, ganz nach menschlichem Gefühl, füllt sie den Raum mit den schönen Seiten des Lebens.

Aber auch soziale Arbeit ist ihr wichtig. So hat sie kurzerhand das naheliegende AKH mit einbezogen, Ärzte hielten Workshops und Seminare ab, aber auch Trauerfeiern von Eltern, deren Kinder im AKH verstorben sind, finden hier in neutralem, aber lebensbejahendem Rahmen ihren Platz.

Im Mittelpunkt steht die Arbeit von und mit den Menschen im Grätzl, ihre Einbindung in das Gesamtkonzept und die Möglichkeit einer schönen Erfahrung nach individueller Nutzung. Das ist die beste Werbung und so wächst der Raum mit seinen Nutzern wie ganz von selbst.

Das reichhaltige Getränkeangebot stammt zur Gänze von regionalen Erzeugern. „Rahmen, Bilder, Spiegel“ ist längst aus fester Überzeugung Teil der Fair-Trade-Gemeinschaft am Alsergrund.

Architektonisch reizt der 200qm große Raum auf zwei Ebenen mit der feinsinnigen Melange aus gehobener Coolness und abgewetztem Altbau-Charme. Die große Schauküche wird genauso genutzt wie das originalgetreu restaurierte Kellergewölbe. Für Siebdruckarbeiten und Malerei steht ein badewannengroßes Waschbecken zur Verfügung, extra angefertigt von einer Firma, die eigentlich Bedarf für Kläranlagen herstellt. „Aber manchmal ist das Becken auch voll mit Eiswürfeln wenn wir hier Cocktailparties feiern“ lacht Margret Freund.

Die Unabhängigkeit des Raumes zeigt sich in seiner schier unbegrenzten Nutzbarkeit. Statt ihn nur an einen Mieter weiterzugeben, kann jeder kommen und gehen wann er will, von privaten Festen über Lesungen und Vernissagen über die Nutzung als Atelier oder Seminarraum bis hin zur alternativen Trauerkapelle steht die Zimmermanngasse 8 jedem offen, der lebensgestaltend seinen Beitrag zum Grätzl leisten will. Leben gestalten eben.

Rahmen – Bilder – Spiegel
Offenes Atelier für Lebenskunst

Zimmermanngasse 8
1090 Wien

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