Wien – Leben

Martin Humer

Pornojäger Martin Humer ist tot

2. August 2011 • Leben2 Kommentare zu Pornojäger Martin Humer ist tot

Er kämpfte jahrzehntelang gegen Pornographie und „Unmoral“ – bewegte sich dabei auch im rechtsextremen Spektrum.

Am 31. August verstarb im Alter von 85 Jahren der als Pornojäger bekannt gewordene oberösterreichische Fotograf Martin Humer. Er erlag in der Welser Klinik den Folgen seines vierten Herzinfarktes.

Zuvor kämpfte er über vierzig Jahre lang rastlos gegen alles was er für unmoralisch und ungesetzlich (sowohl natur- als auch positiv rechtlich) erachtete. Dabei kam eine durchaus recht lange Latte an Verdammenswertem zusammen: Pornographie, Prostitution, Homosexualität, Sexualunterricht in der Schule, Schwangerschaftsabbruch und vieles mehr. Bei seinen Aktionen gegen die Unmoral und „Hurerei“ schreckte Humer auch vor markigen Aktionen nicht zurück.

Kontroverse Aktionen

1988 ließ er vor dem Wiener Burgtheater eine Fuhre Kuhmist abladen, um damit seiner Kritik gegen die Aufführung von Thomas Bernhards Theaterstück Heldenplatz Nachdruck zu verleihen. Selbst Hand an legte Humer 1998 an Otto Muehls Bild „Apokalypse“, das er mit einem Kübel Farbe überschüttete. Ebenfalls farbenfroh gab er sich im Jahr 2005 als er eine kontroverse Statue des Künstlers Markus Lüpertz am Salzburger Ursulinenplatz mit rotem und grünem Lack besprühte und federte. Sein Kommentar dazu: „So mach ich aus dem scheußlichen Ding wenigstens einen Papageno!“ Dafür nahm er auch eine bedingte Haftstrafe von vier Monaten in Kauf.

So sehr er sich für eine Durchsetzung in seinem Sinne, gegen die Unmoral, einsetzte stand der Moralwächter doch selbst mit dem Strafgesetz zeitlebens auf Kriegsfuß. Davon zeugen vor allem seine 22 Vorstrafen und unzählige weitere Prozesse.

Homophobie und Moralismus

Humers Bekanntheit geht aber vor allem auf seinen Kampf gegen Pornographie in allen möglichen Formen zurück. Die Iniatialzündung dafür sei ein Pornoheft gewesen, das er 1970 an einem Kiosk entdeckt hatte, worauf er den Besitzer sofort anzeigte. Unermüdlich sammelte er im Laufe seines Lebens pornographische und von ihm dazu erklärte Darstellung in allen möglichen Varianten. Dabei häufte er mutmaßlich die größte Pornosammlung Österreichs an, die er mit großem Eifer sichtete und unermüdlich Anzeigen dagegen schrieb. Zu sehen sind viele der von ihm zusammengetragenen Informationen auf seiner Homepage www. pornojaeger.at. Dort ereiferte er sich beispielsweise über Gruppensexorgien feiernde Jugendliche und „kranke“ Homosexuelle die sich „behandeln lassen“ sollten. In einer Rubrik kann man sich über den Betreiber seines örtlichen Bordells informieren und welche Bank die Finanzierung dafür bereitgestellt hat. Auch eine Notrufnummer für gesichtete Amoral steht zur Verfügung.

Abtreibung setzte Martin Humer gerne mit Mord gleich, weshalb er auch maßgeblich an dem Internetauftritt www.babycaust.de mitwirkte. Gastautor war er ebenso bei dem Onlinemagazin kreuz.net, wo sich rechtsextreme, antisemitische und homophobe Inhalte finden. Es werden auch gerne Reden des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad und ohne Namensnennung schon Mal Beiträge von Heinrich Himmler oder Joseph Goebbels veröffentlicht.

Gaskammern geleugnet

In den letzten Jahren bewegte sich Pornojäger Humer vermehrt im Bereich des rechten Extremismus. Im Zuge seiner Unterstützung für den Neonazi und verurteilten Holocausleugner leugnete auch er selbst in einem Schreiben an den zuständigen Richter die Existenz von Gaskammern in Dachau und Mauthausen. ("Honsik bestreitet, dass es in Dachau und in Mauthausen Gaskammern gegeben hätte. Honsik hat recht.") Mit seiner über 3000 Ordner ausgedehnten zeitgeschichtlichen Sammlung behauptete er dies auch beweisen zu können.

Zeitlebens ein Dorn im Auge war dem selbsternannten Sittenwächter auch der Wiener Life Ball, der auf seiner Seite als „greuliches Fest des dekadenten Homo-Ungeistes“ bezeichnet wird, sowie der Künstler Herman Nitsch, mit dem er sich sogar in gewisser geistiger Verwandtschaft sah. („Wir beide waren Schüler der altehrwürdigen “Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt“ in Wien (…) Du hast Dich später auf das Saustechen spezialisiert. Ich bin Pornojäger geworden. Die Schweinereien verbinden uns bis zum heutigen Tag.“)

Sein Tagesablauf

Bis ins hohe Alter blieb Humer aktiv in seinem Kampf. Er sichtete Material, schrieb Anzeigen und organisierte Kundgebungen. Noch im vergangenen Jahr erklärte er dem Journalisten Thomas Rottenberg seinen Tagesablauf: Aufstehen – Pornoschauen – Gebet – Pornoschauen – Gebet – Frühstück – Pornoschauen – Gebet – Anzeigen an die Staatsanwaltschaft schreiben – Pornoschauen – Gebet – Mittagessen – kurze Rast – Gebet – Korrespondenz (mit Staatsanwälten und Verbündeten) – Pornoschauen – Gebet – Anzeigen schreiben – Pornoschauen – Gebet – Abendessen – Pornoschauen – Gebet – Schlafengehen.

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2 Antworten auf Pornojäger Martin Humer ist tot – Verstecken

  1. Mozarte sagt:

    Der Tagesablauf
    ist großartig. Falls H. mal selbst Had anlegte, musste er dann öfter beten? Wer bekommt jetzt eigentlich wirklich die Sammlung, ich wäre ja für ein Museum.

  2. free uwe sagt:

    porno-sammlung
    ein eigenes Museum w

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