Kultur

Henri de Toulouse-Lautrec (1864–1901) Salon des Cent: Exposition Internationale d’Affiches, 1896 Druckerei: Paris, Impr. Bourgerie & Co. Drucktechnik: Lithografie © MAK

Plakatieren (nicht) verboten

19. Dezember 2011 • Kultur

Von minimalistisch bis poppig, von graphisch bis gestisch. Das MAK zeigt in seiner aktuellen Ausstellung „2x 100 beste Plakate“ einen umfassenden Überblick über die historische Entwicklung der Plakatkunst und des aktuellen, zeitgenössischen Grafikdesigns.

„Plakatieren verboten“, heißt es oft genug an verschiedenen Orten / Wänden des Wiener Stadtraumes – glücklicherweise ist das im MAK nicht der Fall. In der Ausstellung „2 x 100 beste Plakate“ zeit das Museum für angewandte Kunst Exponate der Plakatkunst, um die es wirklich schade wäre, wenn sie nicht einem Publikum präsentiert würden.

Kunst von Künstlern

Der Fokus eines Teils der Ausstellung ist dabei auf die Entwicklung der Plakatkunst gerichtet, die etwa ab den 1880er Jahren mit Toulouse Lautrec ihren Anfang nahm. Die auf die historische Progression ausgerichtete Aufstellung der Exponate zeigt nicht nur die ästhetisch-formale Entwicklung, die immer auch mit der jeweiligen kunstgeschichtlichen Strömung korrespondiert, es lassen sich auch die kontemporären politisch-sozialen Gegebenheiten sowie das Lebensgefühl der jeweiligen Dekaden ablesen. Etwa bei Käthe Kollwitz, deren Werbeplakat für die Arbeiterpartei (1919) einen erschütternden Einblick in das vom Krieg ausgelaugte Deutschland gibt, oder einem Plakat der olympischen Winterspiele 1936, deren zentrale Figur – ein Wintersportler – das Heroische und Eckig-Kantige aufweist, das die NS-Kunst zum zentralen ästhetischen Motiv etablierte. Oder ein Filmplakat aus den 60er Jahren, das selbstreflexive Motive beinhaltet, wie sie für die gleichzeitig entstehenden Konzeptkunst typisch waren.

Modernes Grafikdesign

Der zweite Teil der Ausstellung beleuchtet exemplarisch den Stand des zeitgenössichen Grafikdesigns. Die 100 ausgestellten Exponate sind das Ergebnis eines Wettbewerbs, das Grafiker aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammenfasst. Fazit dieser Schau: Von minimalistischer Strenge bis zu überbordender Fülle an Farben und Formen bis hin zu 3-D ist alles möglich. Interessant ist, dass die heutigen „Plakathersteller“ nicht mehr als Künstler, wie in oben genanntem Ausstellungsteil explizit ausgeschildert, bezeichnet werden, sondern vielmehr als Grafiker. Interessant in diesem Zusammenhand ist auch die Präsentation der Ausstellungsstücke: diese sind nämlich nicht an die Wand gehängt, sondern baumeln an überdimensionalen Reifen frei im Raum.

Insgesamt ist „2x 100 beste Plakate“ eine tolle Ausstellung, bei der man aufgrund der Fülle der Details und der sorgfältig ausgewählten Plakate durchaus längere Zeit verweilen kann. Schade ist nur, dass den einzelnen Exponaten nicht mehr Information beigegeben wurde – etwas mehr Auskunft oder Kontext wäre zuweilen hilfreich gewesen.

(Barbara Pflanzner)

2 x 100 beste Plakate
MAK – Musem für angewandte Kunst
bis 15.1.2012
Eintritt € 7,90 / € 5,50

Abbildungen:
Ludwig Hohlwein (1874–1949)
IV. Olympische Winterspiele, 1936
Drucktechnik: Lithografie
© MAK

Henri de Toulouse-Lautrec (1864–1901)
Salon des Cent: Exposition Internationale d’Affiches, 1896
Druckerei: Paris, Impr. Bourgerie & Co.
Drucktechnik: Lithografie
© MAK

Frank Schießer
Das Plakat ist auf dem Stick
Projektauftrag an der Hochschule Wismar
Auftraggeber: Hochschule Wismar
Lipako Digitales Druck- und Kopierzentrum GmbH, Wismar
Format: A1
Drucktechnik: Digitaldruck
© MAK / Frank Schießer

MAK

Stubenring 5
1010 Wien
+43 1 711 36-0
http://www.mak.at

Weitere Artikel

Kommentieren

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

« »