Kultur

Chi?in?u – City difficult to pronounce, 2011, HD Video, 51min, Galerie ArtPoint

Pavel Braila: Chi?in?u – City Difficult to Pronounce

24. Oktober 2011 • Kultur

Film und Fotografie waren in Zeiten der Sowjetunion wichtige Instrumente zur Dokumentation. Mithilfe dieser neuen Medien wurde das öffentliche und alltägliche Leben genauestens festgehalten. Mit dem Ende der UdSSR ging auch diese Form der Geschichtsschreibung zu Ende, die in den kommenden 25 Jahren nicht wieder aufgenommen wurde.

Der Moldawisch-stämmige Künstler Pavel Braila nimmt in der Ausstellung „Chi?in?u – City Difficult to Pronounce“ diesen Umstand zum Anlass für seine künstlerischen Überlegungen. Braila befüllt gewissermaßen die Leerstelle an vorhandenem Material der moldawischen Geschichtsschreibung mit seinen Videoarbeiten und Fotografien. Zwar enthält er sich eines plakativ politischen Kommentars, doch sprechen die einzelnen Arbeiten im Kontext eine politisch gefärbte Sprache.

Etwa, wenn der Stillstand des Fortschritts in der Metapher eines 40 Jahre alten Moldawischen Alkohols, der unter Glasglocken gestellt ist, präsentiert wird (Preserved Time) oder wenn ein Wandbild von einem heruntergekommenen Wohnblock mit appliziertem Cosmos-Werbebanner (Cosmos, 2011) als Sinnbild des Kapitalismus und der Globalisierung zur resignativen Metapher auf die neue Starre in Europa wird.

Titelgebend für die Ausstellung ist die circa einstündige Videoarbeit, die Braila extra für die Präsentation in der Galerie ArtPoint gestaltet hat. Sie ist in Form eines Tryptichons an der Wand im Eingangsbereich der Galerie zu sehen. Die Arbeit zeigt das Leben in Chi?in?u, der Hauptstadt Moldaus, während eines ganzes Jahres. Mit dem Untertitel „City Difficult to Pronounce“ referenziert Braila dabei nicht nur die schwierige Aussprache des Wortes, er untersucht vielmehr das Leben in der postsowjetischen Ära, das gleichzeitig zu einer Dokumentation der aktuellen Lage in seiner Heimatstadt wird. In klaren, minimalistisch gehaltenen Bildern zeigt Braila eigentlich unauffällige, alltägliche Szenen, die von Schönheit und Kitsch, von Tradition, Verfall und Aufbruch erzählen.

In seiner Arbeit thematisiert der Dokumnta 11-Teilnehmer immer wieder die Utopien der Moderne und kommentiert damit zusammenhängend das Verhältnis zwischen Peripherie und Zentrum, zwischen politisch und ökonomisch unterschiedlich geprägten Regionen. So etwa in seiner sechsteiligen Videoinstallation „Baron’s Hill“ (2004-05), in der er die real gewordenen Träume moldawischer Villenbesitzer abbildet, deren prunkvoll-kitschige Häuser beinahe aussehen, als stünden sie in Disneyland. Oder in der Arbeit „Shoes for Europe“ (2002), in der die unendlich langsame Abfertigung von Zügen an der Grenze zwischen Moldau und Rumänien den Untschied zwischen dem Rest Europas deutlich macht. Mit den in der Galerie ArtPoint ausgestellten Arbeiten setzt Braila seine Auseinandersetzung mit seinem Heimatland fort, einem Hauch von Melancholie inklusive. (Barbara Pflanzner)

Pavel Braila: Chi?in?u – City Difficult to Pronounce
Galerie ArtPoint
bis 25.11.2011
Eintritt frei.

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