Kultur – Musik

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Parov Stelar: Der Prinz und seine Prinzessin

27. April 2012 • Musik

Mit dem Doppelalbum „The Princess“ meldet sich der „Prince of Electroswing“ , Marcus Füreder, eindrucksvoll zurück. Musikalisch ausgereift wie nie zuvor, geht Parov Stelar neue Wege, ohne auf das bewährte Swing-Konzept zu verzichten. 

Vor knapp zehn Jahren gründete der Linzer Producer und DJ Marcus Füreder sein eigenes Label „Etage Noir“, um seither unter dem Pseudonym „Parov Stelar“ die Tanzwütigsten unter den Electro-Fans mit seinem unvergleichlich sympathischen Sound zu versorgen. An die 20 Vinyls und sein mittlerweile achtes Album sind seither unter dem hausgemachten Label erschienen.

Über Osteuropa zum Erfolg

Das Konzept, die Swing-Jazz-Ära der 20er und 30er Jahre, mit eindringlichen Electro-Beats unterlegt, ins 21. Jahrhundert zu katapultieren, scheint Füreder bisher voll aufgegangen zu sein. Vor allem in Osteuropa konnte sich der 38-jährige Linzer eine beeindruckende Fangemeinde aufbauen. Stark auch die online-Bilanz des Künstlers: Über 300.000 facebook-Fans, in sämtlichen iTunes Charts auf den fordersten Rängen und selbst wenn man auf youtube nach „Swing“ sucht, spuckt die Videoplattform nicht etwa Stars wie Billie Holiday oder Duke Ellington aus – nein – gnadenlos verdrängt Parov Stelars „Libella Swing“, mit über 1,7 Millionen klicks, die Swing-Legenden auf die hinteren Plätze.

In Österreich eine Randnotiz – ansonsten weltbekannt

Dennoch: Hierzulande schien ihm der ganz große Wurf noch nicht gelungen zu sein. Außerhalb der elektronischen Szene blieb Parov Stelar – einige Support-Versuche durch FM4 ausgenommen – eine Randnotiz. Parov Stelar kann‘s egal sein: Die Musik der Band um Marcus Füreder trat ihren Siegeszug in Osteuropa an, schwappte danach über den Teich und wieder zurück und geht mittlerweile um die Welt.

Bisher unerreichtes Klangbild

Seit 2005 tritt Parov Stelar mit Liveband auf. Dementsprechend ausgereift zeigt sich das neue Album. CD1 lässt die bewährte 30er Jahre-Ästhetik getrost hinter sich und wendet sich neuen musikalischen Gefilden zu. Markante Piano- und Streicherklänge ergeben ein bisher unerreichtes Klangbild. Der grandiose, im Tourbus und Backstageraum aufgenommene Opener, „Milla‘s Dream“, oder die Stücke „The Beach“ und „The Fog“ zeigen, zu welch ungeahnter Sanftheit und Melancholie Füreders Arrangements fähig sind. Neuerdings greift dieser auch auf Klänge der 50er und 60er Jahre zurück, setzt elektronische Beats, zugunsten harmonischer Piano- und Snarebegleitung, weitaus sparsamer ein und überlässt sehnsüchtigen Pop-Vocals das Feld.

Ein vollständiges Werk

CD2 hingegen bietet eine Kollektion an Songs, die bisher unveröffentlicht oder auf Vinyl erschienen sind. Die flotteren, tanzbaren Tracks ertönen im altbekannten Electroswing-Stil ohne besonders zu überraschen. Das Herausragende am neuen Parov Stelar Album ist ganz klar CD1. Allerdings lässt erst die Kombination mit Altbekanntem ein vollständiges Werk entstehen, das die gesamte musikalische Bandbreite abdeckt, die Parov Stelar zur Zeit zu bieten hat.

Vielleicht spült der jüngste Erfolg in Übersee (Platz 2 mit „Booty Swing“ in den US-iTunes Charts) Parov Stelar nun auch endgültig in die Köpfe des heimischen Musik-Miniversums. Zwischen hyperaktivem Dim Mak-Electro und überstrapaziertem Dubstep, könnten heimische Plattendreher ruhig etwas öfter zu Parov Stelars Scheiben greifen.

Parov Stelar live sind am 2.6. in der Linzer Tabakfabrik und am 18.8. am FM4 Frequency Festival zu sehen.

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