Wien – Leben

Bremer Stadtsodomiten

Ottitschs „Bremer Stadtsodomiten“ gestohlen

1. April 2013 • Leben

Oliver Ottitschs „Bremer Stadtsodomiten“, eine rund 26 Zentimeter hohe Skulptur aus dem Jahr 2012, ist in der Nacht zum Sonntag aus der Galerie der Komischen Künste (GKK) in Wien gestohlen worden. Die Sicherheitsvorkehrungen der Galerie haben offensichtlich versagt: Es wurde zwar Alarm ausgelöst, der Diebstahl aber erst mit rund vier Stunden Verspätung gemeldet. Die Polizei geht von einem Auftragsverbrechen aus, die internationale Fahndung wurde eingeleitet.

Etwa gegen 4 Uhr sollen nach den Ermittlungen der Polizei der Dieb oder die Diebe – die Zahl der Beteiligten ist noch nicht geklärt – über ein Baugerüst in den ersten Stock geklettert sein. Durch ein eingeschlagenes Fenster gelangte ein Krimineller ins Innere der Galerie, zertrümmerte die Glashaube und verschwand mit der Skulptur. Dieses Gerüst bezeichnete GKK-Galerist Clemens Ettenauer als „Schwachstelle“ der Sicherheitsvorkehrungen, allerdings sei der Zugang zum Gerüst durch abgeschlossene Türen gesichert gewesen.

Erst gegen 8.20 Uhr wurde der Einbruch entdeckt und von einem Portier bei der Polizei gemeldet. Ob das Alarmsystem – vorwiegend Bewegungsmelder – nicht richtig funktioniert hat, oder ob es nicht richtig beachtet wurde, ist Gegenstand der polizeilichen Erhebungen. Ettenauer ortete nach vorläufigem Erkenntnisstand kein Versagen der Sicherheitsvorkehrungen. Es sei Alarm ausgelöst worden, warum darauf niemand sofort reagiert habe, werde derzeit untersucht.

Der Diebstahl der „Bremer Stadtsodomiten“ ist ein „Kunstraub gigantischen Ausmaßes“, erklärte Ettenauer. „So etwas hat es in der Geschichte der Galerie der Komischen Künste noch nie gegeben.“ Als Wert der Skulptur nannte Ettenauer 1.000 Euro, diese sei aber am Kunstmarkt „völlig unverkäuflich“. Laut Ettenauer ist die Skulptur versichert. Er betonte, dass die „Bremer Stadtsodomiten“ das einzige Objekt sei, das gestohlen wurde.

Der kunsthistorische Wert des Kunstwerks sei unglaublich hoch und übersteige bei weitem den Materialwert, denn die „Bremer Stadtsodomiten“ seien zum Großteil aus Wachsmasse gefertigt und nur vergoldet, sagte Ettenauer. „Hoffentlich kommt niemand auf die Idee, es einzuschmelzen.“ Die „Bremer Stadtsodomiten“ sind die einzige Goldschmiedearbeit des steirischen Cartoonisten Oliver Ottitsch.

Da solche Unikate am Kunstmarkt unverkäuflich sind, vermutet Ettenauer, dass es sich bei dem Täter „entweder um einen Wahnsinnigen handelt, der das Objekt in der Ausstellung gesehen und sich gewünscht hat, oder dass jemand versucht, damit Geld zu erpressen“.

Die Fahndung nach den Tätern und dem Kunstgegenstand wurde sofort eingeleitet. Vom Bundeskriminalamt (BK) wurden auch Europol und Interpol eingeschaltet. Die Polizei ging zunächst davon aus, dass die Statue im Auftrag eines Sammlers entwendet wurde. Die Galerie der Komischen Künste hat eine Belohnung von 100 Euro für die Ergreifung des Täters bzw. für sachdienliche Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, ausgesetzt.

Der Leiter der Abteilung Kulturgutfahndung im BK, Walter Sach, ist zuversichtlich, dass die „Bremer Stadtsodomiten“ wieder auftauchen. Denn es handle sich um ein „extrem bedeutendes Werk“, das sich sicher nicht verkaufen lasse, höchstens im illegalen Handel und da zu einem viel niedrigeren Preis als der Schätzwert.

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