Orden (C) Cpich7uj

Ordenfetischismus in Österreich

25. Jänner 2012 • Skurriles1 Kommentar

Eines muß man uns Österreichern wirklich lassen: Orden lieben wir genau so sehr wie sonst vielleicht nur Wurstsemmeln und Bier, oder Titel. Trotzdem ist es wirklich erstaunlich wem man bei uns nicht alles eine Scherpe, eine Medaille, eine Plakette oder eine Münze umhängt für besondere Verdienste, welcher Art auch immer.

Orden an Strache? Ernsthaft?

Anscheinend hängt man allem was bei drei nicht auf den Bäumen ist einen Orden um, zum Beispiel in Kürze Regierungsmitgliedern wie Spindelegger, Heinisch-Hosek oder Facebookkanzler Faymann. Harald Vilimsky, politischer Sympathieträger der linksliberalen Freiheitlichen Partei, hat das als Provokation der Sonderklasse bezeichnet. Weniger eine Provokation als die Definition der Unappetitlichkeit ist hingegen, wer mit dem Goldenen Verdienstzeichen der Republik mit Stern so alles ausgezeichnet werden soll. Welche Verdienste beispielsweise Heinz-Christian Strache genau für Österreich vollbracht hat, will einem nicht so ganz einleuchtend erscheinen. Geht´s noch?

Schauen wir uns die Ordenskultur mal an.

Ganze fünfzehn Unterschiedliche Kategorien für Orden gibt es auf der Bundesebene, und diese Kategorien sind dann konsequenterweise auch oft gleich mehrstufig. Zum Beispiel das Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (das Strache ja gleich in Gold mit Stern bekommen soll), das Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst, das Wehrdienstzeichen (mehrstufig natürlich), ebenso die Wehrdienstmedaille, das Militärverdienstzeichen, das Grubenwehrehrenzeichen, das Exekutivdienstzeichen, die Einsatzmedaille des österreichischen Bundesheeres, die Verwundetenmedaille für Angehörige des Bundesheeres, die Verwundetenmedaille für Angehörige des Exekutivdienstes… Klingt repetetiv, ist aber so.

Gehen wir in die Bundesländer: Kärnten und Burgenland überreichen fünf verschiedene Orden, Niederösterreich hat sechs verschiedene Kategorien, Oberösterreich macht auf dicke Hose und hat gleich zehn (bitte zu beachten: auch diese sind natürlich jeweils mehrstufig). Bescheiden gibt sich Wien mit nur vier Kategorien.

Natürlich gibt es auch eine strenge Rangordnung, von der wir nur die Top 5 präsentieren wollen:

1. Groß-Stern des Ehrenzeichens für Verdienste um die Republik Österreich
2. Großes Goldenes Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich
3. Großes Silbernes Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich
4.Großes Goldenes Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich
5. Großes Silbernes Ehrenzeichen mit dem Stern für Verdienste um die Republik Österreich

So viele Orden!

„So viele Orden“, mögen sich jetzt unsere geschätzten LeserInnen eventuell denken, doch stadtbekannt sagt: Wir brauchen noch mehr! Und wenn man schon den PolitikerInnen unbedingt Orden verleiht, dann könnte man noch gleich ein paar passende Auszeichnungen erfinden.

Goldenes Ehrenzeichen für Gewissensresistenz in Punkto Menschenrechten und Mitmenschlichkeit – der ersten Preisträgerin zu Ehren gibt es neben Gold, Silber und Bronze auch noch Schotter, die höchste Auszeichnung.

Die Gerhard Dörfler-Verdienstmedaille für Philosophie - jedes Jahr VON Gerhard Dörfler AN Gerhard Dörfler zu verleihen.

Das goldene Büroleiter-Verdienstzeichen für Konturlosigkeit, Nepotismus und Postenschacherei

Das freiheitliche Mutterkreuz für die teutonischten Kindernamen - an wen das geht, ist nicht schwer zu erraten.

Der Eva Glawischnig Orden in Gold für das Beharren auf Führungspositionen und ergo der konstanten Weiterarbeit an der Grünen Unbedeutsamkeit 

Der goldene Mölzer-Orden für die Erhaltung deutscherrrrrrr Werrrrrrte (kommt in schicker Thorhammer-Optik).

Der HC Strache-Orden für Völkerverständigung und Kampf gegen die Xenophobie.

Der Laura Rudas-Orden für jugendliche ParteisoldatInnen

Das goldene Stenzel-Verdienstzeichen für Anstrengungen für einen elitären, neoliberalen ersten Bezirk (mit Extra-Plakette für Anstrengungen für Sperrstundenregelungen).

Die Reihe lässt sich fortsetzen, Vorschläge sind immer willkommen!

(MBrandst)

(Foto c Cpich7uj)


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Eine Antwort auf Ordenfetischismus in Österreich – Verstecken

  1. relii sagt:

    inflation
    der vorteil daran ist, dass so ein orden eh nichts wert ist wenn ihn quasi jeder dolm bekommt. sollens dem strache ruhig so einen geben, dann kann er am opernball oder in der passage wenigstens mit irgendwas angeben. ;-)

    ps: lt. wikipedia hat diesen orden der westenthaler schon seit 2005. den kriegt man also wirklich für nix.

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