Kultur – Musik

Grossstadtmaerchen2

Oliver Koletzki: Großstadtmärchen #2

19. April 2012 • Musik

Als der in Braunschweig geborene Oliver Koletzki 2001 nach Berlin zog, um Musikwissenschaften zu studieren, ahnte der aus dem Hip Hop kommende DJ und Producer noch nicht, was ihn in der Hauptstadt erwarten würde. Die rege Berliner Technoszene war es, die ihr gefräßiges Maul aufriss um den 27-Jährigen mit Haut und Haar zu verschlingen.

Mit dem „Mückenschwarm“ zum Erfolg

Zwischen Watergate und Panoramabar erfuhr Koletzki seine Feuertaufe und als 2005 sein Titel „Mückenschwarm“ vom Techno-Label Cocoon-Records herausgebracht wurde, ging alles Schlag auf Schlag. Das Groove Magazine wählte ihn zum Newcomer des Jahres und selbst Techno-Legende Sven Väth spielte den „Mückenschwarm“ auf und ab. 2007 folgte das Album „Get Wasted“, zwei Jahre danach das erste „Großstadtmärchen“.

Szene-Unkundigen wurde Koletzki hierzulande spätestens seit der Hitsingle „Hypnotized“ (über 5 Millionen Youtube-Klicks) bekannt, die er zusammen mit seiner damaligen Freundin und heutigen Ehefrau Fran aufnahm. Ja, richtig gehört – einer Szene zugehörig, die Hochzeiten sonst eher meidet, wie der Teufel das Weihwasser – ist Koletzki dennoch seit 2011 glücklich verheiratet. Das Album „Lovestoned“ mit Ehefrau Fran aus dem Jahre 2010, kann also getrost als Verlobungs-Platte bezeichnet werden.

Das Märchen geht weiter

Großstadtmärchen 2“ versucht nun die Geschichte, die vor gut 10 jahren ihren Ausgang nahm, fortzuschreiben. CD eins erweist sich als poppiges Experimentierfeld. Von einer Hommage an Koletzkis Hip Hop Wurzeln bis hin zu schwülstigen Soul-Nummern, bestreitet Koletzki hier Wege, die wohl nicht jedermanns, dafür vielleicht jederfraus Geschmack treffen. Highlight der Platte: Der Song „The Power of Rausch“, indem der Schriftsteller Nagel einen Abschnitt aus seinem Buch „Was kostet die Welt“ vorliest. Auf sympathisch humorvolle Art, behandelt das Stück die Gradwanderung zwischen Vernunft und Wahnsinn, die Sehnsucht nach dem Rausch und die skurrile Szenerie einer Disko-Toilette.

Die zweite CD des Albums enthält etwas Beat-lastigere Housenummern, zwei Akustik-Versionen vorangegangener Songs und drei Titel mit Ehefrau Fran. In der Akustik-Version von „Still“ beweist diese ein weiteres Mal ihre hervorragende Gesangsstimme. Koletzkis Klavierbegleitung verleiht der gelungenen Ballade die nötige Untermalung. Ansonsten ist „Großstadtmärchen 2“ wohl eher etwas für Fans der, 2009 im Zuge der ersten Großstadtmärchen-Platte gegründeten, Elektro-Pop-Band „The Koletzkis“, als für Freunde des gepflegten Techno.



Mit 38 darf man schon ein bisschen Spießer sein

Die Ausflüge in den geschmähten Pop-Bereich und die Thematisierung der Liebesbeziehung zu Fran, nahmen Koletzki allerdings doch einige etwas übel. Den Spießer-Vorwurf musste man sich gefallen lassen. Gewiss, der Koletzki ist bürgerlich geworden. Allerdings kann man dem mittlerweile 38-Jährigen, mit allen Techno- und Partywässern gewaschenen Musiker, ein bisschen Bürgerlichkeit dann auch nicht allzu krumm nehmen.

Wer Oliver Koletzki kürzlich im Flex verpasst hat, kann ihn von 5. bis 7. Juli am Urban Art Forms Festival in Graz bewundern.

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