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Mexico City 4 (Zócalo, MUCA/UNAM Campus) 2007 © Spencer Tunick

Nackte Tatsachen für die Kunst

1. Oktober 2011 • Kultur1 Kommentar zu Nackte Tatsachen für die Kunst

Wenn er ruft, kommen sie in Scharen, um sich ihren Kleidern zu entledigen. Spencer Tunick heißt der Mann, der mit seinen Installationen aus nackten Menschen international bekannt wurde. 65 solcher „sozialer Skulpturen“, wie er sie bezeichnet, hat er weltweit bereits realisiert, eine davon 2008 im Wiener Ernst Happel Stadion.

In Spencer Tunicks Aktionen geht es um die Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper gleichermaßen, wie um die urbanen Surroundings. „Körperlandschaften“ oder „soziale Plastik“ nennt Tunick denn auch seine Installationen, die meist in studenlanger Präzisionsarbeit arrangiert und anschließend fotografiert werden. Neben dem ästhetischen Aspekt geht es dem Künstler auch darum, gesellschaftlich relevante Botschaften zu vermitteln. Bereits 2007 hatten beispielsweise 600 nackte Menschen am Fuße des Schweizer Aletschgletschers posiert, um auf die schrumpfenden Schneefelder aufmerksam zu machen (Fotos vom Projekt hier).

Anerkennung des Toten Meeres als Welt-Naturwunder

Auch beim aktuellen Projekt „Dead See“ geht es dem Künstler um einen Appell an die Welt. Rund 1.200 Menschen kamen ans Westufer des Toten Meeres, um sich von dem 44-jährigen unbekleidet fotografieren zu lassen. Mit der Aktion wollte Tunick das Augenmerk auf die Austrocknung des tiefsten und zugleich salzhaltigsten Punktes der Erde legen. Der See liegt 417 Meter unter dem Meeresspiegel und wird vom Fluss Jordan mit Wasser gespeist. Da das Wasser aus ebendiesem zur Bewässerung der umliegenden Ackerflächen verwendet wird, sinkt das Niveau des Toten Meers kontinuierlich. Sollte nicht bald etwas unternommen werden, könnte es bis 2050 vollständig verschwunden sein. Per Online-Votum kann deshalb für die Anerkennung des Toten Meeres als Welt-Naturwunder und abgestimmt werden.

Heftige Proteste

Das Fotoprojekt, zu dem die – zumeist männlichen – Freiwilligen nackt auf einem privaten Strand zusammen kamen, hatte im Vorfeld in Israel heftige Kritik ausgelöst. Orthodoxe Rabbiner und konservative Politiker warnten vor "Sodom und Gomorrha" und drohten mit juristischen Schritten, wenn die Aktion stattfinden sollte. Die Toleranz eines Landes lasse sich immer daran erkennen, ob seine Projekte akzeptiert werden, sagte der Künstler dazu in einer Pressekonferenz.

Formvollendete Inszenierung

Schön ist die Inszenierung allemal. Am Ufer stehend, im Wasser liegend oder auf diesem schwimmend (weil so exprem salzhaltig, dass man nicht untergehen kann), gänzlich nackt oder mit Schlamm bedeckt – und all dies in der wunderschönen Stimmung des Lichts am Toten Meer, das von den nackten Teilnehmern nur die Schattenrisse erkennen lässt. Spencer Tunick weiß eben, wie man effektvoll inszeniert, ohne dabei reißerisch und plakativ zu sein. (Barbara Pflanzner)

Überblick über Spencer Tunics Körper-Installationen auf youtube:

Links
Homepage Spencer Tunick
Video-Dokumentation von "Dead Sea"
Foto-Dokumentation von Aktionen des Künstlers
Online-Voting für die Anerkennung des Toten Meers als Naturwunder

Abbildung:
Spencer Tunick
Mexico City 4 (Zócalo, MUCA/UNAM Campus) 2007
(c) Spencer Tunick

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Eine Antwort auf Nackte Tatsachen für die Kunst – Verstecken

  1. Simon sagt:

    Ich war damas im Happel
    Mit dabei. Ein echtes Erlebnis. Kann das nur jedem empfehlen wenn er auch in eurer Stadt zu Gast ist.

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