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Must-Haves: Wien Buch

23. Dezember 2011 • Kultur1 Kommentar zu Must-Haves: Wien Buch

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  • (c) Die Anarchie der Vorstadt
  • (c) Stadt und Frauen

In diesen Büchern findet man alles über Wien, was man schon immer wissen wollte. Von den Schattenorten der Stadt, der Anarchie der Vorstadt, der Wiener Salonkultur um die Jahrhndertwende, einem Bildband über Geschäftsfassaden aus vergangenen Tagen und der Wiener Stadtgeschichte haben wir ein buntes Potpourri an Wienwissen und unnützem Wienwissen für euch zusammen gestellt.

Wiener Melange – Frauen zwischen Salon und Kaffeehaus
von Heike Herrberg und Heidi Wagner, erschienen in der Edition Ebersbach

Bei diesem Titel würde man an den Klassiker der Wiener Kaffeehauskultur denken. Dahinter verbirgt sich aber ein Buch über die Wiener Salonkultur um 1900 und die Geschichte jener Frauen, die das Kunst- und Kulturleben der Stadt geprägt haben. Es wird darin sowohl die Geschichte von Frauen wie Berta Zuckerkandl erzählt, in deren Salons über dem Kaffee Landmann sich Alma Schindler und Gustav Mahler kennen lernten und wo sie junge Talente wie Gustav Klimt oder Oskar Kokoschka förderte. Aber auch jene wie die Geschichte der Reformpädagogin Eugenie Schwarzwald, die im Wien um 1911 nicht nur als erste Frau eine Schule leitete, sondern auch völlig neue pädagogische Wege in der Schulbildung ging, wie gemischte Schulklassen, angstfreies Lernen, die Möglichkeit für Mädchen zu maturieren oder der Turnunterricht am Dach der Schule für Mädchen ohne Korsett. Das Buch ist für all jene eine Empfehlung, die in das Wien um die Jahrhundertwende eintauchen wollen. In die Zeit der großen sozialen Umbrüche und Reformen und mehr über jene Frauen erfahren möchten, die auf Grund ihrer Religion im Naziregime migrieren mussten oder ums Leben kamen und für viele aus dem kollektiven Gedächtnis der Stadt verschwunden sind.

Die Anarchie der Vorstadt – Das andere Wien um 1900
von Wolfgang Maderthaner und Lutz Musner, erschienen im Campus Verlag

In diesem Buch wird ein bislang im Verborgenen liegendes Stück Stadtgeschichte aufgearbeitet, es wird eine historische Reise durch die Revolten in der Vorstadt unternommen.

Der 17.September 1911 geht in die Annalen der Stadtgeschichte als Tag der Hungerrevolte in den Wiener Vorstädten ein, wo 100 000 Menschen ihre Stimmen erhoben, die in der Öffentlichkeit sonst keine hatten. Mit Ausnahme solcher Zeitschriften wie „Gleichheit“, in dem Viktor Adler schon 1888 über die Lage der Ziegelarbeiter am Wienerberg schreibt und die unhaltbaren Arbeits- und Lebensbedingungen, gab es kein Medium für diese WienerInnen. Der Alltag der ArbeiterInnen war von dem Kampf mit der Inflation und den damit verknüpften steigenden Lebensmittelpreisen bestimmt, sowie von desolaten Wohnbedingungen und überhöhten Mietpreisen, als Resultat von Spekulationen mit Baugrund. Wolfgang Maderthaner und Lutz Musner werfen einen Blick auf jene Zeit, die von sozialen Umbrüchen und der Revolution der Vorstadt in den Vorwehen jener Zeit, die von Sozialreformen geprägt war, wie der Mietpreisregulation und der damit verknüpfen Geburtsstunde des roten Wiens 1917. Für alle diejenigen ein Must-Have, die Wien um die Jahrhundertwende einmal aus dem Blickwinkel der Alltags- und Lebenswelt der ArbeiterInnen kennen lernen möchten.

Stadt und Frauen – Eine andere Topographie von Wien
von Eleke Krasny, erschienen im Metroverlag

In ihrem alternativen Reiseführer durch Wien geht die LeserIn mit der Kulturhistorikerin auf Entdeckungsreise durch Wien und erzählt über jene Frauen, die die Stadt in den letzten Jahrhunderten mit ihrem Schaffen geprägt haben. Das besondere an Stadt und Frauen ist auch, dass Krasny es schafft, einen roten Faden mittels zwanzig Alltagswegen durch die Stadt zu legen. Dabei unternimmt sie Stadtbegehungen mit einer Filmemacherin, einer Fotografin, WissenschaftlerInnen und DesginerInnen, durch ihr Wien. In einem zweiten Schritt erforscht die Kulturhistorikerin mittels akribischer Recherche, welche Frauen in diesen Stadtquartieren früher lebten und mit ihrem Wirken die Stadt nachhaltig prägten.

Eine Weitere Leseempfehlung zum Thema Stadt und Frauen ist der Stadtführer Wiener Frauenspaziergänge, hier findet ihr unsere Buchrezension.

Eine kurze Geschichte der Stadt Wien
von Reinhard Pohanka, erschienen im Böhlau Verlag

Bei einer Wienbuchsammlung darf natürlich auch nicht ein Buch über die Stadtgeschichte fehlen. Reinhard Pohanka macht in seinem Buch einen Ritt durch die lange bewegte Geschichte Wiens. Der Archäologe beginnt seine Zeitreise in der Ur- und Frühgeschichte wo man mehr über die Entstehung des Wiener Beckens erfährt, beschreibt Wien in der Zeit der Kelten und wie das Gebiet vom tiefen Graben bis zum Michaela Tor zum römischen Legionslager Vindobona wurde. Man erfährt mehr über Wien in der Zeit der Völkerwanderung als es ein bedeutungsloses Dorf war, über den Bedeutungswandel im Mittelalter, der Neuzeit und schließlich über die Nachkriegszeit im 20. Jahrhundert. Der Autor arbeitet Wiens Stadtgeschichte in kurzen Kapiteln auf, die vollgepackt mit historischen Fakten und spannenden Details sind, so vermittelt, dass das Lesen der Kapitel ein kurzweiliges Vergnügen bleibt. Sehr spannend ist auch die kurze Geschichte der Wiener Bezirke, die in dem Buch enthalten sind. Das Buch ist für alle eine Empfehlung, die mehr über Wiens Stadtgeschichte erfahren möchten, als man auf Wikipedia findet und die nicht nur mit historischen Fakten erschlagen werden möchten, sonder Wert auf ein kurzweiliges informatives Lesevergnügen legen.

Zu den Schattenorten von Wien
von Wolfgang Freitag, erschienen im Metroverlag

Wolfgang Freitag begibt sich bei der Recherche für das etwas andere Wien Buch an jene Orte der Stadt, die man in keinem Reiseführer finden wird. Er macht sich auf die Entdeckungsreise ins städtische Krematorium, das Polizeianhaltezentrum Hernals, den Narrenturm, ein Obdachlosenheim, und in eine kleinen Stadt in der Stadt Macondo. Macondo ist seit nun mehr als 40 Jahren ein Zufluchtsort, eine zweite Heimat für viele AsylwerberInnen und Migrantinnen geworden, die aus den verschiedensten Gründen aus ihrer Heimat flüchten mussten. Obwohl dort mittlerweile mehre Tausend Menschen leben, weiss man als DurchschnittswienerIn kaum etwas über jenen Teil des 11.Bezirks. In unserer Buchrezension erfahrt ihr noch mehr über  die Schattenorten von Wien.

Das Buch ist für alle WienerInnen ein Lesetipp, die mehr über ihre Stadt erfahren möchten, abseits der üblichen Trampelpfade und die Wien jenseits des touristischen Blicks erkunden wollen.

Wer baut Wien?

von Reinhard Seiss, erschienen im Verlag Anton Pustet

Mittlerweile ein literarischer Klassiker, wenn es um die Planungskultur Wiens seit dem Fall der eisernen Mauer geht. Ein Sachbuch, in dem man mehr über jene Planungsmiseren seit 1989 der Stadtplanung erfährt, die sich nachhaltig in des Stadtbild eingeschrieben haben. Über private Bauträger, die sich über Gebäudehöchstgrenzen hinwegsetzen, wie im Falle des Wienerbergs und sich planungsrechtlichen Grundlagen hinwegsetzen. Oder dem misslungenen Versuch, so etwas wie ein urbanens Stadtquartier über der Donau mit der Donaucity zu schaffen und über die Spurensuche des Autors danach wie stattdessen eine gesichtslosen Betonwüste ohne Erdgeschosszonennutzung entstehen konnte. Ein Buch, dass nicht nur das Interesse des einschlägigen Fachpublikums, wie jenes von RaumplanerInnen, ArchitektInnen oder SoziologInnen erweckt hat, sondern auch bei jenen WienerInnen die sich kritisch mit Stadtplanung befassen.

Gute Geschäfte
von Attila Corbaci und Thomas Voburka, erschienen im Metroverlag

Der Bildband rückt jene Fassaden von Geschäftslokalen ins rechte Licht, die normalerweise im Verborgenen liegen, nämlich Geschäftslokale, die man als „schöne Leich“ bezeichnen kann, weil sie entweder schon seid Jahr und Tag die Rollläden geschlossen haben, oder nur noch so lange ihr Dasein fristen werden, wie ihre Besitzer sie noch hegen und pflegen können. Gute Geschäfte ist also eine Hommage an Wien anno dazumal, als man beim Greisler ums Eck, der Eisenwarenhandlung, dem Nähzubehörgeschäft oder dem Fleischer noch mit „Sie wünschen gnädige Frau" begrüßt wurde. Die Bilder ziehen den Betrachter in ihren Bann, weil sie Stadtstrukturen so ins Bild rücken, wie man sie im flüchtigen vorbeigehen kaum wahrnehmen würde.

Unsere Buchrezension Gute Geschäfte findet ihr hier.

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Eine Antwort auf Must-Haves: Wien Buch – Verstecken

  1. schwedenplatz sagt:

    Zeitgenössisches Wien
    Ich finde dass dieses Buch hier fehlt: http://www.wien.gv.at/rk/msg/2010/09/14018.html
    NEW VIENNA NOW ist ein Buch über das zeitgenössische Wien – Architektur, Musik, darstellende Kunst… Man kann alle aktuellen Strömungen nachvollzeihen. Ich hatte es schon ein paar Mal in der Hand – heute kann man es im Adventskalender der Wien Holding gewinnen: http://www.wienholding.at/Adventkalender

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