Kultur – Film / TV

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Mit dem Teufel im Bunde

3. November 2012 • Film / TV

Der Spielfilm „Jenseits der Hügel“ verarbeitet einen haarstreubenden Vorfall aus dem Jahr 2005, als in einem rumänischen Kloster ein 24-jähriges Mädchen an den Folgen eines Exorzismus? sterben musste.

Viennale: Alina ist ein starkes Mädchen. Um sich und ihre Freundin Voichita vor männlichen Übergriffen in einem rumänischen Frauenheim zu schützen, lernt sie sogar Karate. Als sich zwischen den beiden eine engere Beziehung abzeichnet, trennen sich ihre Wege. Alina geht nach Deutschland, Voichita in ein orthodoxes Kloster. Desillusioniert und psychisch gebrochen kehrt Alina schließlich zurück und Sucht Schutz im Kloster ihrer Freundin. Diese jedoch will von der sündigen Liebelei nichts mehr wissen und fügt sich den ultrakonservativen Auflagen des Klosterführers. Was folgt ist die pure Verzweiflung. Alina kämpft um ihre große Liebe und wiegelt letztlich die Klosterbelegschaft gegen sich auf. Diese beschließen einen Exorzismus an ihr durchzuführen.

Flucht in religiöse Dogmen

Der rumänische Regisseur Christian Mungiu schildert den unfassbaren Vorfall so eindringlich und schockierend, dass in den zweieinhalb Stunden nicht eine Sekunde entbehrlich scheint. Der schwierigen Beziehung der beiden Mädchen zwischen verpfuschtem Leben, offensichtlichem Missbrauch und allgemeiner Perspektivlosigkeit, wird die dogmatische Religionspraxis des einsamen Klosters jenseits der Hügel kontrastreich gegenübergestellt. Wo jeder Funken an Halt verloren gegangen scheint, offenbart gerade die Religion eine Art von Sicherheit. Die Liebe zwischen den beiden Mädchen hat darin dennoch kein Platz.

Schuldfrage bleibt unbeantwortet

Schonungslos portraitiert Mungiu nicht nur den Exorzismus an einer vom gebrochenen Herz und der eigenen Vergangenheit geplagten jungen Frau, sondern die Probleme eines Staates, in dem Viele, sehr Viele auf der Strecke bleiben. Dennoch geht der Film nicht wertend vor. Die Schuldfrage am tragischen Tod Alinas bleibt letztlich unbeantwortet. Über der ganzen – mit größter bildlicher Natürlichkeit eingefangenen Geschichte – schwebt das Übel der Perspektivlosigkeit, die Menschen, zu jeder Zeit und an jedem Ort dieser Welt, in den religiösen Wahnsinn getrieben hat. Jenseits der Hügel – Dupa Dealuri im Original – ist überzeugend und traurig. Große Fragen, große Bilder, großartige Hauptdarsteller.

Foto (c) Viennale

Stefan Weiss

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