Kultur – Musik

M.I.A.

Mia? Nein, nicht Mia – M.I.A.!

3. Dezember 2010 • Musik

Und letztere hat nun wirklich gar nichts mit der Berliner Schrei-Formation zu tun. M.I.A., kurz für „Missing in Action“, ist Maya Arulpragasam, aufgewachsen in Sri Lanka, später in der Londoner Clubszene aktiv und bald allgemein zum ultimativen Jungtalent erkoren.

Am 30.11. 2010 hat M.I.A. das Wiener Gasometer zum Beben gebracht. Wir waren vor Ort.

Von Arular bis Maya

2005 erlangte M.I.A. mit ihrem Debüt-Album „Arular“ weltweite Erfolge und handelte sich gleichzeitig auf Grund ihrer politischen Texte mit Anspielungen auf die PLO und tamilische Befreiungsorganisationen Ärger ein. Auch beim darauf folgenden Album „Kala“ sorgten ihre politischen Botschaften für Aufruhr.

Hat M.I.A. 2008 auf einem Konzert mit den Worten „Thanks for coming to my last gig.“ noch angekündigt das Bühnenleben endgültig hinter sich lassen zu wollen, hat sie dieses Vorhaben zum Glück noch einmal überdacht. Nicht ganz unschuldig daran dürfte der Hit „Paper Planes“ gewesen sein, der es, vertreten im Soundtrack des mehrfach ausgezeichneten Filmes „Slumdog Millionaire“, zu Weltruhm brachte.

M.I.A. entschloss sich also dem Musikbusiness treu zu bleiben und arbeitete an ihrem dritten Album „Maya“, das im Juli 2010 veröffentlicht wurde.

M.I.A. in Wien

Die Darbietung der zwar allseits gehypten Sleigh Bells aus New York als Vorband ist aus unserer Sicht eher als mau zu beschreiben. Die Mischung aus zuckersüß und aggressiv wirkte, und so schien es einem weiten Teil des Publikums zu gehen, etwas zu gewollt. Die Mischung, die oft an eine Kombination aus Atari Teenage Riot und Pop erinnerte, ging zumeist ganz einfach nicht auf.

Umso größer die Freude, dass es M.I.A. von Anfang an gelang das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Altbekanntes und Bewährtes wurde ebenso gespielt wie Auszüge aus ihrem neuen Album „Maya“. Gassenhauer wie „Galang“, „Bucky Done Gone“ und zu guter Letzt auch „Paper Planes“ mischten sich mit dem neuen Maya-Sound M.I.A.s , den die Künstlerin selbst als "schizophrenic" bezeichnet hat.

Ironie?

Immer wieder ließ die Künstlerin einen ironischen Umgang mit dem Musik-Konzertbusinesswahnsinn erkennen. Der rüde Umgang eines Securities mit einer Konzertbesucherin zum Beispiel, ließ M.I.A. unterbrechen. Während sie den Aufpasser im Graben zurechtwies, verlautbarte sie auch gleichzeitig „We want everyone on stage“.

Die Folge: annähernd ebenso viele Leute tanzend auf der Bühne, wie davor. Hatte M.I.A. selbst offenbar keine Berührungsängste, so schien die Aktion doch ein Albtraum für das überrumpelte Security-Personal. Auch das Bad in der Menge, das M.I.A. dazu veranlasste zwei Songs am anderen Ende der Konzerthalle, inmitten des Publikums zu performen – erfrischend unverkrampft.

Auch mit ihrem eigenen Status als Celebrity spielte sie ironisch. Sie verwandelte ihr Outfit nicht alle paar Minuten einem wandelnden Kleiderschrank gleich, wie das so häufig bei großen Konzerten üblich ist. Mehrmals verschwand M.I.A. auch ganz von der Bühne oder trat bewusst in den Hintergrund.

Schien das Publikum bei „Paper Planes“ kaum mehr erwarten zu können in gewohntes Refraingrölen miteinstimmen zu können, so ließ sich M.I.A. bewusst Zeit. Minutenlang wurden die Anfangstakte wiederholt, während die Künstlerin auf der Bühne seelenruhig Papierflieger bastelte um diese dann ins Publikum segeln zu lassen.

Und sonst?

Das Gasometer ist und bleibt das Gasometer – schlechter Sound war also vorprogrammiert auch wenn dieser aus der Dose kam und nicht live performt wurde. Und tatsächlich, M.I.A.s Stimme ging teilweise völlig unter.

Highlights wurden mit flackernden Lichteffekten, teils schockierenden Bildern auf den zwei Videoleinwänden gepaart mit Pistolenschüssen im Sound und M.I.As provozierendem Auftritt gesetzt. Besonders zu erwähnen sind aber auch die beiden Background-Tänzer, die wahrlich ganze Arbeit leisteten. Tänzer und Bühnenbild vereinten sich zu einem ironischen Kommentar unserer vollends digitalisierten Welt. Während große @-Symbole mit teils anachronistisch wirkenden Videoeinspielungen wetteiferten, die an die Frühzeit des Computerzeitalters erinnerten, pflegten die Tänzer einen Tanzstil der sie fast maschinenhaft wirken ließ.

Résumé: ein tanzbarer Partyabend – Leichtigkeit und Radikalität bis zur Perfektion vereint…

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Gasometer

Guglgasse 11
1110 Vienna
www.gasometer.at

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