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Plastikente © babimu - Fotolia.com

Medienenten – Zum Abschuss freigegeben

22. Oktober 2011 • Skurriles1 Kommentar zu Medienenten – Zum Abschuss freigegeben

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Zeitungs- beziehungsweise Medienenten sind so alt wie das Medium selbst. Dass mit dem Web 2.0 nicht nur ein neuer Informationskanal geöffnet wurde, sondern auch Tür und Angel für allerlei sonderbarer Absurditäten, ist nicht weiter verwunderlich.

Dabei muss man unterscheiden zwischen Enten, welche lediglich Verwirrung stiften oder zum Schmunzeln anregen, und solchen, welche bewusst in den Raum gestellt werden um Stimmung zu machen oder eventuell ausgewählte Politiker zu unterstützen. Der journalistische Ehrenkodex, wonach sich jeder Schreiberling zur wahrheitsgemäßen und vor allem sorgfältigen Recherche verpflichtet fühlen sollte, wird scheinbar immer weniger wahrgenommen.

Berlusconi will Gaddafi Asyl in Italien geben

Die Heute Zeitung meinte zu wissen, dass Gaddafi im Falle des Falles Unterschlupf bei seinem Intimus Berlusconi finden würde. Diese reißerische Schlagzeile stellte sich aber schnell als unüberlegter Schnellschuss heraus, denn in keinem anderen Medium fand sich diese Schlagzeile wieder. Dass die Heute Zeitung mit dieser Annahme allein auf weiter Flur stand, schien diese nicht sonderlich abzuschrecken.

Der „Inzest Opa“ und das österreichische Boulevard

Auch in diesem Fall glaubte die knallharte Heute Redaktion einer Gruselstory auf der Spur zu sein. Neben dieser, gesellten sich auch noch andere „Revolverblätter“ wie die Kronen Zeitung und das Tagesblatt Österreich hinzu. Konkret ging es darum, dass ein 80 jähriger Mann beschuldigt wurde seine beiden Töchter 41 Jahre lang sexuell missbraucht zu haben. Als dieser Geschichte Ende August in der Öffentlichkeit auftauchte, fühlten sich einige Journalisten dazu berufen Ethik und Moral beiseite zu schieben und gleich darauf Bilder des mutmaßlichen Sexualtäters in ihren Blättern zu veröffentlichen und ihn im Vorhinein ohne juristische Prüfung als „Sex-Täter“ zu betiteln. Obwohl dies nach Mediengesetz verboten ist, da die Unschuldsvermutung gilt und Persönlichkeitsrechte verletzt werden, setzten sich die besagten Tageszeitungen über diese „lästigen“ Schranken des Gesetzes hinweg und inszenierten eine mediale Hinrichtung. Wie der Standard aber in seiner Onlineausgabe vom 9. September 2011 berichtet, wurde der 80 jährige wieder aus der Untersuchungshaft entlassen. Nach Aussage des Anwalts hätte es Missverständnisse in der Einvernahme der beiden geistig beeinträchtigten Töchter gegeben, daraus resultierten die schwerwiegenden Vorwürfe.

Tot oder doch nur scheintot?

Diese beiden Enten haben eines gemeinsam. Den Tod. Erik Per Sullivan, besser bekannt als Dewey aus der Serie "Malcom mittendrin", wurde vor einigen Jahren von diversen Medien und in Internetforen für tot erklärt. Ein Autounfall soll es gewesen sein. Diese Meldung hielt sich hartnäckig für mehrere Wochen, erwiesen sich aber schlussendlich als falsch. Tragischerweise verhielt es sich bei Ryan Dunn umgekehrt. Dachten viele anfangs noch sein Unfalltod sei ein weiterer makaberer Gag aus der Jackass-Schmiede, bewahrheitete sich diese Meldung schließlich doch.

Der Linkshänder Burger

Eine Ente welche sich wohl unter die Kategorie "Frechheit siegt" stellen lässt, ist jene Skurrilität vom Fast Food Krösus Burger King aus dem Jahre 1998. Damals schaltete Burger King landesweit Inserate für einen brandneuen Linkshänder-Burger. Dieser sollte zwar dem herkömmlichen Burger vollkommen gleichen, jedoch unterschied sich der Linkshänder-Burger in seiner Zutatenkomposition. Die Zutaten wurden einfach, in umgekehrter Reihenfolge zwischen die Brötchen gelegt. Scheinbar reichte dieser Fakt aus um die Fast -Food versessenen Amis scharenweise in die Burger-King Filialen zu treiben und dem Konzern die Türen einzurennen. Eine Marketingente. Gewinnmaximierung at its best.

Tod durch Masturbation

Unter anderem titelte auch Bild.de vor einigen Wochen mit der Schlagzeile "Junge onaniert sich zu Tode". Demnach soll sich ein 16 jähriger brasilianischer Teenager in einer Nacht 42 mal selbst befriedigt haben und aufgrund dessen gestorben sein. Schnell stellte sich jedoch heraus, dass es sich dabei um eine fingierte Story handelte, die durch eine brasilianische Webseite namens G17 in die Welt gesetzt wurde, welche immer wieder humoristische Geschichten erfindet und diese als Enten im Internet veröffentlicht.

Anders Brevik, die Al Qaida und der G8- Gipfel

Besonders peinliche und gleichzeitig reißerische Enten rankten sich rund um die Tragödie in Norwegen. Kaum war es zu der Explosion im Zentrum Oslos gekommen, krochen die selbsternannten Terrorismusexperten diverser Privatsender, aber auch jene der öffentlich Rechtlichen aus ihren Löchern und wurden vor die Kamera respektive Telefone gezerrt um dort einen Schwall ihrer dogmatischen Vermutungen kund zu tun. Egal wohin man zappte, auf jeden Sender glaubte man schnell die Schuldigen ausfindig gemacht zu haben. Die Al Qaida muss es gewesen sein, so der einheitliche Tenor. Wie wir heute wissen, war es kein fanatischer Islamist sondern ein erzkonservativer, rechtsradikaler Christ. Ein weiteres Beispiel falscher Berichterstattung war jene Zeitungsente welche behauptete, im Zuge des G8 seien durch gewaltbereite Demonstranten 433 Polizisten verletzt worden, 32 davon schwer. Wahr ist jedoch, dass lediglich 158 behandelt wurden zwei davon stationär. Hauptgrund dafür war, dass sich die Beamten mit ihrem eigenen CS- Gas verletzten.

Hitlers Tagebücher und der Stern

Das Paradebeispiel aller Medienenten. Der mediale Super-GAU. Gerd Heidemann, damaliger Star – Journalist und Nazi-Fetischist des Stern stolperte über den wohl bekanntesten Medienskandal der deutschen Pressegeschichte. Sein Hang zum Nazikult war es auch, der ihm damals 1983 die Sinne vernebelte und ihn vor Sensations- und Geldgier blind werden lies. Nachdem er stolz die historische Sensation, nämlich Hitlers angebliche Tagebücher mit Pauken und Trompeten verkündet hatte, musste er sich knappe zwei Wochen später für einen der größten Skandale der deutschen Medienlandschaft verantworten. Die Tagebücher waren gefälscht. Der Mann hinter dieser Farce war der polizeibekannte Betrüger Konrad Kujau, der scheinbar selbst am Ende dachte er sei Hitler: "Ich muss Ihnen sagen, ich fühlte mich die letzte Zeit schon direkt als Hitler – ich war Hitler!" Aus der Sternstunde des deutschen Journalismus wurde einer der peinlichsten journalistischen Fiaskos der deutschsprachigen Pressegeschichte.

Hier zum Nachsehen.

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  1. Joni sagt:

    Lugner…
    der Lugner wurde ja auch für tot erklärt, oder 😀

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